Spielmannszug Wechold löst sich auf

57 Jahre im Gleichschritt mit der Musik – nun ist Schluss

Der Spielmannszug Wechold am 21. Mai dieses Jahres beim Schützenfest in Mehringen – einem seiner letzten Auftritte. - Foto: Marion Thiermann

Wechold - Von Marion Thiermann. An Auftrittsmöglichkeiten mangelt es nicht, berichtet Marietta Bischoff, die seit 37 Jahren Mitglied im Spielmannszug Wechold ist und diesen seit 16 Jahren leitet. Immer wieder hat sie Anrufe aus Syke/Wachendorf, Siedenburg bei Sulingen sowie aus dem Südkreis des Landkreises Nienburg bekommen. Die Anrufer fragten nach, ob der Spielmannszug Wechold bei ihnen auftreten könne. Deren örtlichen Spielmannszüge hätten sich aufgrund von Nachwuchsmangel aufgelöst. Aus genau diesem Grund wird es den Spielmannszug Wechold, der dem örtlichen Schützenverein angehört, jedoch bald auch nicht mehr geben.

Marietta Bischoff berichtet, dass viele jüngere Mitglieder jobtechnisch so eingespannt seien, dass sie an Auftritten nicht teilnehmen könnten. Zudem hätten viele ältere Mitglieder in jüngster Zeit altersbedingt oder aus gesundheitlichen Gründen aufgehört.

Die meisten Auftritte hatte der Spielmannszug stets von Mai bis Juli. In dem Zeitraum begleitete er die Schützenumzüge in der Gemeinde Hilgermissen, in Loge sowie in Hustedt. In letztgenanntem Ort spielte der Spielmannszug Wechold in diesem Jahr zum letzten Mal – mit nur noch 16 Mitgliedern. Bis 2011 hatte er 15 bis 18 Auftritte jährlich, seitdem nur noch acht bis zehn.

Der Spielmannszug Wechold sorgte auch bei Laternenumzügen in Eitzendorf und Wechold, bei Jubiläen anderer Spielmannszüge oder Schützenvereine sowie bei vereinsinternen Anlässen und Erntefesten für die musikalische Umrahmung. In den vergangenen fünf Jahren war er allerdings nur noch beim Wecholder Erntefest mit einem geschmückten Wagen dabei.

20 Personen hatten im Sommer 1959 den Spielmannszug Wechold gegründet. Damals brachte ihnen der Leiter des Spielmannszugs Bücken, Fritz Schäfer, die ersten Flötentöne bei. Stabführer war Heinrich Bruns. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte der Spielmannszug am 23. Januar 1960 im Rahmen des Wintervergnügens der Wecholder Vereine in Clausens Saal, dem heutigen Gasthaus Peitsche. Diesem Auftritt folgten viele Hundert weitere, zunächst nur in Wechold, aber bald auch in Eitzendorf, Magelsen, Hilgermissen, Wienbergen, Mehringen, Schierholz-Heesen, Loge, Hustedt, Hoyerhagen, Bücken, Hoya und anderen Orten. Sogar in Bremen-Vahr beim Lampionumzug des Kleingartenvereins und beim Hafenfest in Bremen-Vegesack war der Spielmannszug Wechold dabei.

Die Gründungsmitglieder des Spielmannszugs Wechold mit Schützenpaar im Jahr 1960. - Repro: Marion Thiermann

Ab Anfang der 70er-Jahre nahm der Spielmannszug auch Kinder und Jugendliche auf und erlebte einen ungeahnten Aufschwung. Christel Reuter und Bernd Wiesner holten den Nachwuchs ab und brachten ihn wieder nach Hause, um ihm in den Übungsstunden das Musizieren beizubringen. Bis Ende der 80er-Jahre hatte der Zug circa 50 Mitglieder. Es traten jedoch immer wieder junge Leute aus, weil sich ihre Interessen geändert hatten oder sie eine Ausbildung begangen. 1999 gehörten dem Spielmannszug noch 33 Mitglieder, im Jahr 2009, als er sein 50-jähriges Jubiläum feierte, noch 28 Mitglieder an. 1989 übergab Leiter Christel Reuter sein Amt an Hermann Beermann, der den Zug für ein Jahr kommissarisch leitete. 1990 übernahm Martina Helms für zehn Jahre die Leitung. Seitdem ist Marietta Bischoff Stabführerin des Spielmannszugs Wechold.

Was nach der Auflösung mit den Instrumenten passiert, steht noch nicht fest. Eigentlich sollten sie verkauft werden, aber die Spielleute können sich davon nicht trennen, da sie viele Erinnerungen damit verbinden.

Die Spielmannszüge Blender und Doenhausen sind bereit, die verbliebenen 16 Spielleute aus Wechold aufzunehmen. Die Vereine, die der Spielmannszug Wechold jahrelang musikalisch begleitet hat, sind traurig über die Auflösung. Es gab viele tränenreiche Abschiede. „Der Anfang vom Ende“, wie Marietta Bischoff es nennt, begann in Schierholz-Heesen. „Wir spielten gerade im Zelt, ich stand mit dem Rücken zum Eingang, meinen Leuten zugewandt und wunderte mich, warum die mit einem Mal rote Augen bekamen. Als ich mich umdrehte, stand da der gesamte Schützenverein mit roten Rosen Spalier.“ Und damit waren die Heeser nicht die einzigen. Bei jedem Schützenfest in diesem Jahr wurden die Mitglieder des Spielmannszugs Wechold mit Blumen und Präsenten bedacht, in Loge bekamen sie neben einem Strauß Blumen noch eine Karte, die von jedem einzelnen Schützenvereinsmitglied unterschrieben war.

Bei der nächsten Jahreshauptversammlung des Schützenvereins Wechold wird der Spielmannszug Wechold offiziell aufgelöst.

Die Gründer

Wilhelm Bade, Hermann Basedow, Friedel Beermann, Heinz Bösche, Heinrich Boyer, Heinrich Bruns, Friedrich Ellerbusch, Reinhard Führus, Heinz Harries, Heinrich Hopmann, Dieter Köster, Friedrich Koröde, Heinrich Lede- buhr, Heinz-Hermann Leiding, Helmut Meyer, Herbert Nentwig, Gerd Pickardt, Christel Reuter, Karl Thiesfeld und Bernd Wiesner waren die Gründungsmitglieder.

Mehr zum Thema:

Adventsball im Gasthaus Puvogel

Adventsball im Gasthaus Puvogel

Schnuppertag an der Sekundarschule Rahden

Schnuppertag an der Sekundarschule Rahden

8. Brinkumer Adventsmarkt

8. Brinkumer Adventsmarkt

Visselhöveder Weihnachtszauber

Visselhöveder Weihnachtszauber

Meistgelesene Artikel

Besinnlich und sportlich rasant

Besinnlich und sportlich rasant

Mehr als 500.000 Lichter für ultimativen Weihnachtsglanz

Mehr als 500.000 Lichter für ultimativen Weihnachtsglanz

Das sind die ersten Sterntaler-Gewinner

Das sind die ersten Sterntaler-Gewinner

Schulzentrum Hoya: Stinkbombe führt zu Großeinsatz 

Schulzentrum Hoya: Stinkbombe führt zu Großeinsatz 

Kommentare