Hannover

Forscher sind Einbrechern auf der Spur

+
Eine wachsame Nachbarschaft kann Einbrecher abschrecken.

Hannover - Mit der dunklen Jahreszeit beginnt gleichzeitig auch die Einbrecher-Saison. Die Täter kommen oft ungestraft davon - ihre Opfer bleiben traumatisiert zurück. Ein Forschungsprojekt soll neue Erkenntnisse bringen.

Nur 30 Sekunden braucht ein geübter Einbrecher, um ein Fenster aufzuhebeln. Während die Bewohner auf der Arbeit, in der Uni oder im Urlaub sind, räumen die Diebe oft unbemerkt Haus oder Wohnung leer. Sie haben danach gute Chancen, dass ihnen niemand auf die Schliche kommt. 

Eine im Februar veröffentlichte Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) ergab, dass nur 2,6 Prozent aller Einbrecher vor Gericht verurteilt werden. Für die Studie wurden 3668 von der Polizei registrierte Einbrüche im Jahr 2010 in Berlin, Bremerhaven, Hannover, München und Stuttgart analysiert. 

An Menschen, die Opfer von Einbrüchen werden, geht das oft nicht spurlos vorbei. „Wir stellen immer wieder fest, dass durch Einbruchsdiebstähle eine erhebliche Traumatisierung eintritt“, sagt Peter-Jürgen Seeler von der Opferschutzorganisation Weisser Ring. 

Ein neues Forschungsprojekt des KFN soll Aufklärung bringen. Die Wissenschaftler wollen neue Erkenntnisse zu organisierter Kriminalität beim Wohnungseinbruch gewinnen. „Vergleichbare Projekte gibt es nicht, generell gibt es hier eine große Forschungslücke“, sagt Projektleiterin Gina Wollinger. Durch Interviews mit nationalen und internationalen Experten sollen Fragen geklärt werden wie: Welche Taten und Strukturen stecken dahinter? Wo treten sie geografisch auf? Wie kann die Ermittlung verbessert werden?  Erste Ergebnisse werden im August 2017 erwartet.

Einbruchszahlen in Niedersachsen angestiegen

Nach Informationen des Landeskriminalamts Niedersachsen gab es im Jahr 2015 insgesamt 16.575 Einbrüche und damit 1921 mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquoten liegen in Niedersachsen zwischen 22 und 25 Prozent. Besonders in den dunklen Monaten steigen die Einbruchszahlen wieder. „Das ist die klassische Zeit für Einbrüche", erklärt Mareike Kocar, Pressesprecherin der Polizei Osnabrück. 

Die Menschen sollten die Augen und Ohren offen halten, Briefkästen leeren und auch mit den Nachbarn sprechen. Entgegen des bundesweiten Trends sind die Einbruchszahlen in Hannover leicht gesunken. Für Martina Stern, Pressesprecherin der Polizeidirektion Hannover, hängt dies mit den vielen präventiven Beratungsangeboten und einer zentralisierten Bearbeitung der Fälle zusammen.

Aber auch in Hannover gibt es in der dunklen Jahreszeit mehr Fälle als im Sommer. „Das ist immer so“, sagt Joachim Grande, Pressesprecher der Polizei in Braunschweig. In den Wintermonaten gebe es in Braunschweig im Schnitt mehr als doppelt so viele Einbrüche wie im Sommer. Auf dem Land sind die Menschen stärker betroffen als in der Stadt. „Die Einbrüche im Umland von Braunschweig sind im Vergleich zum vergangenen Jahr ungefähr im zweistelligen Bereich gestiegen“, schätzt Grande.

Polizei bietet Beratung an

Beliebte Einfallstore für Einbrecher sind schlecht einsehbare Fenster oder die Terrassentür im Garten. Beratungsstellen der Kriminalpolizei bieten vor Ort eine Schwachstellenanalyse an. Grande empfiehlt, diesen kostenlosen Service der Polizei zu nutzen. „Wichtig ist, die Nachbarschaft zu aktivieren“, rät Florian Lörincz von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. 

Das Haus oder die Wohnung sollten nicht verlassen und zu aufgeräumt erscheinen. Vor allem tagsüber, wenn Täter davon ausgehen können, dass die Bewohner arbeiten, werde gerne eingebrochen. Zu den allgemeinen Verhaltenstipps gehört, die Rollläden zu schließen, Fenster nicht auf Kipp zu lassen und eine Minimalbeleuchtung anzulassen. Bei der Fenster- oder Gebäudesanierung werden Maßnahmen für den Einbruchsschutz außerdem staatlich gefördert.

dpa

Lesen Sie auch:

Deutlich mehr Autodiebstähle in Niedersachsen

Mehr zum Thema:

BVB holt mit starkem 2:2 bei Real den Gruppensieg

BVB holt mit starkem 2:2 bei Real den Gruppensieg

Bayer holt sich mit 3:0 gegen Monaco Selbstvertrauen

Bayer holt sich mit 3:0 gegen Monaco Selbstvertrauen

Widerstand der Rebellen in Aleppo bricht immer mehr zusammen

Widerstand der Rebellen in Aleppo bricht immer mehr zusammen

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Meistgelesene Artikel

Fahrplanwechsel: Bahn setzt bald mehr Züge am Abend ein

Fahrplanwechsel: Bahn setzt bald mehr Züge am Abend ein

17-jähriger Autofahrer tödlich verunglückt

17-jähriger Autofahrer tödlich verunglückt

Haus nach Gasexplosion einsturzgefährdet

Haus nach Gasexplosion einsturzgefährdet

Mehr Schafe im Land - Minister gegen Abschuss von Wölfen

Mehr Schafe im Land - Minister gegen Abschuss von Wölfen

Kommentare