26-jährige Jesidin Khairiya hilft im Bücker Kindergarten

„,Unsere‘ Flüchtlinge suchen alle eine Beschäftigung“

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Machen Klarschiff in der Kindergartenküche (oder schauen beim Pressetermin zu): Khairiya Shengari Arab, Renate Paul, Britta Grohs, Nina Waldeck und Marita Prox (von links). 

Bücken - Von Horst Friedrichs. Sie wollte nicht untätig herumsitzen – und deshalb packt Khairiya jetzt im Bücker Kindergarten mit an. Die 26-jährige Irakerin heißt mit vollem Namen Khairiya Shengari Arab und ist die erste Frau unter den 311 Flüchtlingen in der Samtgemeinde, die einen sogenannten Ein-Euro-Job erhalten hat. „Sie hat sich selbst darum bemüht“, sagt Renate Paul vom Verein „Brot und Salz“. Sie ist Patin von Khairiya und ihrer vier Brüdern. Nachdem Khairiya sie angesprochen hatte, setzte Renate Paul alle Hebel in Bewegung, um der Kurdin, die aus der Nähe der irakischen Großstadt Mossul stammt, zu einer Beschäftigung zu verhelfen. Die erhielt sie jetzt in Form des Ein-Euro-Jobs im Kindergarten „Sterntaler“ in Bücken.

Während eines Pressegesprächs am Montagmorgen ist Kindergarten-Leiterin Marita Prox voll des Lobes über ihre neue Hilfskraft: „Khairiya hat gute Kontakte zu allen Kolleginnen, vor allem zu Nina Waldeck. Die beiden arbeiten besonders eng zusammen.“ Khairiya packt tatkräftig in der Küche mit an, hilft aber auch in der Krippe und in den Gruppen. „Sie sorgt für viel Sauberkeit in den Räumen“, fügt Marita Prox hinzu. „Sie unterstützt unsere hauptberuflichen Mitarbeiterinnen.“

Khairiya spricht Kurdisch und Arabisch. In den Kindergartengruppen des „Sterntalers“ gibt es zwei syrische Kinder, mit denen sie sich auf Arabisch unterhalten kann.

Unbürokratischer Vorgang

„Alle Beteiligten haben den Job für Khairiya völlig unbürokratisch ermöglicht“, erklärt Britta Grohs von der Samtgemeindeverwaltung. „Alles wurde abgesprochen. Einen schriftlichen Vertrag gibt es nicht. Die Abrechnung erfolgt für sie ganz normal per Stundenzettel.“

Für den Ein-Euro-Job im Bücker Kindergarten erhält Khairiya 80 Cent pro Stunde – zusätzlich zu dem Geld, das ihr der Landkreis Nienburg für ihren Lebensunterhalt monatlich überweist. Ein Jahr oder länger soll sie im Kindergarten beschäftigt bleiben.

Ihre Arbeitszeit von montags bis freitags dauert jeweils von 8.30 bis 13 Uhr. Zusätzlich erhält sie einmal wöchentlich Deutschunterricht. Und der trägt Früchte: „Sie traut sich immer mehr, deutsch zu sprechen“, berichtet Marita Prox.

„Alles zusammen ist ein guter Einstieg für sie“, sagt Renate Paul, „denn im Irak ist sie überhaupt nicht zur Schule gegangen. Es gab in ihrem Heimatort sowieso keine Schule.“ Khairiyas Eltern, die nach wie vor in dem Dorf bei Mossul leben, hatten ihre Tochter bei sich zu Hause behalten.

„Khairiya ist ein Beispiel für die gelebte Integration, die wir in der Samtgemeinde betreiben“, sagt Britta Grohs. „Die Samtgemeinde bringt sich an verschiedenen Stellen ein, so etwa im Bauhof, im Freibad und an den Schulen. Dort sind insbesondere männliche Flüchtlinge unterstützend beschäftigt. „,Unsere‘ Flüchtlinge suchen alle eine Beschäftigung“, ergänzt Renate Paul. „Das müssen wir nutzen.“

Seit Dezember 2015 lebt Khairiya mit ihren vier Brüdern in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya. Ihr Bruder Saeed begleitete sie auf dem beschwerlichen Weg nach Deutschland – direkt nach Magelsen, wo ihre anderen Brüder bereits wohnten. Khairiyas Geschwister sind 21, 18, 16 und 13 Jahre alt.

Aus dem Irak gelangten Khairiya und der 16-jährige Saeed zunächst per Flugzeug in die Türkei. Von Istanbul aus legten die beiden dann die ganze Strecke über Bulgarien und die Balkanroute bis nach Magelsen zu Fuß zurück. Von dort mussten sie noch einmal eine Woche zur Registrierung ins Lager Friedland.

Kurze Zeit später zogen die fünf Geschwister nach Bücken um, wo es ihnen besonders gut gefällt – nicht zuletzt deshalb, weil sie alles, was sie zum Leben brauchen, im Ort bekommen können.

Khairiya und ihre Brüder sind Jesiden; sie haben Kontakt zu insgesamt 18 Familien dieser Glaubensgemeinschaft, die in Hoya leben.

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