Jost Egen will Gemeindebürgermeister werden

Vom Chefsessel ins zweite Glied – „dann hat der Kopf was zu tun“

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Eystrups ehemaliger Verwaltungschef Jost Egen will Gemeindebürgermeister werden.

Eystrup - Von Michael Wendt. Wenn sich die Eystruper SPD voll Freude einen parteilosen Bürgermeisterkandidaten präsentiert, der einst CDU-Mitglied war, dann tut sie das nicht aus Schadenfreude. Vielmehr ist sie glücklich, einen ausgesprochenen Fachmann zur Kandidatur auf ihrer Liste bewegt zu haben: Jost Egen. Der 60-Jährige war schon einmal Bürgermeister von Eystrup – hauptamtlich. Von 2001 bis 2009 führte er die damalige Samtgemeinde Eystrup. Nun will er sich trotz seiner Verwaltungskarriere ins zweite Glied der Kommunalpolitik einreihen. Ursache dafür ist letztendlich ein Verkehrsunfall.

Jost Egens Berufsleben endet am 25. Mai 2012. Er ist mit dem Motorrad unterwegs, als ihm eine Autofahrerin die Vorfahrt nimmt. Der Eystruper kracht in ihr Fahrzeug und liegt wochenlang schwer verletzt im Krankenhaus. Undenkbar, dass er wieder seinen Job als Bürgermeister von Preußisch Oldendorf in Ostwestfalen aufnimmt. Reha-Maßnahmen bestimmen fortan seinen Tagesablauf. Am 1. Januar 2014 wird Egen mit damals 57 Jahren in den Ruhestand versetzt.

Der Unfall hat Spuren hinterlassen. Das sieht man am rechten Arm von Jost Egen, den er nicht mehr uneingeschränkt bewegen kann. Seinen Humor hat der Vater zweier erwachsener Kinder deshalb aber nicht verloren. Er ist auch nicht verbittert darüber, dass sein Leben unverschuldet eine solche Wendung genommen hat. Im Gegenteil, er ist sich seines Glücks bewusst: „Ich hätte bei dem Unfall auch sterben können“, sagt Egen.

Viele Leute aus dem Gemeinderat kennen ihn gut. Sie wissen, dass er voller Ideen steckt und über ein immenses Fachwissen verfügt. „Aus Reihen der SPD wurde ich jetzt angesprochen, ob ich kandidieren wolle“, sagt Egen. Er habe lange überlegt, weil er ja früher auf der anderen Seite des Schreibtischs saß. „Aber die Interessenslage war ja die gleiche“: Die Gemeinde soll vorankommen.

Den Ausschlag zur Kandidatur hat schließlich das sinkende Interesse der Bevölkerung an der Kommunalpolitik gegeben. „Es ist heute schwer, Leute zu ehrenamtlicher Arbeit zu motivieren. Da habe ich gesagt: ,Ich mach das nochmal!‘ Dann hat der Kopf was zu tun, und man kann seine Erfahrung einbringen.“

Gleichzeitig kandidiert der 60-Jährige für den Samtgemeinderat. Seinen politischen Schwerpunkt sieht er zwar in Eystrup, aber wer dort etwas bewegen will, müsse wissen, was in der Samtgemeinde geschieht und brauche die Samtgemeindeverwaltung.

Jost Egen war einst CDU-Mitglied, jetzt kandidiert er auf der SPD-Liste. „Es geht mir nicht um die Partei, es geht mir um die Sache“, sagt er.

Der Wirbel und seine Kandidatur scheint Jost Egen gar nicht so recht. Trotz aller Bescheidenheit wird im Gespräch mit dem Dipl.-Verwaltungswirt aber dessen großer Elan deutlich, wenn er über politische Ziele spricht. Dann ist er gedanklich wieder voll drin in seinem früheren Job. „Es gibt noch viel zu tun – auch in Sachen Fusion“, sagt Egen, der eben jene 2011 vollzogene Fusion der Samtgemeinden Eystrup und Hoya mit auf den Weg gebracht und begleitet hat. Mitten in diesem Prozess, der auch dazu führte, dass nur noch ein Samtgemeindebürgermeister benötigt wurde, kommt 2009 die Frage aus Preußisch Oldendorf, ob Jost Egen dort Bürgermeister werden will. Er will. Er ist in der Region aufgewachsen. Für den Posten tritt er in die CDU ein, „weil der Wunsch nach einem CDU-Kandidaten war“. 2015 ist Jost Egen wieder ausgetreten. „Es geht mir nicht um eine Partei, es geht mir um die Sache“, sagt er.

In Eystrup geht es ihm um die weitere Gestaltung des Bahnhofsumfelds, um den Erhalt der Vereins- und Feuerwehrstruktur – auch als Grundlage für die tolle Jugendarbeit im Ort.

Es geht ihm um die langfristige Sicherung der Gewerbe- und Wohnungsbau-Entwicklung. Jost Egen spricht von einem Planungszeitraum von 15 Jahren, den man im Blick haben müsse. „Als Verwaltungsmensch hat man vielleicht einen anderen Blick auf die Langzeitplanung“, sagt Egen und nennt als Beispiel die Ausweisung des Baugebiets „Vehrenkamp“. Das ist heute eine Erfolgsgeschichte, war in den 90er-Jahren aber umstritten.

„Wenn wir es schaffen, die Grundversorgung vor Ort sicherzustellen, ist das eine tolle Sache“, sagt Egen. Er begrüßt die in Eystrup heiß diskutierte mögliche Ansiedlung von „Edeka“. Ein solcher „Vollsortimenter“ ziehe Kunden in den Ort, was auch kleinen Geschäften zugute komme.

Aufgrund seiner lokalpolitischen Erfahrungen blickt Egen voller Vorfreude auf die künftige Ratsarbeit: „Das war hier in Eystrup immer das Schöne: dass alle an einem Strang gezogen haben.“

Der berufliche Werdegang von Jost Egen

Jost Egen wurde am 22. Februar 1956 im ostwestfälischen Lübbecke geboren und wuchs bei Espelkamp (Kreis Minden-Lübbecke) auf. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Mechaniker, 1978 auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur und 1983 an der Fachhochschule in Soest sein Diplom als Verwaltungswirt. Bis 1987 arbeite Jost Egen beim Land Nordrhein-Westfalen, später in Lübbecke als Standesbeamter und im Hauptamt. 1990 übernahm er auf Wangerooge den Posten des stellvertretenden Gemeindedirektors. Fünf Jahre später trat er in Eystrup seinen Dienst als Samtgemeindedirektor an. 2001 wurde er dort zum Samtgemeindebürgermeister gewählt und 2006 für weitere acht Jahre bestätigt. Er verlies Eystrup jedoch bereits 2009, um Bürgermeister in Preußisch Oldendorf zu werden.

Der Gegenkandidat der CDU

Wilhelm Bergmann-Kramer steht auf Platz eins der CDU-Liste für den Eystruper Gemeinderat. - Foto: Andree Wächter

Die Eystruper CDU geht mit Wilhelm Bergmann-Kramer als Bürgermeister-Kandidaten in die Gemeinderatswahl. Der 68-Jährige ist ein politisches Urgestein im Ort: Seit mehr als 40 Jahren sitzt er im Gemeinderat. Ihm stand er von 2004 bis 2011 vor. Nach dem plötzlichen Tod von Manfred Ernst (SPD) übernahm Bergmann-Kramer im vergangenen Jahr erneut den Bürgermeisterposten. Der Landwirt und Vater von drei Kindern ist in Eystrup aufgewachsen.

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