„frau+wirtschaft“ startet Ende August mit einer Infomobil-Tour durch den Landkreis

Eigene Stärken entdecken – erster Schritt zum neuen Job

Katrin Fedler und ihre Mitstreiter freuen sich bereits auf die kommende Infomobil-Tour.

Nienburg - Von Julia Kreykenbohm. Jahrelang hat Frau K. alles für Mann und Kinder getan, war rund um die Uhr Hausfrau und Mutter. Doch nun sind die Kinder groß, der Mann arbeitet noch immer und auch sie würde gerne wieder zurück in die Berufswelt. Doch die Zweifel lähmen sie: Kann ich das überhaupt noch? Wie bewirbt man sich heute am Besten? Wie verhalte ich mich in einem Bewerbungsgespräch? Und bevor sie sich auf unsicheres Terrain begibt, bleibt sie lieber auf vertrautem Boden – auch wenn es sie nicht zufriedenstellt.

Frauen wie Frau K. möchte die Koordinierungsstelle „frau+wirtschaft“ im Landkreis Nienburg helfen. Doch es müssen nicht nur Hausfrauen sein. „Wir möchten alle Frauen erreichen, die im Beruf Fuß fassen wollen, aber nicht wissen, wie sie das umsetzen sollen oder es sich aus verschiedenen Gründen nicht zutrauen“, erläutert Leiterin Katrin Fedler. Das sei leider ein grundsätzliches Problem der Damenwelt: dass sie ihre Schwächen mehr wahrnimmt, als ihre Stärken, dass sie sich kleinredet und schnell aufgibt, wenn sie negative Erfahrungen macht.

Helfen sollen den Frauen dabei verschiedene Seminare, von denen viele kostenlos sind. Aufgebaut sind sie wie ein Stufenmodell. Das erste Seminar behandelt zum Beispiel das Thema Zeitmanagement. Dann geht es in „Du bist wertvoll“ darum, die eigenen Stärken wahrzunehmen. Anschließend lernen die Teilnehmerinnen das öffentliche Sprechen und sicheres Auftreten. Schließlich geht es in den Job-Bereich. Bewerbungen, Vorstellungsgespräche und Gehaltsverhandlungen werden geübt. Am Ende der vielen Stufen soll dann der ersehnte Arbeitsplatz stehen. Es ist jedoch auch möglich, nur einzelne Seminare zu belegen, sich das rauszupicken, was einen interessiert.

Der erste „Block“ dieser Seminare ist bereits vor den Sommerferien durchgelaufen und hat sowohl bei den Organisatorinnen als auch bei den knapp 100 Teilnehmerinnen für strahlende Gesichter gesorgt. „Wir hatten eine Frau, die hat in dem ersten Seminar geweint, weil sie vor den anderen kein Wort rausbekommen hat, da sie so unsicher war. Nun sucht sie einen Studienplatz“, berichtet Fedler. „Wir hatten eine ziemlich bunte Mischung“, erzählt ihre Mitarbeiterin Catrina Lohmeyer. „Es gab Hausfrauen, die keine Ausbildung hatten und eine Architektin. Von 21 bis 61 Jahren war alles dabei.“ Die Resonanz sei sehr gut gewesen.

Doch auch bereits berufstätige Frauen können an den Seminaren teilnehmen, wenn sie Orientierungshilfe brauchen, an ihren Fähigkeiten arbeiten oder Defizite ausgleichen möchten. Zum Beispiel ihre zögerliche Haltung, wenn es um Gehaltsverhandlungen geht. „Frauen leben häufig mit der Vorstellung: ,Mein Chef weiß schon, was er an mir hat und wird mich gerecht entlohnen’“, erzählt Fedler. Doch dem sei leider nicht immer so. In dem Seminar lernen die Teilnehmerinnen, zu argumentieren und zu verhandeln. Mitmachen können pro Seminar maximal zwölf Frauen, damit es persönlich und überschaubar bleibt.

Darüber hinaus bietet „frau+wirtschaft“ Beratungsgespräche und Erzählcafés an, bei denen über verschiedene Themen wie den Umgang mit Negativerfahrung oder Minijobs gesprochen wird. „Aus dem Erzählcafé des letzten Blocks hat sich mittlerweile ein Netzwerk von Frauen gebildet, die sich gegenseitig unterstützen und zwei Damen haben inzwischen eine Arbeit gefunden“, berichtet Lohmeyer stolz. Wenn dies gelinge, freue sich das ganze Team mit. Das motiviert und gibt Schwung.

Um noch mehr Frauen auf das Angebot der „frau+wirtschaft“ aufmerksam zu machen, schwingen sich Katrin Fedler und ein paar Kolleginnen Ende August in einen Elektro-VW, den ihnen die Avacon zur Verfügung stellt. Damit fahren sie durch den Landkreis Nienburg und bauen an verschiedenen Stationen einen kleinen Infostand auf. „Wir wollen den Frauen dort nichts verkaufen“, betont Fedler. „Wir wollen mit ihnen ins Gespräch kommen und informieren.“

In zwei Wochen haben sie 31 Termine und 600 Kilometer vor sich – doch Fedler und Lohmeyer freuen sich: „Vor allem darauf, mit den Frauen ins Gespräch zu kommen“, sagt Lohmeyer. „Diese Tour ist für all die Frauen, die aus verschiedenen Gründen nicht zu uns in die Koordinierungsstelle nach Nienburg kommen können. Nun kommen wir zu ihnen.“

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