350 Einwohner bei erstem Auftritt der Bürgermeister-Kandidatin Bast-Kemmerer

700 Augen sind auf eine einzige Frau gerichtet

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Äußerlich lässig, innerlich angespannt: Dr. Inge Bast-Kemmerer auf der Bühne neben ihrem Wahl-Plakat.

Marklohe - Von Kurt Henschel. Rote Wangen als Indiz dafür, unter welcher Anspannung sie gestanden haben muss. Erst nach 90-minütiger Musterung von etwa 700 Augen, die im Markloher Gasthaus „Vier Jahreszeiten“ den Blick auf eine einzige Frau gerichtet hatten, löste sich ihre Anspannung von einer Gratulanten-Hand zur anderen: Dr. Inge Bast-Kemmerer hat ihren ersten öffentlichen Auftritt als Kandidatin für den Chef-Sessel in der Verwaltung der Samtgemeinde Marklohe am Donnerstagabend gemeistert. Und zwar recht souverän. Geschickt erstickte die 57-Jährige kleinere Störfeuer-Versuche im Keim – mit Schlagfertigkeit.

Die Frau, die sich traut und das Amt der Bürgermeisterin der Samtgemeinde Marklohe anstrebt, war zunächst überrascht von der enormen Resonanz auf ihren ersten Vorstellungs-Abend: „Mit drei Leuten hatte ich gerechnet“, erklärte die gebürtige Pfälzerin mit einem gewissen Charme. Ihr Mann Roland hatte 100 bis 150 Gäste erwartet, wie er sagte. Beide lagen falsch: Satte 350 Einwohner der Samtgemeinde Marklohe, die am 6. März über die Nachfolge des abgewählten Verwaltungs-Chefs Volker Friemelt entscheiden sollen, brachten den Ort der Veranstaltung nahezu zum Bersten. Sie alle wollten sehen und hören, wer die Frau ist, die es wagt, gegen Verwaltungs-Urgestein Fritz Jansen anzutreten.

Park-Chaos vor dem Haus, Stühle-Not im Saal. Als Inge Bast-Kemmerer die Bühne betrat, leitete mit Adrian Menke ein Freund der Familie den Abend ein und passte als Moderator anschließend auf, dass alles in geordneten Bahnen verlief. Und das tat es – trotz eines Herrn aus Oyle, der mächtig schwadronierte und versuchte, der Kandidatin zu signalisieren, dass sie keine Ahnung von der Führung einer Verwaltung besitze und deshalb chancenlos sei.

Aber Bast-Kemmerer konterte und erklärte, dass sie im Falle ihrer Wahl auf kompetente Mitarbeiter im Rathaus bauen könne. Sie sei gewillt, schnell zu lernen und sich auch in die Materie des Verwaltungsrechts, die niedersächsische Gemeindeordnung und alles sonst Nötige einarbeiten und ihrer Verantwortung somit nachkommen zu können. Auf die Frage des besagten Herrn aus Oyle, irgendwann zugewandert aus Berlin, ob sie denn schon auf die agierenden Parteien in Marklohe zugegangen sei, antwortete Bast-Kemmerer: „Das mache ich persönlich – hier will ich darauf nicht antworten.“

Beifall brandet auf. Mehrmals übrigens. Das Publikum saugt alles auf, was Inge Bast-Kemmerer von sich gibt. Ihren Lebenslauf, ihre berufliche Entwicklung und ihre Motive, sich gegen einen Mann zu stellen, der seit mehr als 45 Jahren in allen möglichen Positionen im Rathaus der Samtgemeinde Marklohe tätig ist.

„Manchmal sind Frauen die besseren Männer“

„Manchmal sind Frauen die besseren Männer“, so die selbstbewusste Chemikerin, deren Sohn Dennis als „Mikro-Mann“ fungierte und im völlig überfüllten Saal stets zu denen zu eilen versuchte, die eine Frage an die Vielleicht-bald-Bürgermeisterin richten wollten. Fast alle beantwortete Inge Bast-Kemmerer, die sich nicht irritieren ließ und am Ende sichtlich erleichtert Glückwünsche und Aufmunterungen entgegennahm. Mehrere Gratulanten meinten, dass es Zeit sei für eine Frau an der Spitze der Verwaltung, viele Redner erklärten ihre Hochachtung für den Mut von Inge Bast-Kemmerer, sich als Kandidatin in die – bisher relativ faire – Wahl-Schlacht zu werfen.

Die zweifache Mutter, die vor rund 14 Jahren über Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen in Marklohe gelandet war und über Unternehmens- und Management-Kenntnisse verfügt, sieht sich gewappnet für das Amt. Sie erläuterte erneut ihre an dieser Stelle kürzlich bereits skizzierten Ziele zur Weiterentwicklung der Samtgemeinde, die für sie und ihre Familie zum Zuhause geworden sei. Wichtig sei ihr das Miteinander aller, Transparenz und Aufrichtigkeit. Sie sei „frei und niemandem verpflichtet“, da sie „von außen“ komme. Sie verabscheue „Mauscheleien“ und könne gut verstehen, dass sich die Einwohner nach mehr Transparenz als bisher gewohnt sehnen. Ob es – wie von Gästen gewünscht – Bürger-Zusammenkünfte geben könne, die die Transparenz der Arbeit im Rathaus untermauerten, wollte sie nicht versprechen – auch nicht bei einem Neujahrsempfang.

Diese „Anspielung“ auf ihren vermeintlichen Rauswurf bei der jüngsten Veranstaltung in Marklohe blockte Bast-Kemmerer schnell und souverän ab. Und schüttelte am Ende ihres Auftritts zahlreiche – auch männliche – Hände, deren Besitzer signalisierten, ihr die Daumen für die Wahl am 6. März drücken zu wollen. „Wenn jeder von Ihnen mich fünf Leuten empfiehlt, kann ich es schaffen“, so die selbstbewusste Frau, die allem Anschein nach weiß, worauf sie sich eingelassen hat und was möglich sein könnte.

„Endlich eine Frau“, hätten ihr Freunde und Bekannte immer wieder zugerufen. Und im Saal saßen – im Vergleich zu anderen Veranstaltungen der politischen Art – auffällig viele Frauen . . .

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