Wegen Problemen mit Herbizid-Rückständen im Grundwasser

Filteranlage für das Hoyaer Wasserwerk: Bau beginnt demnächst

Hoya - Von Michael Wendt. Ende August soll der Bau einer Filteranlage im Wasserwerk Hoya starten. Wenn alles nach Plan läuft, kann die Samtgemeinde ab dem Frühjahr 2017 wieder komplett eigenes Trinkwasser anbieten. Bislang ist das in Hoya geförderte Wasser mit Rückständen aus Pflanzenschutzmitteln (Metaboliten) belastet, sodass unbelastetes Wasser der Harzwasserwerke beigemischt wird. Nur so ist der vom Umweltbundesamt vorgegebene „gesundheitliche Orientierungswert“ für Metaboliten einzuhalten.

Derweil hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BLV) die Verwendung der für die Grundwasser-Belastung verantwortlichen Spritzmittel verboten – zumindest im Wasserschutzgebiet Hoya. Darüber informierte Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer Freitag in einer Pressekonferenz. Bislang war die Verwendung der Mittel erlaubt, die Landwirte verzichteten aufgrund einer freiwilligen Selbstverpflichtung aber auf den Gebrauch. Detlef Meyer nennt die Verzichtserklärung den „Königsweg“, auch weil seit der Entdeckung der Metaboliten-Belastung Ende 2011 alle Beteiligten – Samtgemeinde, Landwirte, Landwirtschaftskammer und das Gesundheitsamt – an einem Strang ziehen und miteinander reden.

Der Samtgemeindebürgermeister widerspricht deshalb der in einigen Leserbriefen geäußerten Meinung, die Selbstverpflichtung sei nichts wert. Das jetzige Verbot des Mitteleinsatzes nennt er „vorsorgenden Gewässerschutz“.

An dem Pressegespräch nahmen auch zwei Vertreter der Landwirtschaftskammer in Nienburg teil: Abteilungsleiter Frank Schmädeke und Wasserschutzberater Dirk Plate. Plate betonte: „Es lag zu keiner Zeit ein Gesetzesverstoß vor. Die verwendeten Mittel waren zugelassen.“ Außerhalb des Hoyaer Wasserschutzgebiets dürfen sie auch heute noch genutzt werden. Das Verbot für Hoya „haben sich auch die Landwirte im Wasserschutzgebiet gewünscht“, sagt Frank Schmädeke. Die eingesetzten Spritzmittel würden nun von der Zulassungsbehörde sicher nochmals eingehend geprüft.

Trotz des seit 2012 gelebten Verzichts auf die problematischen Herbizide (sie werden im Raps- und Rüben-Anbau verwendet) hat sich die Belastung des in Hoya geförderten Wassers nicht verbessert. „Sie schwankt stark“, erklärt die kaufmännische Betriebsleiterin des Wasserwerks, Ute Hennig. Das zeigen die monatlichen Analysen (nachzulesen im Internet, siehe unten).

Frank Schmädeke glaubt nicht an eine baldige Besserung. Der für die Belastung des Wassers verantwortliche Stoff werde mindestens seit den 70er-Jahren eingesetzt. Und das aus 25 Metern geförderte Grundwasser sei 20 bis 25 Jahre alt. „Wasser hat ein sehr langes Gedächtnis“, sagt Schmädeke, „wir haben getan, was wir tun können und müssen jetzt die Zeit überbrücken“.

In diesem Zusammenhang verteidigte Detlef Meyer den anstehenden Bau der 780.000 Euro teuren Filteranlage im Wasserwerk, deren Betrieb jährlich rund 100.000 Euro kostet. Die Alternativen (eine Komplettversorgung durch den Trinkwasserverband Verden oder durch die Harzwasserwerke) wären noch teurer gewesen. Außerdem solle man – wenn vorhanden – eigene Ressourcen nutzen. Das Wasserwerk sei zudem ein „kleines Schmuckstück“ und in einem Top-Zustand.

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