Klöppeln – ein Selbstversuch

„Völlig erbärmlich“: Unser Reporter Bert Strebe versucht sich mit Geduld und Faden

Geduldig erklärt Angelika Küker unserem Reporter Bert Strebe, wie er die Klöppel mit dem daran befestigten Garn legen muss, um die Fäden richtig miteinander zu verweben. - Foto: Oliver Siedenberg

Hoya - Von Bert Strebe. Also, noch mal: Den zweiten Klöppel nach rechts über den dritten Klöppel heben und zwischen den dritten und den vierten legen – richtig? „Richtig“, sagt Angelika Küker. Dann den zweiten und den vierten Klöppel nach links über den ersten und den dritten Klöppel heben. „Richtig.“ Schließlich wieder den zweiten über den dritten? „Genau“, sagt Angelika Küker und lobt: „Das geht doch schon gut!“ Na ja. Man fühlt sich wie in der Grundschule, nachdem man den ersten Buchstaben aufs Papier gemalt hat.

Es ist der zweite Mittwoch des Monats, es ist nachmittags, im Hoyaer Heimatmuseum wird geklöppelt. Das wird dort (auch am vierten Mittwoch) schon ziemlich lange gemacht, immer unter Anleitung von Angelika Küker. Sie gibt Kinderkurse, aber manchmal sind auch Erwachsene da, die sich der aus dem 16. Jahrhundert und aus Italien stammenden Handarbeitstechnik verschrieben haben.

Diesmal sitzen Vanda und Christoph, beide acht Jahre alt, über ihren Klöppelbrettern. Vanda fertigt ein ausgeklügeltes Übungsband, mit diversen Techniken und Mustern. Christoph arbeitet an einem „Star Wars“-Logo. Der „Star“ ist bereits völlig gelb beklöppelt.

Außerdem sitzen die Damen Gisela Springer aus Kirchweyhe und Traudel Kratz aus Luttum und Waltraud Hackfeld aus Heiligenrode im Raum und arbeiten und verströmen dabei unendliche Geduld. Was man von dem Reporter, der gekommen ist, um auch mal das Klöppeln auszuprobieren, nicht behaupten kann.

„Mailänder Spitze zu Besuch in Hoya“

Da staunt der Reporter: So schön können andere klöppeln. 

Anlass ist eine Ausstellung: Noch bis zum 27. November zeigt das Heimatmuseum „Mailänder Spitze zu Besuch in Hoya“. Mailänder Spitze ist ein sehr filigranes Klöppelergebnis, und was davon hier zu sehen ist, stammt vorwiegend von der Niederländerin Bonny van Bergen. Sie gilt als Koryphäe, gibt Seminare (auch in Hoya) und zeigt Arbeiten vom Schmetterling bis zum Mädchenporträt. Kleine Kunstwerke. Übrigens auch die, die von Teilnehmerinnen eines Hoyaer Van-Bergen-Seminars stammen. Jedes Objekt ist wunderschön.

Aber jetzt muss der Reporter selbst ran. Ein Klöppelbrett ist vorbereitet. Über das Brett laufen senkrechte Fäden, die sogenannten Risspaare, gehalten von Stecknadeln. Und dann gibt es das sogenannte Laufpaar, das sind zwei Fäden, die von links nach rechts und wieder zurück laufen. Man verzwirbelt alles so, dass es ein Muster bildet – ganz einfach, oder?

Von wegen. Es gibt zwar eine Zeichnung, nach welchem Schema die Fäden gezogen werden, den Klöppelbrief. Aber aus dem wird nur der Fachkundige schlau. Der Reporter probiert: Den zweiten Klöppel nach rechts über den dritten Klöppel heben und – ja, was dann? Und der zweite und der vierte danach, in welche Richtung mussten die noch mal?

Kunst kommt von Können

Vanda und Christoph scheinen ein bisschen zu feixen, dass sich ein Erwachsener so dämlich anstellen kann.

Angelika Küker klöppelt seit den 90ern, mit derselben Leidenschaft, mit der sie zuvor gestrickt und gehäkelt und gestickt hat. Inzwischen konzentriert sie sich aber vor allem auf die Lehre. Wenn sie selbst noch was für sich macht, dann klöppelt sie am liebsten mit Draht.

Moment, Draht? „Aber sicher“, sagt sie. Klöppeln kann man nicht nur mit Garn. Angelika Küker zaubert mit Draht abstrakte dreidimensionale Objekte.

Am Ende hat der Reporter einen Leinenschlag hingelegt, heißt: eine Reihe in einer bestimmten Art geklöppelt. Und dann noch einen oder zwei Ganzschläge und einen Halbschlag. Aber er kann die drei Arten schon nach zwei Minuten nicht mehr voneinander unterscheiden. Würde er länger durchhalten, ergäbe es ein Muster. Das, was da jetzt auf dem Klöppelbrett angepinnt ist, sieht nur deswegen nicht völlig erbärmlich aus, weil Angelika Küker vorher selbst schon etliche Schläge geklöppelt hatte.

Kunst kommt bekanntlich von Können. Und um was zu können, muss man es lernen, und dafür braucht es Geduld. Vanda hat Geduld, Christoph hat Geduld (sein gelber „Star“ hat ein halbes Jahr gedauert). Die Damen haben Geduld. Und Angelika Küker sowieso. Sogar mit Reportern.

Die Ausstellung im Museum (Im Park 1) ist jeden Sonntag von 15 bis 18 Uhr zu sehen.

Mehr auf: www.klöppeln-hoya.de und www.museum-hoya.de

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