Romanbiografie über Hermann Löns

Heinrich Thies stellt sein Buch „Mein Herz gib wieder her“ vor

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Heinrich Thies

Eystrup - Von Uwe Campe. Vor 150 Jahren wurde im damals westpreußischen Culm der Dichter, Schriftsteller und Journalist Hermann Löns geboren. In früheren Zeiten erreichte er mit seinen Jagd- und Tiergeschichten sowie seinen heimatverbundenen Romanen ein breites Publikum. Obwohl seine Bücher in hohen Auflagen erschienen sind, ist Löns heute in Vergessenheit geraten. Heinrich Thies, ehemaliger Gymnasiallehrer in Syke, Journalist und in Hademsdorf im Heidekreis lebender Schriftsteller, hat das Leben von Hermann Löns und dessen zweiter Frau Lisa (geb. Hausmann) in einer jetzt erschienenen Romanbiografie nachgezeichnet.

Der Autor stellte das Buch „Mein Herz gib wieder her“ am Samstagabend im Rahmen einer Dichterlesung im Alten Güterschuppen in Eystrup vor. Zu der Veranstaltung hatte der Heimatverein Eystrup eingeladen.

Nach einer kurzen Einführung durch Vorstandsmitglied Annelore Graue ließ Heinrich Thies, Jahrgang 1953, das Leben von Hermann und Lisa Löns Revue passieren. Dazu rezitierte er Gedichte von Löns, las Texte aus dessen Werken, Briefen und Tagebüchern und scheute sich auch nicht, einige Löns-Lieder singend vorzutragen. Aber auch von Lisa Löns, der 1871 geborenen zweiten Ehefrau von Hermann Löns, wurden immer wieder Textpassagen aus Briefen und Aufzeichnungen vorgetragen. Das Paar hatte sich beim Hannoverschen Anzeiger kennengelernt, für den Hermann als Journalist tätig war. Lisa arbeitete dort als Sekretärin.

Der Gitarrist Jonny Groffmann aus Walsrode untermalte die Lesung musikalisch.

Im Verlauf des Vortrags erfuhren die Zuhörer viele Facetten aus dem gemeinsamen Leben des Paars, dessen Ehe zunehmend mit Problemen behaftet war. Die Gründe hierfür waren der teilweise exzessive Alkoholkonsum Hermanns sowie dessen immer auffälliger zu Tage tretenden psychischen Probleme, die sich beispielsweise in Vollmondnächten zeigten, wenn er seinen „Mondrappel“ bekam. 1911 wurde diese Ehe geschieden und Hermann tingelte anschließend kreuz und quer durch Europa, wohl auch um sich der Unterhaltspflicht für seine geschiedene Frau und den gemeinsamen Sohn zu entziehen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete sich der inzwischen 48-Jährige als Kriegsfreiwilliger an die Front. Am 26. September fiel er bei einem Sturmangriff nördlich von Reims durch einen Herzschuss und wurde dort einige Tage später in einem Einzelgrab bestattet.

Seine Frau bezeichnete diesen Tod später als „dekorativen Selbstmord“. In der kurzen Zeit vom 2. bis zum 26. September führte Hermann Löns ein sehr authentisch und ungekünstelt verfasstes Kriegstagebuch, das Heinrich Thies mit zu dessen besten Texten überhaupt zählt.

Anhand der ausgewählten Textpassagen verstand es Heinrich Thies immer wieder, auf anschauliche Weise deutlich zu machen, dass Hermann Löns bei weitem nicht nur der romantische Heidedichter gewesen ist, zu dem insbesondere die Nationalsozialisten ihn verklärt haben, sondern eine zutiefst zerrissene und mit vielen Problemen behaftete Persönlichkeit.

Musikalisch untermalt wurde die Lesung durch Jonny Groffmann aus Walsrode. Die jeweils ausgewählten Musikbeiträge ergänzten wunderbar die gelesenen Texte. Besonders viel Applaus erntete Jonny Groffmann für das in einer Rap-Version vorgetragene Löns-Gedicht „Höret“.

Die abwechslungsreiche und kurzweilige Veranstaltung kam beim Publikum, das beide Akteure immer wieder mit viel Beifall bedachte, sehr gut an. Die im Anschluss befragten Besucher äußerten sich dahingehend, sehr viel Interessantes und vielfach auch Neues aus dem Leben des Ehepaars erfahren zu haben. Der Veranstalter freute sich zudem über ein mit etwa 70 Zuhörern ausverkauftes Haus und die insgesamt positive Resonanz.

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