Therapeutin aus Hannover zeichnet bei Lesung eigene Lebenswege nach

Rückwärts zum eigenen Ich

Adelheid John, Gestalttherapeutin aus Hannover, las in der Kleinkunstdiele aus ihrem Buch „Rolle rückwärts“. - Foto: Horst Friedrichs

Bücken - Von Horst Friedrichs. Die weichen Strahlen der Abendsonne fallen flach herein und fluten die Kleinkunstdiele mit warmem Licht. Die Fachwerk-Behaglichkeit des Bücker Kulturhorts bietet, solchermaßen erhellt, den rechten Rahmen für eine außergewöhnliche Lesung.

Adelheid John, Gestalttherapeutin aus Hannover, stellt ihr neues Buch vor. „Rolle rückwärts – von der Kopie zum Original“ heißt es. Die Autorin zeichnet darin Episoden ihres Lebenswegs nach, vor dem Hintergrund der Individuation (siehe Kasten), die sie als eine der wichtigsten Aufgabe des Menschen betrachtet.

Interessierte Zuhörer nutzten am Mittwochabend in der Kleinkunstdiele Bücken die Gelegenheit, mit Adelheid John ins Gespräch zu kommen.

Die Verfasserin des anspruchsvoll gestalteten Taschenbuchs las an einem Ort, der häufig den Rahmen für musikalische Ereignisse bildet. Schon nach den ersten Worten ließ sie mit sanfter bis eindringlicher Stimme erkennen, wie sehr sie in der Lage ist, auch dem gesprochenen Wort durch treffsichere Modulation eine Klangfarbe zu verleihen, die ihre Wirkung auf den Zuhörer bis hin zur Ergriffenheit zeitigt.

Adelheid John liest ausgewählte Episoden aus den Kapiteln ihres Buchs, regt zu tiefer Nachdenklichkeit, aber auch zu Heiterkeit an. Pointierte Sprachfragmente formen zielsichere Sätze. Die Autorin versteht es, zu verkürzen und zugleich nachhaltige Wortwirkung zu erzielen. Aber das ist nur ein Teil jener Bandbreite, die ihr gedrucktes Ausdrucksvermögen ausmacht. Bis hin zur herzerwärmenden und ergreifenden Prosa reicht es, und es nimmt die Zuhörer mit auf atemberaubende Gedankenreisen.

So etwa wenn sie beschreibt, wie sie die Einflussnahme ihrer Eltern in den ersten 20 Jahren ihres Lebens bis in den heutigen Alltag hinein wahrzunehmen vermag. Oder mit der Erkenntnis „Liebe lässt sich nicht verdienen; sie ist ein Geschenk, das ich zuallererst mir selbst mache.“

Atemlos andächtige Stille erzeugte die Autorin mit Episoden wie „Begegnung – Besuch im Gefängnis“. Wer das Gehörte vertiefen wollte, hatte Gelegenheit, das Buch von Adelheid John signieren zu lassen und mit nach Hause zu nehmen.

Eingangs hatte Peter Klein, der Betreiber der Kleinkunstdiele, die Gäste der Lesung begrüßt – mit Hut. Das war das Zeichen dafür, dass es sich um eine Hutveranstaltung handelte, bei der kein Eintrittsgeld erhoben, sondern um eine Spende „in den Hut“ gebeten wurde.

Adelheid Johns Lesung eröffnete den Reigen der Kleinkunstdielen-Veranstaltungen im zweiten Halbjahr 2016. Peter Klein wies besonders auf einen Konzertabend am Sonnabend, 10. September, hin. Dann gastiert Raúl Jaurena, Meister des Bandoneons und Grammy-Gewinner aus Uruguay in der Kleinkunstdiele. Jaurena, der in New York lebt, wird begleitet von dem deutschen Klarinettisten Bernd Ruf und der Sängerin Marga Mitchell aus Caracas, Venezuela, und New York. Gemeinsam bitten die drei zum Tango Argentino.

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