Heimatverein Schweringen zeigt mit Gästen landwirtschaftliche Arbeit von einst

Immer feste drauf – so mühsam war die Ernte früher

Die schwierige Arbeit mit Dreschflegeln demonstrierten (von links) Marius Müller, Thore Immoor und Andre Siemer. - Foto: Horst Friedrichs

Schweringen - Von Horst Friedrichs. Eben noch auf dem Halm – und sogleich zu Mehl gemahlen. Welche Arbeitsgänge bei der Getreideernte anno dazumal dazwischen lagen, wurde im „Zeitraffer“ vorgeführt: Beim Erntetag in Schweringen erlebten Zuschauer die einzelnen Arbeitsschritte, die in der Frühzeit der landwirtschaftlichen Technisierung notwendig waren, um vom Mähen zum Mahlen zu gelangen.

Dass an den alten Maschinen bisweilen Knochenarbeit angesagt war, überraschte niemanden, sorgte aber umso mehr für Heiterkeit beim Mitmachen. Neben den mit viel Beifall und Anerkennung aufgenommenen Vorführungen gab es am Sonntag beim Feld- und Erntetag des Heimatvereins Schweringen gleich nebenan auf dem Sportplatz eine Marktstraße mit einem vielfältigen Angebot von Kaffee und Kuchen bis hin zu Kunstgewerbeartikeln. 

Kraftakt an einer Steinmühle aus den 1920er-Jahren. Dietrich Koldehofe (rechts) aus Magelsen justierte das schweißtreibende Gerät. In der Bildmitte ist Elisabeth Kurowski zu sehen (Vierte von links), die Vorsitzende des Heimatvereins. - Foto: Horst Friedrichs

Elisabeth Kurowski, Vorsitzende des Schweringer Heimatvereins, begrüßte die Besucher zum Auftakt der Veranstaltung auf dem Getreidefeld hinter dem Sportplatz. Dort hatte Besitzer Jürgen Wahlert einen Morgen Triticale stehen lassen, um Mitgliedern und Unterstützern des Heimatvereins ihre Vorführungen mit Erntemaschinen unterschiedlicher Altersstufen zu ermöglichen. Elisabeth Kurowski dankte der Interessengemeinschaft „De ole Schüün“ aus Magelsen und dem Treckerclub Haßbergen für deren Mitwirkung. Aus den eigenen Vereinsreihen waren es unter anderem die Garbenbinderinnen sowie die Jugendlichen, die in historischer Erntekleidung gefielen. Unter den jungen Männern beeindruckten die Bediener eines der ältesten Geräte, des Dreschflegels. Sie leisteten die schwierige und kräftezehrende Arbeit.

Insgesamt drei Mal wurden am Sonntag die Ernte- und Verarbeitungsschritte auf dem Getreidefeld veranschaulicht. Das Wetter war auf der Seite der Veranstalter und ihrer Gäste, und so gab es nichts, was den insgesamt gelungenen Gesamtablauf getrübt hätte.

Rechts das Mehl, links die schrotartigen Überbleibsel: Das Ergebnis der Steinmühlenarbeit präsentierte Hartmut Westermann von der Magelser Interessengemeinschaft „De ole Schüün“. - Foto: Horst Friedrichs

Ein 13-PS-Trecker von 1958 mit angekoppeltem Balkenmäher sorgte zunächst für die nötigen Halme, die die Frauen aus den Reihen des Heimatvereins brauchten, um daraus Garben zu binden und diese zu Hocken zusammenzustellen. (Später war auch noch ein Mähdrescher, Baujahr 1967, zu bewundern, den der Treckerclub Haßbergen beisteuerte.) Vom Garbenbinden ging es direkt weiter zur mittelalterlichen Arbeit mit den Dreschflegeln, die noch bis zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg praktiziert wurde. Mit einem Strohschneider wurden die danach kornlosen Halme in handliche Stücke für das Einstreuen der Viehställe geteilt.

Eine Vorführungsstation weiter gab es technischen Fortschritt aus der Zeitenwende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu sehen: Der Zinkendrescher, per Riemenantrieb vom Trecker aus betrieben, legte die Körner frei, die nach der Trennung von der Spreu in einer handbetriebenen Steinmühle aus den 1920er-Jahren gemahlen wurden. Wer wollte, durfte dabei seine Kraft und Ausdauer unter Beweis stellen. Das Mahlen war ein „Knochenjob“, wie sich zeigte, und so gab es trotz anfeuernder Rufe schon bald keine Freiwilligen mehr, die sich dafür meldeten.

Noch mühsamer ging es bei noch älteren Steinmühlen zu, die lediglich aus übereinandergelegten Feldsteinen bestanden und als einzigen „Komfort“ einen Griff zum besseren Hantieren besaßen.

Während das feine, weiße Mehl auf Tellern in Augenschein zu nehmen war, wurde ein Stück entfernt bereits der Getreideacker mit historischem Gerät umgepflügt und geeggt – als erster Abschluss des Erntekreislaufs in früheren, von Mühsal geprägten Zeiten.

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