Veterinäramt und Tierheim appelieren

Wer nicht kastriert, muss zahlen

Warpe - Von Julia Kreykenbohm. Ein Karton, mit viel Klebeband gründlich versiegelt, steht am Eingang des Tier- und Umweltschutzhofes Geißblatt in Warpe. Es ist 6 Uhr morgens, als Leiter Bernd Christof ihn entdeckt. Auf dem Deckel pappt ein Zettel mit der knappen Notiz „Katze gefunden, Nähe B6. Futter ist mit drin“.

So ähnlich, wie man ein unliebsames Paket abstellen würde. Christof nimmt es mit hinein. Aus dem Karton dringt kein Mucks, so dass er und seine Frau Linda schon das Schlimmste befürchten. „Wir dachten, die Katze ist tot“, erinnert sich Linda Christof.

Doch kaum haben sie den Karton einen Schlitz breit geöffnet, quillt ein schwarzer Katzenkopf mit großen, grünen Augen heraus. Erleichterung beim Ehepaar. Und sobald die Kiste ganz offen ist, kommt die Samtpfote herausgekrabbelt und sucht nach der Zeit in der dunklen Kiste die Nähe der Menschen. Christofs taufen ihr Findelkind „Krabbe“.

Mit Zettel vor die Tür gestellt

„Sie ist etwa 15 Wochen alt und zuckersüß“, schwärmt Linda Christof. Da die Kleine in einem guten Zustand und so zahm ist, geht sie davon aus, dass sie vorher bei Menschen gelebt hat. „Vielleicht war es ein übrig gebliebenes Jungtier aus einem ungewollten Wurf, vielleicht hat sich jemand so ein niedliches Katzenkind angeschafft und dann war es mit dem kleinen Rabauken zu Hause doch nicht so lustig wie man sich das vorgestellt hatte“, vermutet die Tierheimleiterin. „In dem Alter geht so ein Kätzchen ja gerne mal Gardinen und Hosenbeine rauf und runter.“

Christof ärgert die Art und Weise, wie das kleine Lebewesen „entsorgt“ wurde. „Es wurde nur ein Zettel an einen Karton geklebt und dieser vor der Tür abgestellt. Das ist schäbig und auch nicht ungefährlich für das Tier.“ Wer eine Katze findet, kann entweder beim Tierheim oder der Gemeinde anrufen. „Selbst wenn man bei uns niemanden mehr erreicht, gibt es bei der Gemeinde eine Notfallnummer, die immer besetzt ist“, erklärt Christof. Falls der Finder das Tier nicht bringen kann, werde auch der Transport geregelt.

Vorfälle wie mit „Krabbe“ erleben Christof und ihr Mann zum Glück selten. Über das Jahr werden 15 bis 20 Fundkatzen bei ihnen abgegeben. „Das war auch schon mal schlimmer, aber durch die Kastration hat es sich deutlich verbessert“, sagt Christof.

Bußgeld von bis zu 5.  000 Euro

In dieser Hinsicht ist Bruchhausen-Vilsen eine echte Vorzeige-Gemeinde, weiß auch Thorsten Abeling, stellvertretender Fachdienstleiter Veterinärwesen und Verbraucherschutz. „Dort wurde eine Kooperation mit einer Tierschutzorganisation eingegangen und Kastrationsprojekte gestartet.“ Dies sei ganz im Sinne der Verordnung über Kastration und Kennzeichnungspflicht, die seit Oktober 2012 in Kraft getreten ist. Nach dieser Verordnung können Katzenbesitzer, die ihr Tier draußen umherlaufen und nicht kastrieren und chippen lassen, rechtlich belangt und mit einem Bußgeld von bis zu 5.  000 Euro belegt werden.

Doch es sei nicht die Intention, die Bürger mit Sanktionen zu ärgern, betont Abeling. „Vielmehr möchten wir die Bevölkerung für das Thema Kastration sensibilisieren und sie darauf aufmerksam machen, dass falsches Verhalten – selbst wenn es aus Tierliebe entspringt – schwere Folgen haben kann.“

Katzen, die sich unkontrolliert vermehren, gefährden den Wildvogelbestand, leiden häufig an Krankheiten und bevölkern die Tierheime, was wiederum hohe Kosten verursacht. In Bruchhausen-Vilsen habe man seines Wissens nach durch die Kastration schon viel Geld gespart, so Abeling. Für andere Gemeinden liegen ihm keine Angaben vor. „Außerdem wollen wir es durch die Verordnung leichter machen, Tierschutzorganisationen mit ins Boot zu holen.“

Abeling warnt auch Katzenfreunde, die Wildkatzen regelmäßig füttern: „Wer das tut, wird als Besitzer eingestuft und kann belangt werden.“ Bisher regelt jeder Landkreis die Kastrationspflicht selbst. Abeling würde sich wünschen, dass das Land künftig eine einheitliche Verordnung erlässt.

Ob das Schicksal von „Krabbe“ durch eine rechtzeitige Kastration zu verhindern gewesen wäre, lässt sich wohl nicht mehr feststellen. Sobald sie geimpft, entwurmt, entfloht, gechippt und vor allem kastriert ist, kann sie in ein neues Zuhause entlassen werden.

Besuch von interessierten „Katzeneltern“ kann der zierliche, schwarze Stubentiger schon jetzt bekommen. An diese hat Linda Christof eine eindringliche Bitte: „Bevor sie die Verantwortung für solch ein Lebewesen übernehmen, sollen sie sich im Vorfeld ernsthafte Gedanken darüber machen, ob ein Tier in ihr Leben passt.“

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