Ahlmeyer fährt jede Kaffkieker-Tour mit

Er ist nicht einfach Stammgast, er gehört zum Inventar

Seit zehn Jahren verpasst Ulrich Ahlmeyer (links) keine Fahrt mit dem Kaffkieker. „Er gehört bei uns Eisenbahnern zur Familie“, sagt Zugbegleiter Ralf Winkler (rechts) aus Eitzendorf. - Foto: Ulf Kaack

Eystrup - Von Ulf Kaack. Dieses Ritual ist an jedem zweiten Sonntag im Sommer Pflicht am Bahnhof Eystrup: Ulrich Ahlmeyer wuchtet sein Fahrrad aus dem Packwagen des Kaffkiekers und verabschiedet sich anschließend per Handschlag vom Lokführer und den Zugbegleitern: „Jungs, bis zum nächsten Mal!“ Seit zehn Jahren ist das so.

Ob er schon mal gefehlt habe? „Nein, wüsste ich jetzt nicht“, meint der 66-Jährige. Und Zugbegleiter Ralf Winkler fügt lächelnd hinzu: „Wenn Ulrich mal nicht an Bord sein sollte, würde ich sofort eine Vermisstenmeldung bei der Polizei aufgeben.“

Ahlmeyer gehört praktisch zum Inventar der Eisenbahnerfamilie. „Seit ewigen Zeiten sind wir mit ihm per du“, sagt Winkler.

Immer wenn der Kaffkieker von den Verkehrsbetrieben Grafschaft Hoya in der Saison vom 1. Mai bis zum 3. Oktober zwischen Syke und Eystrup auf dem Schienenstrang unterwegs ist, macht sich Ulrich Ahlmeyer frühmorgens von seinem Wohnort Scheeßel aus auf den Weg. Auf seinem Mountainbike radelt er über Rotenburg nach Bremen. Von dort aus geht es mit der Bahn nach Delmenhorst.

„Hier steige ich dann um in den historischen Dampfzug Jan Harpstedt und fahre bis nach Harpstedt“, erklärt er seine Streckenführung. „Anschließend geht es mit dem Rad auf ausgesuchten naturnahen Nebenwegen nach Bruchhausen-Vilsen und mit dem Kaffkieker zur Endstation in Eystrup. Die letzte Etappe ins heimische Scheeßel lege ich dann wieder auf zwei Rädern zurück.“

Frau Grethe hat keine Lust auf den Marathon

Welch ein Pensum! Mehr als 100 Kilometer fährt Ulrich Ahlmeyer auf diese Weise allein mit dem Mountainbike. Für ihn kein Problem, war er doch fast drei Jahrzehnte lang als Amateur-Rennradfahrer aktiv. Dabei ist er fast immer allein unterwegs. Seine Frau Grethe hat keine Lust auf diesen zeit- und kräfteraubenden Marathon.

„Ich bin kein ausgesprochener Eisenbahnfreak, aber eigentlich immer gern mit der Bahn unterwegs gewesen“, sagt der ehemalige Maschinenbauschlosser. „Ich liebe die alte, robuste Technik, die Mechanik, den Geruch von Dampf, Rauch und Diesel. Außerdem die Faszination der Langsamkeit in Verbindung mit den vielfältigen Naturerlebnissen. Ich mache das Fenster auf und nehme den Duft der Landschaft wahr. Über die Wochen, Monate und Jahre hinweg realisiere ich die Veränderungen rechts und links vom Gleiskörper. Die Menschen stehen vor der geschlossenen Schranke und lächeln. Passanten winken, Autofahrer grüßen mit der Hupe. Mit der Signalpfeife grüßen wir zurück. Das hat fast etwas Spirituelles für mich.“

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