Auf dem Geißblatthof finden heimatlose Tiere ein vorübergehendes Zuhause

Ein neues Katzenleben

Dieser Stubentiger muss erst an Menschen gewöhnt werden. Dafür ist viel Zeit und Geduld nötig.
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Dieser Stubentiger muss erst an Menschen gewöhnt werden. Dafür ist viel Zeit und Geduld nötig.

Warpe - Von Anette Steuer. Bewegungslos und mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen gucken sie ängstlich in die Welt. Dicht zusammengedrängt, teilweise übereinander, hocken die Tiere in einem Küchenschrank. Insgesamt 16 Maine-Coon-Katzen beherbergt derzeit der Tier- und Umweltschutzhof „Geißblatt“ in Warpe. „Das Verhalten dieser Maine-Coon ist für Katzen absolut untypisch“, sagt Linda Christof, Leiterin des Tierschutzhofs. „Es weist eindeutig auf das sogenannte Animal Hoarding hin. Normale Katzen würden ein solches Gedränge vermeiden.“

Die Maine-Coon-Katzen, die liebevoll auch „Coonies“ genannt werden, stammen aus einem Bestand von über 50 Katzen, die ein Tierhorter (englisch Animal Hoarder) zusammen in einem Haushalt gehalten hat. „Sie lebten dort unter erbärmlichen Zuständen“, sagt Linda Christof und erklärt: „Beim Animal Hoarding, zu deutsch Tierhorten oder auch Tiersammelsucht, handelt es sich um eine Haltungsform, die mit sozialen Problemen und psychischen Störungen der Halter einhergeht, beziehungsweise durch diese ausgelöst werden kann.“

Als Folge kann der Halter sehr schnell die Mindestanforderungen an Hygiene, Platzbedarf, Ernährung und tierärztliche Versorgung nicht mehr gewährleisten. „Das hat natürlich extrem negative Folgen für die Tiere, sagt Linda Christof. „Ist diesen ,Coonies‘ beispielsweise etwas nicht geheuer, rotten sie sich sofort zusammen, verstecken sich und versuchen nach Kräften, unsichtbar zu sein – was absolut untypisch für Katzen ist. Nur Katzen mit so einer Vorgeschichte sind drangvolle Enge gewöhnt und suchen Sicherheit beieinander.“

Diese Maine-Coon-Katzen sind aufgrund falscher Haltung verhaltensgestört. Auf dem Geißblatthof haben sie nun Unterschlupf gefunden und werden medizinisch behandelt. Ihre Genesung wird allerdings etwas Zeit brauchen.

Die Maine-Coon kamen, ebenso wie 20 andere Stubentiger, im Rahmen einer sogenannten Sicherstellung durch verschiedene Veterinärbehörden auf den Geißblatthof. „Wenn wir auf Anforderung durch die zuständigen Behörden bei der Sicherstellung dabei sind, erleben wir oftmals dramatische Zustände. Die Tiere fristen in der Regel ein unwürdiges Dasein, sind unterernährt und voll von inneren und äußeren Parasiten“, berichtet Linda Christof. Oft wurden die Tiere nicht ärztlich behandelt, haben zum Beispiel eitrige Augen, entzündete Ohren oder sonstige Wunden. Die Leiterin des Tierschutzhofs spricht von einem „erbärmlichen Zustand“.

Teilweise kommt es bei den Sicherstellungen zu spannungsgeladen Momenten, weil die Halter ihre Tiere oftmals nicht hergeben wollen. Dann muss schon mal die Polizei ordnend eingreifen.

Sind die Tiere dann auf dem Geißblatthof angekommen, werden sie zunächst medizinisch untersucht. „Bei der Eingangsuntersuchung stellen wir den Ist-Zustand fest und starten erste Schritte zur Tiergesundheit. Akute Krankheiten werden bekämpft, und im Anschluss werden die Tiere geimpft, gechipt und kastriert“, sagt Linda Christof.

Doch selbst wenn der Gesundheitszustand so gut es geht wiederhergestellt wird: Manche Schäden sind nicht zu kurieren, und es bleibt immer noch die Sozialisierungsarbeit. Dabei geht es darum, den Tieren wieder ein gesundes Grundvertrauen zu Menschen zu vermitteln. Manche lassen sich nicht einmal berühren, das Gassigehen ist mit einigen Hunden zunächst unmöglich, geschweige denn das Aufhalftern bei gestörten Pferden, erzählt Linda Christof.

Ehe das (wieder) funktioniert, bedürfe es viel Zeit und Einfühlungsvermögen. „Ehrenamtliche Helfer und unsere Mitarbeiter setzen sich dabei schon mal in eines der Katzenzimmer und lesen vor, sodass sich die Katzen an menschliche Stimmen, die ihnen nichts Böses tun, gewöhnen.“

Die 16 Maine-Coon im Alter von zwei bis vier Jahren, gewöhnen sich gerade ganz langsam an Menschen und eine katzenfreundliche Umgebung. Und auch bei den anderen 20 Stubentigern auf dem Geißblatthof siegt langsam aber sicher die Neugier über die Angst. „Bald können wir, zumindest teilweise, an die Vermittlung denken“, sagt Linda Christof.

Wer sich ein ehrenamtliches Engagement auf dem Tierschutzhof vorstellen kann und/oder weitere Informationen möchte, findet Ansprechpartner im Internet unter

www.tierschutzhof-geissblatt.de

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