„Ich habe es genossen, mich mit seinen Thesen zu befassen“

Landesbischof i. R. Horst Hirschler hält kurzweiligen Vortrag über Martin Luther

+
Mit Henning Diers (Vierter von links) versammelten sich beim Thesen-Bergfest seine Förderer (von links): Ingrid Decke vom Landschaftsverband Weser-Hunte, Pastor Dr. Thies Jarecki, Diakon Florian Elsner, Pastorin Karin Haufler-Musiol, Pastorin Friederike Werber, Claudia Amend vom Diakonischen Werk Hoya, Pastor Paul-Gerhard Meißner, Pastor Andreas Ruh und Kirchenvorsteher Henning Meyer. 

Hoya - Von Horst Friedrichs. Mit einem Bein stand Luther immer auf dem Scheiterhaufen. Das, so schilderte Horst Hirschler seinem Hoyaer Publikum am Freitagabend, habe den großen Reformator aber nicht gehindert, bei der Formulierung seiner 95 Thesen immer frecher, sprich herausfordernder und aufmüpfiger, zu werden. Hirschler, Landesbischof im Ruhestand und Abt des Klosters Loccum, war Gast bei einem Bergfest im evangelischen Gemeindezentrum der Grafenstadt.

Der Hasseler Künstler Henning Diers malt zu jeder der lutherschen Thesen ein Bild – nicht im Atelier, sondern in den Gottesdiensten der Kirchengemeinden. Nachdem er die Hälfte dieser Arbeit geschafft hat, zeigte Diers am Freitagabend in der Martin-Luther-Kirche in Hoya sein halbfertiges Bild zur 47. These ihres Namensgebers.

„Und es gelingt ihm doch“, beschrieb Pastor Andreas Ruh in seiner Begrüßung Henning Diers’ Schaffensprozess. „Manchmal fragte man sich schon, ,was wird er jetzt daraus machen?‘, denn nicht jede der Thesen Luthers ist von vornherein einleuchtend.“ Die Teilnehmer des Bergfests waren großenteils Zeugen bei der Entstehung von Diers‘ Thesenbildern in den Kirchen: Pastoren, Diakone, Kirchenvorstände, Sponsoren, Ratgeber und Mitglieder der Kirchengemeinden. Zum Auftakt und in den Pausen der Veranstaltung nahm Pastor Ruh seinen Platz als Gitarrist in der jungen Rockband „Blue Juice“ ein. Den Schwerpunkt des Abends bildete dann der Vortrag Horst Hirschlers.

„Ich habe es genossen, mich für einen Luther-Vortrag einmal nur mit seinen Thesen zu befassen“, sagte der ehemalige Landesbischof und beschrieb die Ausgangssituation am 31. Oktober 1517 so: „Nach dem Anschlag der Thesen auf Latein waren die theologischen Oberen Luthers zunächst ratlos.“ Handlungsbedarf habe sich indessen ergeben, als dank der gerade erfundenen Buchdruckkunst Übersetzungen ins Deutsche in Umlauf gebracht wurden und die Schriften des unbeugsamen Kritikers aus Wittenberg reichsweit für Diskussionen sorgten. Vorausgegangen waren Luthers Erkenntnisse über den berüchtigten Ablasshandel der Kirche.

Wie Luther lebte und arbeitete

Horst Hirschler schilderte äußerst bildhaft, wie der zunächst noch ahnungslose künftige Reformator zum ersten Mal davon erfuhr. Ein Mitbürger habe dem staunenden Luther erklärt, wie die Sache mit den Ablasszetteln funktionierte: „Du kaufst dir dieses Papier, also eine amtlich besiegelte Urkunde, und du brauchst dir über nichts mehr Sorgen zu machen. Alle Sünden sind dir vergeben. Du brauchst nicht mal mehr zur Beichte zu gehen. Und das Schönste ist, du musst keinerlei Reue zeigen – egal, was du jemandem angetan hast.“ Mit solchen Beispielen ließ Hirschler nicht nur die Lebenswelt Luthers lebendig werden; er bot seinen begeisterten Zuhörern zugleich ein Meisterstück fesselnder Erzählkunst.

So erfuhren die Gäste des Abends, wie Luther lebte und arbeitete, wie er litt und sich fürchtete, aber auch, wie er triumphierte und letztlich die angenehmen Seiten des Lebens zu genießen verstand. Nichtsdestoweniger schlugen die theologisch-historischen Fakten in Hirschlers Studien über Luther zu Buche: „Mich hat beeindruckt, wie zur Zeit der Reformation an den Fakultäten gearbeitet wurde.“

Henning Diers dankte Horst Hirschler für seinen aufschlussreichen Vortrag und berichtete danach über den Fortschritt seiner künstlerischen Arbeit. Wenn die 95 Einzelbilder einmal fertig seien, werde daraus ein Gesamt-Motiv entstehen. Wie das aussieht, wollte er aber noch nicht verraten. Der Anlass des Bergfests sei, den Organisatoren Dank zu sagen und ebenso allen, die das Projekt mittragen.

Mehr zum Thema:

40 Jahre „Break Out“ - Party in Asendorf

40 Jahre „Break Out“ - Party in Asendorf

„Tabaluga“-Tour „Es lebe die Freundschaft“ in Bremen

„Tabaluga“-Tour „Es lebe die Freundschaft“ in Bremen

Neue Kinderkrippe in Barnstorf eingeweiht

Neue Kinderkrippe in Barnstorf eingeweiht

Auto stürzt in Hamburg in die Elbe: 20-Jähriger tot

Auto stürzt in Hamburg in die Elbe: 20-Jähriger tot

Meistgelesene Artikel

Besinnlich und sportlich rasant

Besinnlich und sportlich rasant

Das sind die ersten Sterntaler-Gewinner

Das sind die ersten Sterntaler-Gewinner

Tolle Feier rund um Zweittanne

Tolle Feier rund um Zweittanne

Ein Trio an zwei Orten: Märkte eröffnet

Ein Trio an zwei Orten: Märkte eröffnet

Kommentare