Traumberuf Lokführer

„Fahrten mit dem ,Kaffkieker‘ sind immer etwas Besonderes“

+
Lokführer Oliver Just freut sich über Besuch im Fahrstand des „Kaffkiekers“. 

Hoya - Seit vielen Generationen ist es der Traumberuf unzähliger Knaben: Lokführer. Oliver Just ist Chef im Führerstand des „Kaffkiekers“. Und genau dort haben wir ihn besucht und mit Fragen gelöchert.

Im Fahrgastraum ist es laut. Nicht unangenehm, aber die Reisenden müssen sich schon mit etwas erhöhter Lautstärke unterhalten. Denn direkt unter ihren Füßen wummern zwei kräftige V-12-Dieselmotoren von Deutz. Ruhiger geht es da im Führerstand zu. Oliver Just bekommt von den Motorengeräuschen vorne in seinem Fahrerraum nur sehr wenig mit.

Der „Kaffkieker“ rollt gemächlich in den Museumsbahnhof Bruchhausen-Vilsen ein.

Der 29-Jährige arbeitet als Lokführer bei den Verkehrsbetrieben Grafschaft Hoya (VGH) – üblicherweise im Rangierbetrieb. Er befördert Papierrollen, Holz und Dünger von A nach B. Meist von Hoya nach Eystrup oder umgekehrt. Zu den Fahrzeiten des „Kaffkiekers“ während der Saison jeweils am 1. und 3. Sonntag im Monat übernimmt er die Doppelfunktion als Zug- und Triebfahrzeugführer. Er ist der Boss im Zug.

Geboren ist Oliver Just in Wernigerode im Harz. Sein Vater war und ist Lokführer bei den Harzer Schmalspurbahnen, und als Kind wollte Oliver auch immer Lokführer werden. Zwischenzeitlich sank zwar sein Idealismus für den Traumberuf. Trotzdem absolvierte er bei einem privaten Bahnbetreiber in Salzgitter ab 2008 eine Ausbildung, kam 2014 zu den VGH und lebt seitdem in Hoya.

„Grundsätzlich ist dieser Beruf sehr vielschichtig“, erklärt Oliver Just. „Es ist schon ein Unterschied, ob man im Rangierbetrieb arbeitet oder im Nah- oder Fernverkehr, ob man Passagiere oder Güter befördert. Die Fahrten mit dem ,Kaffkieker‘ sind für mich immer etwas Besonderes.“

Er sitzt rechts in seinem recht geräumigen Führerraum, bedient mit einem Fahrhebel die beiden Motoren und deren Getriebe. Zur Reduzierung der Geschwindigkeit hat er jeweils einen Hebel für die Haupt- und Zusatzbremse sowie ein Kurbelrad für die Handbremse auf dem Bedienpult. Es geht gemächlich voran. 70 Stundenkilometer beträgt die maximale Geschwindigkeit des 1959 gebauten Großraum-Dieseltriebwagens MaK GDT. „Aber ich fahre nicht schneller als 40 Stundenkilometer“, sagt Just. „Schließlich wollen unsere Gäste ja was von der reizvollen Landschaft sehen.“

Häufig fährt er noch deutlich langsamer. Dann nämlich, wenn Wege und Straßen seine Route queren. Manche Bahnübergänge sind mit Schranken gesichert, andere mit Lichtsignalen oder nur mit Andreaskreuzen. Sie werden mit Infrarotsignalen, über Gleiskontakte oder vom Zugbegleiter manuell mit einem Schlüssel aktiviert.

„Wenn alle Systeme ausfallen, was sehr selten passiert, schicke ich einen Kollegen mit der guten alten Signalflagge auf die Kreuzung“, scherzt der 29-Jährige, dem auf dem Schienenstrang ständig zwei Zugbegleiter zur Seite stehen. „Eisenbahnfahren ist Teamwork, was auch die Mitarbeiter auf den Bahnhöfen und in den Werkstätten einschließt.“

Vor vielen Querungen muss Oliver Just für die anderen Verkehrsteilnehmer eine deutlich hörbare akustische Warnung vornehmen. „Pfeifen heißt das in Eisenbahnerkreisen“, sagt er. „Viele Passanten erfreuen sich an dem Signal. Fußgänger und Radfahrer winken, Autofahrer grüßen mit der Lichthupe zurück.“

Im Fahrstand geht es augenscheinlich stressfrei aber jederzeit konzentriert zu. Einen Unfall hat Oliver Just noch nicht gehabt, allerdings einige sehr brenzlige Situationen. Manche Verkehrsteilnehmer übersehen die Lichtsignale und Andreaskreuze, andere rechnen einfach in ihrer Routine nicht mit dem „Kaffkieker“ auf den nur selten befahrenen Gleisen.

Doch der Hoyaer kennt seine Strecke genau und weiß, wo es brenzlig werden kann. Sein Arbeitstag auf dem Schienenveteran dauert von morgens 7.30 bis abends 19.45 Uhr. Dabei muss er die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen exakt einhalten und außergewöhnliche Vorfälle auf der Strecke bis hin zu den Ankunfts- und Abfahrtszeiten im Fahrtbericht protokollieren.

Besonders freut er sich über Besuch an seinem sonst eher einsamen Arbeitsplatz: „Die Fahrgäste haben natürlich ein besonderes Interesse an dem historischen Triebwagen. Da ist ein Blick in den Fahrstand schon ein Erlebnis. Gern plaudere ich mit ihnen, erzähle über die Technik und den Fahrbetrieb. Der Kontakt zu den vielen eisenbahninteressierten Menschen macht mir einen Riesenspaß.“

Mehr zum Thema:

Mediengestalterin/Mediengestalter

Mediengestalterin/Mediengestalter

Neue Vielfalt beim Fußabstreifer

Neue Vielfalt beim Fußabstreifer

Bilder vom Oktoberfest: Standkonzert zur Halbzeit

Bilder vom Oktoberfest: Standkonzert zur Halbzeit

Kartoffelmarkt in Rotenburg

Kartoffelmarkt in Rotenburg

Meistgelesene Artikel

Holzreste vorsätzlich angezündet

Holzreste vorsätzlich angezündet

Fünf Einbrüche in Hoyaer Geschäfte in einer Nacht

Fünf Einbrüche in Hoyaer Geschäfte in einer Nacht

75-Jähriger fährt mit 2,35 Promille Auto

75-Jähriger fährt mit 2,35 Promille Auto

Neues Marktkonzept kommt an: volle „Hütte“ in Hoya

Neues Marktkonzept kommt an: volle „Hütte“ in Hoya

Kommentare