Viele Lacher

Comedy-Club: Besucher nehmen bereitwillig die Opferrolle ein

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Die Mitwirkenden des Comedy-Clubs im Filmhof Hoya (von links): Moderator Mario Roggow und die Comedians Johnny Armstrong, Michael Steinke und Thomas Müller. 

Hoya - Von Horst Friedrichs. In den ersten Reihen sitzt man am besten, wenn man „Opfer“ sein möchte: Geübte Comedy-Gäste wissen allerdings, dass es in dieser Art von Opferrolle höchstens einen Muskelkater der Lachmuskeln zu erleiden gibt. Von Komikern aufs Korn genommen zu werden, erwies sich demzufolge am Sonntagabend im Filmhof Hoya für Fans des Comedy-Clubs von Radio Bremen Vier erneut als Lacher-Garantie. Ob Melanie, Christoph, Ulrike oder „Stuhr“ (auf den Namen seines Wohnorts reduzierter Matthias), alle trugen mit unerschrockenem Mitmachwillen dazu bei, die Freude des Gesamtpublikums an einer wahren Kanonade von Gags, Witzen und hintergründigen Pointen zu steigern.

Mit dem Publikum gemeinsame Sache zu machen, war für Bühnenjoker schon immer ein probates Mittel, Lachsalven zu generieren. Moderator Mario Roggow nutzte es am Sonntagabend von Anfang an, schon als er die drei Stars des Abends vorstellte: Thomas Müller, Johnny Armstrong und Michael Steinke – allesamt Großkaliber der deutschen Comedy-Szene und derzeit für Bremen Vier auf Tour.

In den Reigen der Gastspielorte reihte Moderator Mario den Filmhof Hoya – nach einem offenbar resonanzarmen Auftritt in Oldenburg – als sein Comedy-Wohnzimmer mit Schnuckeligkeits-Attributen ein. „Stuhr“, in der dritten Reihe, übernahm bereitwillig den Auftrag, als Taktgeber für Standing Ovations zu dienen.

Der Moderator und die Mitwirkenden auf der Bühne bewiesen im weiteren Programmverlauf einen guten Überblick, indem sie ihre Opfersuche gelegentlich auf die mittleren und hinteren Publikumsreihen ausdehnten.

Mit der Bewältigung von Krisen, einschließlich dem eigenen Trennungsschock, beschäftigte sich Thomas Müller. Sein Ganzjahresneustartprogramm betitelt er „Nächstes Jahr wird besser“, als Maxime für wirksame Änderungsmaßnahmen in nicht ganz so angenehmen Situationen. Versteht sich, dass ein Comedy-Crack vom Format Thomas Müllers mit mindestens jedem zweiten Satz Zuschauerreaktionen von Schmunzeln über Kichern bis hin zu explosiven Brüllern auslöst. Seine Beschreibung einer Spanienreise mit Zugfahrt von Cartagena nach Alicante geriet zur komödiantischen Spitzenleistung.

Derb-deftig und mit unverhüllter Wortgewandtheit

Dass britischer Humor auch auf Deutsch geht, machte Johnny Armstrong dem Publikum klar. Derb-deftig und mit unverhüllter Wortgewandtheit schilderte der gebürtige Engländer mit Eigenerfahrungen gewürzte nackte Wahrheiten. Seine Hoyaer Zuhörer konnten nicht anders, als in unverblümtes Gelächter auszubrechen – das kein Ende nehmen wollte, weil Johnny Armstrongs Witzekaskaden sich als wahres Trommelfeuer in Richtung Zwerchfell erwiesen. Seine perfekten Deutschkenntnisse hat er wie folgt erworben: „Ich habe einen Deutschkurs in Neukölln besucht. Hinterher konnte ich perfekt Türkisch.“ Seine Herkunft beschreibt er ähnlich drastisch: „Ich bin Engländer mit schottischem Vater, englischer Mutter und irischem Blut – an den Händen.“ Vor allem aber sei er mehrfach ausgezeichneter Komiker, wurde Armstrong nicht müde zu erwähnen, und seine Glatze und den Rauschebart definierte er als einen auf den Kopf gestellten Kopf – oder: „Oben Nazi, unten Salafist.“

Als „Sexiest Man Alive“ und „George Clooney der Comedy-Szene“ kündigte Moderator Mario den Dritten im Brüller-Bunde an, Michael Steinke. Dessen herziges Äußeres mit Hemd im Blümchentapetenmuster lieferte gleich den ersten Hinweis auf jene 70er-Jahre, denen er sich in seiner persönlichen Tradition der „Stand Up Tragedy“ verschrieben hat. Von trocken bis knallhart reichte der Ruhrpott-akzentuierte Wortwitz des auf bieder-bürgerlich Getrimmten, der es faustdick hinter den Comedian-Ohren hatte.

„Mensch, Melanie, damals sind wir noch mit den Beinen gelaufen!“

Melanie, ganz vorn in den Reihen und für Michael ein kleines Mädchen, weil nur 27 Jahre alt, machte munter mit beim vergleichenden Scherzfeuerwerk zwischen den 70ern und heute. Zum Dank gab’s für sie am Schluss eine Tüte mit Liebesperlen und Ahoi-Brause. Dafür hatte sie aber auch Hinweise erdulden müssen wie: „Mensch, Melanie, damals sind wir noch mit den Beinen gelaufen!“ und „Wenn wir wissen wollten, wie das Wetter wird, haben wir aus dem Fenster geschaut.“

Nach der Hitparade der Müttersprüche wandte sich Michael Steinke den Kellerpartys der lange vergangenen 70er zu und ließ sich vom Hinweis einer Zuhörerin schocken, dass man dafür Matratzen gebraucht habe. Michaels entsetzt-spontane Schlussfolgerung: „Als Sodom und Gomorrha zusammengelegt wurden, muss Hoya entstanden sein.“

Am 3. März 2017 kommt der Comedy-Club wieder in den Filmhof Hoya; Karten dafür gibt es dort bereits im Vorverkauf, Telefon 04251/2336.

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