Mirco Meyer gründet Initiative 

Er möchte Plattdeutsch wieder im Alltag verankert sehen

Mirco Meyer hatte die Idee zu seiner Initiative in Irland, wo es einen Anstecker für Sprecher des Gälischen gibt.

Hoya - „Mein Traum ist es, dass man Platt wieder im Alltag hört und so Dööspaddel wie ich das dann auch mal vernünftig lernen können“, sagt Mirco Meyer. Mit einer Initiative möchte der 39-Jährige seinem Traum näherkommen. Mittels eines Logos und Ansteckern sollen sich Plattsnacker und Geschäfte, in denen Platt gesnackt wird, ausweisen. Dazu gibt es zwei Internetseiten. Eine erklärt die Aktion, die andere zeigt Orte, an denen Platt gesnackt wird.

Mirco Meyer ist zwar in Hoya aufgewachsen, plattdeutscher Muttersprachler ist er aber nicht. Es sei ihm immer schwer gefallen, es zu lernen – „weil man es ja nie hört.“ In diesem Punkt unterscheidet sich die „Stadt“ Hoya in der Tat vom Umland, wo heute noch deutlich häufiger Platt gesnackt wird. So verlief etwa die jüngste Sitzung des Hilgermisser Gemeinderats größtenteils up Platt. Mirco Meyer freut’s, denn: „Wenn das Plattdeutsche nicht mehr gehört wird, wird es verschwinden.“

Idee kam während Irland-Aufenthalt

Der 39-Jährige lebt heute in Lübeck. Von dort aus startete er die Initiative. Auf die Idee dazu kam er bei einem Irland-Aufenthalt während seines Lehramtsstudiums. Dort lernte er „Fainne“ kennen, einen Anstecker, der Sprecher des Gälischen kennzeichnet.

Als 2012 die hiesige Autorin Helga Nordhausen starb, die zahlreiche plattdeutsche Geschichten verfasst hat, wurde Mirco Meyer klar: „Die Zeit drängt.“ Damals lebte er allerdings noch in Berlin. Und von dort aus hielt er es aufgrund seiner eigenen mangelhaften Sprachkenntnisse für unmöglich, sein Projekt zu verwirklichen. Als er im Januar nach Lübeck zog, setzte er seine Idee in die Tat um.

So ist es kein Wunder, dass auf der Internetseite plattmap.de zunächst noch besonders viele schleswig-holsteinische Firmen, Behörden und Institutionen markiert sind, in denen Platt gesnackt wird. Orte wie diese können mit dem Aufkleber der Initiative kenntlich gemacht werden.

Mirco Meyer hat „Kring“ entwickelt

Aus der Samtgemeinde Hoya sind derzeit die Raiffeisen-Warengenossenschaft in Hilgermissen verzeichnet sowie die Fleischerei Thies und die Kaffeerösterei „Catucho“ in Bücken.

Ein Ring, sie zu finden: Mit diesem „Kring“-Ansteck-Pin können sich Plattdeutsch-Sprecher identifizieren. Er kostet 5 Euro und ist über die Internetseite plattsnacken.de zu bestellen.

Mirco Meyer hat auch einen Ansteck-Pin entwickelt, „Kring“ (Kreis) genannt, wegen dessen Form. Tragen sollen ihn Menschen, die Plattdeutsch sprechen oder es lernen möchten – oder „irgendwas dazwischen“, wie Mirco Meyer es ausdrückt. „Es geht darum, sich zu erkennen und gemeinsam Platt wieder in den Alltag zu bringen.“ Besonders wichtig findet Meyer das für Kinder: „Nur wenn Kinder Platt auch als lebendige Sprache erleben, werden sie es lernen wollen. Es gibt sonst schlichtweg keinen Grund.“ Dabei komme es nicht auf Qualität an. „Platt hat wenig Regeln, und so ist kein Wort falsch, aber jedes gesprochene Wort wertvoll, damit es lebendig bleibt“, sagt Meyer und fordert: „Wenn wir die Lücke zwischen den Generationen schließen wollen, dann muss da eine Toleranz sein.“

Auf der Internetseite plattsnacken.de – sie ist zweisprachig gehalten! – beschreibt der Internet-Aktivist weitere Möglichkeiten, Platt im Alltag zu verankern. Eine Idee sind zweisprachige Ortsschilder.

In der Rückbesinnung auf die Regionalsprache sieht der Lübecker auch einen wirtschaftlichen Vorteil. Lokale Firmen hätten Vorteile im Bekenntnis zur Region: Sie gewinnen dadurch an Charakter und Identität. 

mwe

plattsnacken.de

http://plattreden.de/plattmap-plattkort/

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