Maren von Frieling mag ihren Posten als Schiedsfrau

„Ich helfe gerne anderen Menschen“

Maren von Frieling sucht eine neue stellvertretende Schiedsperson für die Samtgemeinde Grafschaft Hoya. - Foto: Anne Schmidtke

Hoya - Von Anne Schmidtke. „Ich spreche kein Recht. Meine Aufgabe ist es, mit den beteiligten Personen eines Schiedsverfahrens eine Lösung zu erarbeiten“, sagt Maren von Frieling, Schiedsfrau für die Samtgemeinde Grafschaft Hoya. Zurzeit hat die 51-jährige Hasselerin besonders viel zu tun, denn ihr bisheriger Stellvertreter Arno Heinrichs musste vor einigen Wochen aus gesundheitlichen Gründen sein Amt abgeben. Nun sucht Maren von Frieling zusammen mit Ordnungsamtsleiter Uwe Back einen neuen Stellvertreter.

„Dieses Ehrenamt kann jeder übernehmen, der einen gesunden Menschenverstand und Spaß am Umgang mit Menschen hat“, sagt Maren von Frieling. Zudem sollte man Fingerspitzengefühl besitzen sowie gewissenhaft und objektiv arbeiten. Uwe Back fügt hinzu, dass Interessierte auch über eine gewisse Lebenserfahrung verfügen sollten. Sie sollten daher mindestens das 30. Lebensjahr erreicht haben. Des Weiteren muss die zukünftige stellvertretende Schiedsfrau oder der zukünftige stellvertretende Schiedsmann in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya wohnen. Der Posteninhaber wird vom Samtgemeinderat gewählt und formell von Bernd Bargemann, Direktor des Amtsgerichts Nienburg, ins Amt eingeführt.

Um den Aufgaben gewachsen zu sein, bietet der Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS) mit Sitz in Bochum unterschiedliche Lehrgänge in verschiedenen Orten an. Die Fortbildungen behandeln unter anderem die Themen Nachbarrecht, Zivilrecht, Strafrecht und Mediation. Die Teilnahme bezahlt die Samtgemeinde Grafschaft Hoya, denn sie ist für die Ausstattung und Ausbildung der Schiedspersonen zuständig. Zudem zahlt sie ihnen eine sogenannte Dienstraumentschädigung (Aufwandsentschädigung) für ihre Arbeit.

Die Rechtsaufsicht über die Tätigkeit der Schiedsleute hat das Amtsgericht Nienburg. „Bernd Bargemann ist sozusagen unser Dienstherr“, sagt von Frieling. Wenn sie bei ihren Fällen nicht weiter wisse, könne sie sich immer an ihn wenden, und er stehe ihr hilfreich zur Seite. Sie selbst wolle die neue stellvertretende Schiedsperson unterstützen, indem sie diese zum Beispiel gewissenhaft in ihr Amt einführe.

„Bei meinem ersten Schiedsverfahren war ich total nervös“, sagt die Hasselerin, die seit sechs Jahren das Ehrenamt der Schiedsperson bekleidet. Bis vor zehn Monaten war sie die Stellvertreterin von Roland-Peter Lubenow. Im Oktober 2015 übernahm sie das Amt von dem damals 73-jährigen Bücker, der aufgrund seines Alters die Position nicht weiter bekleiden wollte.

„Ziel der Schiedsverfahren ist es, die Gerichte von kleineren Rechtsstreitigkeiten, also Bagatellen, zu entlasten“, informiert Back. Dazu zählen zum Beispiel Nachbarschaftsstreite. „Die Gerichte nehmen diese Fälle auch gar nicht an, wenn nicht vorher ein Schiedsverfahren stattgefunden hat“, sagt von Frieling. Sie versuche in solchen Fällen, den Streit zwischen den Nachbarn, die sich in der Regel über eine wuchernde Hecke, Gestank oder Lärm aufregen, zu schlichten. Manchmal gehe es bei den Schiedsverfahren auch um Mietsachen, Beleidigungen und Sachbeschädigungen.

Normalerweise kommt jemand, der ein Problem hat, zu der Schiedsperson oder ruft sie an. Die Telefonnummer findet man zum Beispiel auf der „Tipps&Termine“-Seite der Kreiszeitung. Manchmal bekommt die Schiedsperson auch Fälle von der Polizei oder von der Samtgemeinde übermittelt.

„Für ein Schiedsverfahren zahlt die Partei, die mich kontaktiert, 40 Euro im Voraus“, sagt Maren von Frieling. Nach Abschluss des Verfahrens rechnet sich dann mit der Person, die das Geld gezahlt hat, ab. Von den 40 Euro zieht Maren von Frieling, falls angefallen, Porto- und Fahrtkosten sowie eine Pauschale in Höhe von 25 Euro ab. Die Hälfte davon darf sie behalten, die andere Hälfte bekommt die Samtgemeinde. „Meistens bekommt die Person Geld zurück“, sagt von Frieling. Bisher habe noch nie jemand nachzahlen müssen. Zu dem Schiedsverfahren werden die betroffenen Seiten per Brief geladen. Das Treffen findet in der Regel bei der Schiedsperson oder im Rathaus in Hoya statt. Das Ergebnis des Schiedsverfahrens sei rechtsverbindlich und habe 30 Jahre Bestand. „Beide Parteien unterschreiben das Protokoll, in dem drin steht, was jeder zu erfüllen hat“, sagt von Frieling. Wenn eine Seite die Abmachungen nicht einhalte, könne die andere vor Gericht ziehen.

Neben den Schiedsverfahren gebe es noch sogenannte Tür- und Angelfälle, die nichts kosten, aber auch nicht rechtsverbindlich sind. „Manchmal reicht ein Telefongespräch, manchmal ein Ortstermin, um das Problem aus der Welt zu schaffen“, sagt von Frieling. Die 51-Jährige, die hauptberuflich bei der Krankenkasse AOK in Walsrode arbeitet, liebt ihr Ehrenamt, das etwa zwei Stunden die Woche in Anspruch nimmt, weil sie davon profitiert. „Ich komme mit interessanten Menschen zusammen, die ich sonst nicht treffen würde. Zudem lerne ich das Leben von allen Seiten kennen. Das Schiedsamt erdet einen. Man merkt, wie gut es einem eigentlich geht.“ Ferner helfe sie gerne anderen Menschen.

Wer Interesse an dem Amt der stellvertretenden Schiedsperson hat, meldet sich bei Uwe Back, Telefon 04251/81530. Maren von Frieling ist unter Telefon 04254/8229 erreichbar.

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