„Bürgerinitiative gegen den Trassenwahn“

„Erdkabel: Hopp oder top? Was kommt auf uns zu“

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Hans Kaufmann (links) von der „Bürgerinitiative gegen den Trassenwahn“ und Frank Windhorst von der Interessengemeinschaft „Vorsicht Hochspannung“ zeigen auf einer Karte den geplanten Verlauf der Stromtrasse Ganderkesee-St.-Hülfe.

Bücken - Von Anne Schmidtke. Sind Reparaturen bei Stromkabeln in der Erde aufwendiger als bei Freileitungen? Welche Gesundheitsgefahren gehen von beiden Systemen aus? Welche Risiken bestehen bei Naturkatastrophen?

Diese und weitere Fragen beantworteten Mitglieder der „Bürgerinitiative gegen den Trassenwahn“ (BI) in Hinblick auf den von dem niederländischen Stromnetzbetreiber Tennet geplanten Neubau einer 380-Kilovolt-Wechselstromtrasse von Stade nach Landesbergen am Mittwochabend in der Kleinkunstdiele in Bücken. Zahlreiche Betroffene und Interessierte – darunter auch Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer – nahmen an der Informationsveranstaltung „Erdkabel: Hopp oder top? Was kommt auf uns zu“ teil.

Bevor es zur Beantwortung der Fragen kam, stellte Frank Windhorst die Interessengemeinschaft (IG) „Vorsicht Hochspannung“ vor, deren Mitinitiator er ist. Die IG, die 2004 in Colnrade (Landkreis Oldenburg) gegründet wurde, verfüge derzeit über circa 3.700 Mitglieder. Sie kämpft seit mehr als zehn Jahren gegen den von Tennet geplanten Bau einer 380-Kilovolt-Freileitung von Ganderkesee (Landkreis Oldenburg) nach St. Hülfe (Landkreis Diepholz) und fordert im Fall eines Baus eine komplette Erdverkabelung. Tennet möchte hingegen nur einen Teil der Kabel vergraben.

Daher ging Mitte des Jahres von der IG und dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eine Klage gegen den von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr erlassenen Planfeststellungsbeschluss ein, der den Bau der Leitung von Ganderkesee nach St. Hülfe ermöglicht. Die Klage verzögert den Baubeginn der komplett neuen Trasse. Bei der Leitung von Stade-Landesbergen handelt es sich hingegen um eine Sanierung und Leistungsaufstockung der bestehenden Anlage.

Kampf gegen die Freileitungen

Hans Kaufmann (Dedendorf), Mitglied der BI und Moderator der Veranstaltung, fragte Frank Windhorst, wie er und seine Mitstreiter ihren über zehn Jahre andauernden Kampf gegen die Freileitung denn finanzieren würden. „Über Spenden und mit Benefizveranstaltungen“, antwortete Windhorst. Zudem würden die Kommunen Geld dazusteuern. Windhorst riet der hiesigen BI, sich gut zu vernetzen, zum Beispiel mit den Politikern und Verwaltungen.

Anschließend erklärte Dr. Ingo Schönfelder (Eystrup) von der BI, dass die Verlegung von Erdkabeln fünfmal so teuer sei wie die von Freileitungen. „Allerdings sind Erdkabel 40 Prozent effizienter als andere Kabel“, sagte Schönfelder. Erdkabel hätten einen geringeren Widerstand und somit werde mehr Strom übertragen. „Zudem sind die Folgekosten geringer“, berichtete Schönfelder. Denn Erdkabel seien weniger reparaturanfällig. „Die Freileitungen sind Wind und Wetter und somit auch Naturkatastrophen ausgesetzt“, sagte Schönfelder. Im Falle eines Defekts sei allerdings der Austausch von Erdkabeln kostenintensiver als der von Freileitungen. Schließlich müsste das Kabel aus der Erde gezogen werden.

Günter Brünjes (Windhorst), ebenfalls Mitglied der BI, berichtete, dass Wechselstrom Magnetfelder erzeugt, die gesundheitsgefährdend seien. Es gebe Studien, die belegen, dass das Risiko, an Leukämie zu erkranken für Kinder steige, die im Umfeld einer Hochspannungsleitung leben. Zudem sollten sich Menschen mit Herzschrittmacher nicht in der Nähe der Leitungen aufhalten, da die Magnetfelder die Geräte beeinträchtigen. Die Ausdehnung der gesundheitsgefährdenden Magnetfelder sei bei Freileitungen sehr viel größer als bei Erdkabeln.

Äcker nach Kabelverlegung noch nutzbar?

Zur Sprache kam auch, ob Äcker nach dem Einbau von Erdkabeln wieder landwirtschaftlich genutzt werden können. Idealerweise werde der Boden so hinterlassen, wie er vor den Bauarbeiten vorgefunden wurde, sagte Hobby-Landwirt Brünjes. Im ersten Jahr rechne man mit Ertragseinbußen von 100 Prozent und im zweiten mit 50 Prozent. „Aber danach wird es weniger“. Bei Freileitungen müsse der Bauer mit seinen Maschinen ständig die Masten umfahren. 

„Die Landwirte sind immer betroffen“, sagte Brünjes. Sie seien daher gut beraten, sich jetzt schon mal Gedanken darüber zu machen, wie ihr Verdienstausfall aussehen würde, sagte BI-Mitglied Ellen Zirotzki (Pennigsehl). Hans Kaufmann riet zudem, eine bodenwissenschaftliche Begleitung durch einen Fachmann bereits für die Planungsphase des Leitungsbaus bei Tennet zu fordern, um Ernteausfälle, Bodenverdichtungen und andere Schäden in Zukunft besser abschätzen zu können.

Zirotzki betonte, dass die BI ihr Bestmöglichstes tue, und aufgrund vieler Faktoren für Erdkabel sei. „Wir suchen immer das Gespräch mit allen“, betonte die Pennigsehlerin. In diesem Zusammenhang sagte Brünjes, dass die BI bisher alle ihre Schritte mit der Politik abgestimmt habe und dass auch in Zukunft tun wolle, denn „ohne die Politik geht nichts“.

Laut der BI wird Tennet voraussichtlich im Januar im Landkreis Nienburg Antragskonferenzen (Info-Veranstaltungen) abhalten, um anschließend in die Raumplanungsverfahren zu gehen. Die Termine werden in dieser Zeitung rechtzeitig bekannt gegeben.

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