Nienburger „krasser Bewährungsversager“

Haft-Nachschlag in der Berufung

Verden / Nienburg - Lediglich in einem Punkt hatte ein 25 Jahre alter Angeklagter aus Nienburg Erfolg mit seiner Berufung: Der Tatvorwurf der Erpressung bestätigte sich nicht. Von einem Freispruch war der bereits im Knast sitzende Angeklagte jedoch weit entfernt. Dort verbüßt er derzeit eine zweijährige Freiheitsstrafe. Nach einer Entscheidung der 12. Kleinen Strafkammer des Landgerichts Verden kommen unter Einbeziehung eines weiteren früheren Urteils zwei Jahre und acht Monate dazu.

Im aktuellen Verfahren wurde der 25-Jährige des 17-fachen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge schuldig gesprochen. Er hatte an 15 nicht näher bestimmbaren Tagen zwischen Dezember 2012 und Juni 2013 jeweils 100 Gramm Cannabis gekauft. Bei einem weiteren Geschäft hatte er 380 Gramm Cannabis erworben. Die Menge des letzten Ankaufs wurde in der mündlichen Urteilsbegründung nicht genannt.

Die Drogen verkaufte er gewinnbringend an sogenannte „Läufer“. Darunter waren zwei Jugendliche, einer ist sein Neffe. Damit hat sich der Angeklagte zusätzlich in zwölf Fällen der unerlaubten Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige schuldig gemacht. Außerdem wurde er wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in einem nicht haftpflichtversicherten BMW verurteilt.

Vorrangiges Ziel der Berufung des Angeklagten war die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Ein psychiatrischer Sachverständiger sah die Voraussetzungen jedoch nicht als erfüllt an, denn schon der Hang zum Konsum von berauschenden Mitteln konnte nicht festgestellt werden. So ergab eine nach der Verfolgungsjagd mit der Polizei entnommene Blutprobe keine Hinweise auf einen Drogenkonsum und auch Zeugen bestätigten diesen nicht. Vielmehr soll eine Spielsucht des Angeklagten bei den Drogengeschäften eine Rolle gespielt haben und die Einnahmen dafür verwendet worden sein.

„Während Verfahren weitergedealt“

Positiv angerechnet wurden dem 25-Jährigen sein Geständnis und dass er mit seinen umfassenden Angaben Aufklärungshilfe geleistet hat. Berücksichtigung beim Strafmaß fand auch, dass die Taten mittlerweile mehrere Jahre zurückliegen. „Der Angeklagte hat aber erhebliche Vorstrafen und ist ein krasser Bewährungsversager“, argumentierte Erste Staatsanwältin Regina Steinebach. Während der Tat wurde er im Dezember 2015 zu der zweijährigen Jugendstrafe verurteilt, die er derzeit verbüßt. „Und während des damals laufenden Verfahrens hat er weitergedealt“, kritisierte die Juristin.

Steinebach beantragte eine dreieinhalbjährige Gesamt-Freiheitsstrafe, doch die Kammer blieb nicht nur unter der Forderung der Staatsanwältin, sondern zudem unter den vom Verteidiger beantragten drei Jahren.

Das Amtsgericht Nienburg hatte den 25-Jährigen in erster Instanz zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Im jetzigen Berufungsverfahren am Landgericht Verden wurde eine Vorstrafe von 20 Monaten einbezogen. Macht unterm Strich zwei Jahre und acht Monate Haft. 

wb

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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