Ungewöhnliche Sportart: die Rhönradgruppe des TuS Hoya

Wo das Rad rollt

Tina Görtmüller (rotes T-Shirt) bringt Sophie Schuster ein neues Rhönrad-Kunststück bei. - Foto: Max Brinkmann

Hoya - Von Max Brinkmann. Es klingt sehr anstrengend und auch etwas gefährlich. Doch die Mädchen aus Hoya scheinen Spaß zu haben am Rhönradturnen – und ängstlich wirken sie dabei nicht. Die Sportart ist eher unbekannt.

Dennoch gibt es, mit einer Unterbrechung, seit Jahren eine Rhönradgruppe im Turn- und Sportverein (TuS) Hoya. Sie wird von Tina Görtmüller aus Hilgermissen geleitet. Die Trainerin selbst begann 1989 in ihrem damaligen Wohnort Achim-Uesen mit dem Rhönradturnen. „Ich wollte mal was anderes machen als alle anderen“, erklärt sie, wie sie zu der Turnsportart gekommen ist. Nach ihrem Umzug nach Hilgermissen versuchte sie, selbst eine Gruppe zu organisieren und ließ sich zur Übungsleiterin ausbilden.

2003 startete sie den ersten Versuch im TuS Hoya. Anfangs war das Interesse sehr groß, flachte dann jedoch schnell ab, sodass Görtmüller ihr Vorhaben 2007 einstellen musste. „Der Verein hätte die fünf angeschafften Rhönräder fast verkauft“, sagt Görtmüller. Sie schaffte es jedoch noch rechtzeitig, wieder genug Menschen für das Turnen in den großen Rädern zu begeistern, und so gehört es seit 2011 zum festen Angebot des TuS Hoya. Zurzeit trainiert Tina Görtmüller einmal die Woche mit zehn jugendlichen Mädchen in der Sporthalle an der Rudolf-Harbig-Straße.

Das Sportgerät besteht aus zwei Reifen, die durch sechs Sprossen, teilweise mit Griffen oder Brettern versehen, zusammengehalten werden. Das Rhönradturnen besteht aus verschiedenen Disziplinen: Einzel-, Synchron- und Paarturnen. Die Mitglieder des TuS Hoya bevorzugen das Einzelturnen. Es gibt zentrale Kunststücke, bei denen die Sportler in der Mitte des Rads stehen, und dezentrale, bei denen sie am Rand turnen. Beim „Geradeturnen“ rollt das Rad normal, beim „Spiraleturnen“ nur auf einem Reifen, und beim „Sprung“ läuft man dem Rad hinterher und turnt dann auf und im Rhönrad.

„Zum Rhönradturnen muss man schon etwas Kraft, Beweglichkeit und Koordination mitbringen“, sagt Görtmüller. Am wichtigsten sei allerdings Mut. „Ansonsten wird es schwierig, neue Kunststücke zu lernen.“

Die ersten Kunststücke, die man als Anfänger lernt, sind relativ einfach: Man stellt sich auf die Brettsprossen und hält sich mit beiden Händen an den Griffen fest. Nun wird das Rad gedreht. Danach kommt die Aufgabe „Liegestütz“, bei der man sich mit beiden Händen an einem Griff festhält und sozusagen quer im Rad steht.

Das alles ist einfacher und ungefährlicher als es aussieht. „Bei schwereren Übungen kann es schon mal zu Verletzungen kommen“, berichtet die Übungleiterin. Prellungen kommen vor, ausgeschlagene Zähne und Gehirnerschütterungen sind eher eine Ausnahme.

Das Training läuft in Hoya sehr frei ab: Zunächst wärmen sich die Mädchen gemeinsam auf. Dann üben sie einzeln ihre Kunststücke und helfen sich dabei gegenseitig. Ab und zu lernen sie ein neues Kunststück. Nach und nach werden diese dann zu einer Kür zusammengesetzt. An Wettkämpfen nimmt die Gruppe bisher nicht teil. Sie hatte allerdings schon einige Auftritte, zum Beispiel auf der Weihnachtsfeier des TuS, für die die Rhönradturner auch Partner-Übungen einstudiert haben.

„Ich habe vorher Leichtathletik gemacht. Die Rhönradgruppe hatte immer parallel zu uns Training, und ich fand, dass es interessant aussieht. Also bin ich da mal hingegangen und dann dabei geblieben“, berichtet Sophie Schuster. Die Mädchen sind sich einig: „Es ist einfach eine interessante Sportart“. Dass es Spaß macht, sieht man ihnen ohnehin sofort an. Zwischendurch trainieren auch immer mal wieder Jungs mit. Laut Görtmüller konnte sich aber bislang keiner von ihnen langfristig für den Sport begeistern.

Die Gruppe ist übrigens sehr gemischt: Einige sind schon seit Jahren dabei, andere erst seit Kurzem. Die Anfänger erhalten viele Hilfestellungen und werden gut in die Gruppe aufgenommen. „Das Alter ist eigentlich egal“, sagt Görtmüller. Die Mädchen, die am Rhönradturnen in Hoya teilnehmen, sind elf bis 19 Jahre alt. Wichtig ist nur die Körpergröße: Man sollte zwischen 1,50 und 1,80 Meter groß sein, damit man in die Rhönräder passt.

Tina Görtmüller selbst nahm im Juni 2016 an den Landesbestenwettkämpfen teil und belegte den ersten Platz. „Es war mein erstes Turnier seit 16 Jahren, und es war sehr aufregend, mal wieder selbst teilzunehmen. Ich hatte 0,1 Punkte mehr als die Zweitplatzierte, gegen die ich früher immer verloren habe“, sagt Görtmüller.

Wer Interesse am Rhönradturnen hat, der kann das Training mittwochs von 18.15 bis 20 Uhr besuchen. Auch Helfer sind gern gesehen. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0 42 56/98 22 98.

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