Wenigstens Hilfebedarf bei zwei Dritteln der Verdachte

27 Fälle von Gefährdung des Kindeswohls

Landkreis - Von Nikias Schmidetzki. Wer eine Gefährdung des Kindeswohls meldet, hat häufig den richtigen Riecher. In etwa zwei Drittel der untersuchten Fälle lag im Landkreis Nienburg entweder eine Kindeswohlgefährdung vor, oder es bestand wenigstens Hilfebedarf.

Zahlen legte jetzt das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) vor. Demnach wurden im vergangenen Jahr landesweit insgesamt 8 862 Gefährdungseinschätzungen vorgenommen. „Damit ist erstmals seit Einführung der Erhebung zum Berichtsjahr 2012 kein Anstieg der Gefährdungseinschätzung zum Vorjahr zu verzeichnen“, heißt es.

Für den Kreis Nienburg konkret berichtet das LSN von 111 Verfahren in 2015. Bei 38 Fällen, also etwa einem Drittel bestand nach der Einschätzung weder Gefährdung noch Hilfebedarf. Immerhin Letzteres war in 46 Fällen, dem Großteil der gemeldeten also, notwendig. Latente Kindeswohlgefährdung lag laut Landesamt 2015 im Kreis in 16 der untersuchten Fälle vor, gar eine akute in elf Fällen. In zehn Prozent der einzuschätzenden Verdachte war also sofortiges Handeln nötig, eine Inobhutnahme etwa, um die „körperliche Unversehrtheit“ zu gewährleisten.

Damit liegt der Kreis knapp unter dem Landesschnitt. „Von den 8 862 Verfahren zur Einschätzung der Gefährdungssituation eines Kindes oder eines beziehungsweise einer Jugendlichen wurden 1 035 Verfahren mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass eine akute Gefahrensituation vorliegt“, teilt das LSN mit. Das entspricht knapp zwölf Prozent. Landesweit gehen die Zahlen insgesamt runter. Im Jahr 2014 wurden noch 9 001 Gefährdungseinschätzungen an das LSN gemeldet – 139 mehr als 2015 also.

Als häufigster Grund wurden in diesen Fällen die Vernachlässigung des Kindes oder Jugendlichen angegeben (635). Anzeichen für körperliche Misshandlung lagen bei 317 und Anzeichen für eine psychische Misshandlung bei 285 Betroffenen vor. Bei 57 Kindern und Jugendlichen kamen die Fachkräfte zu dem Schluss, dass es Anzeichen für sexuelle Gewalt gab. „Die Jugendämter sind angehalten, alle zutreffenden Gründe für die Kindeswohlgefährdung anzugeben. Damit können bis zu vier Gründe angegeben werden“, erläutert das LSN.

Und von wem kommen die Hinweise? Am häufigsten gaben Polizei, Gerichte oder Staatsanwaltschaften den Hinweis auf eine potentielle Gefährdungssituation. Das war bei 1 944 Verfahren der Fall. Auch Bekannte, Nachbarn (1 183 Fälle) oder anonyme Melder (1 123 Fälle) waren oft die hinweisgebende Stelle.

Im Landkreis überwog dabei die Zahl der Jungen mit 65 zu 46 Mädchen. Und bei den als akut oder wenigstens latent eingestuften Fällen waren die meisten Opfer mindestens sechs Jahre alt, auch viele zehn- bis 18-Jährige waren dabei. Das gilt auch überhaupt für die gemeldeten Verdachte und ist somit gegenläufig zu den landesweiten Zahlen. Aus dem LSN heißt es, in ganz Niedersachsen waren 43 Prozent der Jungen und Mädchen, für die eine Gefährdungseinschätzung vorgenommen wurde, noch keine sechs Jahre alt. Im Kreis Nienburg sind es mit 39 Prozent noch einige weniger.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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