Regisseurin liest aus ihrem Buch „Die Arier“

Mo Asumang stellt sich den Nazis in den Weg

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Kämpferin gegen Rassismus: Mo Asumang.

Hoya - Regisseurin und Schauspielerin Mo Asumang las am Montag vor 170 Schülern in der Aula des Schulzentrums Hoya aus ihrem Buch „Die Arier“ vor und zeigte die Kurzversion des gleichnamigen Films. Dort stellt sich Mo Asumang als Betroffene ihrer Angst und geht mutig mit Rassisten ins Gespräch.

Danach beantwortete sie Fragen der Jungen und Mädchen aus den achten und neunten Klassen der Oberschule. Dazu kamen die neunten Hauptschulklassen und zwei Fachleistungskurse des Johan-Beckmann-Gymnasiums. Beide Schulen tragen den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Auf die Frage, ob Mo Asumang als Kind auch schon rassistische Übergriffe erlebt habe, antwortete sie, dass sie von ihren Freunden viel Schutz erfahren habe. Aber außerhalb der Gruppe, da habe es oft schon die kleinen Übergriffe gegeben, die ihr ständig widerfuhren und ihr das Gefühl vermittelten, irgendwie nicht dazu zu gehören. Ständig wurde sie gefragt, wo sie herkomme, weil sie gut Deutsch spreche. Dabei ist Mo Asumang in Kassel geboren und aufgewachsen, ihr Vater kommt aus Ghana. Trotzdem habe es dann meist geheißen „Ach, du kommst aus Ghana“.

Auf eine weitere Schülernachfrage, warum die Menschen so seien, erwiderte Mo Asumang, dass das vom Umfeld abhinge. In Berlin Kreuzberg sei alles gemischt, da funktioniere Rassismus nicht, aber in Gegenden mit fast null Migrationsgeschichte, schon. Dort werde gehetzt, die Leute haben Angst vor Migranten und man habe keinen Nachbarn mit Migrationshintergrund, um die Hetzen zu überprüfen.

Eine Schülerin kam auf den Film „Die Arier“ zurück und fragte, ob Mo Asumang denn Angst gehabt habe, als sie die Demos der Nazis besucht hatte. Natürlich habe es Situationen gegeben, bei denen sie sich bedroht gefühlt habe, so seien einige auf sie zugerannt und abrupt vor ihr gestoppt. Aber weil ihr Kamerateam aus zwei großgewachsenen blonden Frauen mit blauen Augen bestanden habe, hätten die Nazis einen Unterschied gemacht.

Das war anders, als sie mit einem männlichen Kameramann ein Nazi-Rockkonzert besuchte habe. Ihm drückte ein Nazi seine Kamera ins Gesicht und man warf mit Bierflaschen nach ihnen. Auch schmiss jemand Mo Asumang einen Cent vor die Füße mit den Worten: „Guten Heimflug“. Darauf scherzte Mo Asumang: „Ich hätte ihm sagen müssen, damit komme ich aber nicht weit,“ und hatte die Lacher auf ihrer Seite.

Sie erzählte auch, dass die Männer nach einer Weile immer ruhiger wurden. Irgendwann kam ein Nazi auf sie zu und wollte mit ihr ein Selfie machen, dann kamen immer mehr und da brach die Angst weg. Mo Asumang ergänzte, bombardieren mit Lächeln hätte auch geholfen. Einem Nazi, der krampfhaft versucht hätte, nicht zu lachen, entglitt doch ein „Hihi“ und da wurde er von einem Kumpel weggezogen. Warum eigentlich? Sie dürften halt nicht mit ihr reden, sonst wären sie keine Mitläufer mehr.

In diesem Zusammenhang erwähnte sie auch den Aussteiger Christoph Sorge, der Mo Asumang beim Drehen des Filmes begleitete. Inzwischen sind beide gute Freunde geworden. Früher wollte sie die Welt verändern, heute genüge ihr ein Mensch wie Chris.

„Auf die Idee, Mo Asumang in unsere Schule einzuladen, hat uns Rudi Klemm gebracht“, sagte Lehrerin Petra Landes. Klemm gehört zum Weser-Aller-Bündnis (WABE). Der Zusammenschluss engagiert sich für Demokratie und Zivilcourage.

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