Verschmelzung von Nienburg, Steyerberg und Aller-Weser

Volksbanken bereiten Fusion vor

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Noch zu siebt: Der aktuelle Vorstand der drei Volksbanken blickt der Fusion optimistisch entgegen, obwohl er deutlich schrumpfen wird ( von links: Markus Strahler, Joachim Meyer, Elmar Eich, Wolfgang Dreyer, Stefan Ullmann, Wolgang Tonne und Holger Hinrichs).

Marklohe - Von Leif Rullhusen. Eine Fusionswelle rollt seit Jahren über die Bankenlandschaft. Jetzt springen die Volksbanken Nienburg, Steyerberg und Aller-Weser auf.

Entsprechende Gespräche zu einer Verschmelzung der drei Kreditinstitute laufen bereits, ein ehrgeiziger Zeitplan steht. Rückwirkend zum 1. Januar 2017 soll aus den drei genossenschaftlichen Banken eine werden. Rückwirkend, weil das erst die Vertreterversammlungen im Mai kommenden Jahres endgültig entscheiden werden.

Am Donnerstag hatten die insgesamt sieben Vorstandsmitglieder der drei Häuser zu einem Pressegespräch eingeladen, in dem sie über Gründe und Auswirkungen des geplanten Zusammenschlusses informierten.

Arbeitsplätze nicht gefährdet

Arbeitsplätze soll die Fusion definitiv nicht kosten, versichert der Vorstand. „Es wird keine betrieblichen Kündigungen geben. Auch ein Arbeitsplatzabbau ist nicht geplant“, erklärt Elmar Eich (Aller-Weser). Lediglich im Rahmen von Fluktuation werde man schauen, ob frei werdende Arbeitsplätze noch gebraucht würden, schränkt er ein. Definitiv abgeschmolzen werde allerdings der Vorstand. Auf welche Größe sei offen. Ebenso wenig steht derzeit weder der Name der neuen Volksbank noch deren Sitz fest. „Das werden erst die weiteren Gespräche ergeben“, sagt Wolfgang Dreyer (Aller-Weser).

Mit Prognosen über eine Entwicklung der Mitgliederdividenden durch die Fusion sind die Vorstandsmitglieder zurückhaltender. „Sie werden weiter deutlich über dem Kapitalmarkt liegen“, verspricht Eich. Grundsätzlich hätte diesbezüglich aber die Vertreterversammlung das letzte Wort. Einziger Unterschied nach dem Zusammenschluss: Statt drei unabhängiger Versammlungen gibt es künftig nur noch eine. Für das Geschäftsjahr 2015 lagen die Dividenden zwischen fünf Prozent (Nienburg, Steyerberg) und sieben Prozent (Aller-Weser).

Die zunehmende Regulatorik, anhaltend niedrige Zinsen und die fortschreitende Digitalisierung seien wesentliche Gründe für die Fusion. „Gerade die regionalen Institute leiden unter der Regulatorik. Die können wir nur mit einer größeren Mannschaft bewältigen“, erläutert Joachim Meyer (Nienburg). Zudem habe die Europäische Zentralbank die Zinsen abgeschafft. „Das führt zu einem Ertragsrückgang in unserem Kerngeschäft.“ Eich ergänzt: „Die Betriebsergebnisse werden deshalb abschmelzen. Studien gehen von bis zu 50 Prozent in den kommenden Jahren aus.“

„Wir können fusionieren, wir müssen nicht“

Die Fusion solle trotz dieser sinkenden Erträge eine hohe regionale Nähe sowie Qualität der Kundenbetreuung sichern. Deshalb stünden bei den Fusionsgesprächen Regionalität und Dezentralität an oberster Priorität, ergänzt Markus Strahler (Nienburg). Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen besäßen alle drei Banken eine gute wirtschaftliche Ausgangsposition, betont Dreyer. „Wir können fusionieren, wir müssen nicht.“ Auf das „Müssen“ wolle man nicht warten, sondern die Fusion selbst gestalten.

Durch die Verschmelzung der drei Häuser entsteht eine Volksbank mit einer Bilanzsumme von rund 1,8 Milliarden Euro, 460 Mitarbeitern und rund 40 Filialen. Die verteilen sich über einen Bereich von Etelsen im Norden bis nach Kohlenfeld im Süden, sowie von Diepenau im Westen bis nach Rodewald im Osten.

Die Volksbank Aller-Weser wird in zukünftigen Chroniken übrigens nur wenig Platz einnehmen. Sie entstand erst vor vier Jahren durch den Zusammenschluss der Volksbanken Hoya und Verden.

Ein Kommentar zur Bankenhochzeit von Hans Willms:

Hans Willms

Es ist richtig, dass die Volksbanken Aller-Weser, Nienburg und Steyerberg gemeinsame Sache machen wollen. Noch ist die Fusion zwar nicht beschlossen, doch wenn die Genossen langfristig ihre Existenz sichern wollen, kommen sie um diese Hochzeit nicht herum. In den kommenden Monaten müssen die Vorstände daher echte Überzeugungsarbeit leisten, um die Vertreter dafür zu gewinnen, dass das Kirchturmdenken ein Ende haben muss. 

Auch wenn es für konkrete Aussagen etwas zu früh ist – die Kunden der drei Banken werden sich über kurz oder lang darauf einstellen müssen, irgendwann einmal weniger Filialen in der Region vorzufinden als heute, auch wenn davon jetzt noch gar nicht die Rede ist. In Zeiten aber, in denen rund 80 Prozent des tagtäglichen Bankengeschäftes ohnehin über das Internet abgewickelt werden, ist das zu verschmerzen. 

Nach Angaben des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken werden in den nächsten Jahren immerhin bis zu 20 Prozent aller Bankstellen wegfallen. Einem Großteil der Kunden wird das vermutlich gar nicht auffallen. Relativ gelassen werden auch die Mitarbeiter der drei Banken die geplante Bankenhochzeit verfolgen. Das Versprechen der jetzigen Vorstände, keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen, ist eine deutliche Ansage.

Dass die neue Volksbank – wie immer sie dann auch heißen mag – in einigen Jahren trotzdem weniger Personal beschäftigen wird als heute, ist aber auch klar. Scheiden Mitarbeiter aus, werden sie eben nicht ersetzt. Nüchternes Fazit: Wenn’s ums Geld und Geldverdienen geht, ist Sozialromantik fehl am Platze.

Nachgefragt bei den Volksbanken im Landkreis Diepholz: Fusion ein Thema? von Anke Seidel

Wie bewerten die Vorstände der vier Volksbanken im Landkreis Diepholz die Verschmelzungspläne dreier Genossenschaftsbanken in den Landkreisen Nienburg und Verden? Ist ein solcher Schulterschluss auch im Landkreis Diepholz eine Zukunftsoption? Wir haben nachgefragt. 

Ulrich Greschuchna, Vorstand der Volksbank mit Sitz in Bassum, will die aktuellen Verschmelzungspläne nicht bewerten: „Das ist nicht unsere Sache.“ Grundsätzlich aber könne man die aktuellen, enormen Herausforderungen der Banken mit drei Buchstaben beschreiben: NDR. Gemeint ist damit zum einen die anhaltende Niedrigzinsphase mit einem Wandel in der Bankenwelt, den es so bisher noch nie gegeben habe; zum zweiten die Digitalisierung, die Investitionen für die virtuelle Kundenbindung (wie Facebook, Internetauftritt oder das digitale Zahlungssystem PayDirekt) erfordere; drittens die Regulatorik – sprich die extrem steigenden Vorgaben und Anforderungen, die hohen Personaleinsatz auslösen. 

„Uns geht es ,noch’ gut“, so Greschuchna. „Aber wenn wir unsere Vorstands-Aufgabe ernst nehmen, müssen wir im Interesse unserer Mitglieder und Kunden alle Optionen prüfen.“ In der Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken im Landkreis Diepholz kommen ihre Vorstände regelmäßig zusammen. „Aber nicht zu diesem Thema“, so Greschuchna. Grundsätzlich sei es eine zwingende Notwendigkeit, in die Zukunft zu schauen. 

Heinrich Gödke, Vorstand der Volksbank Diepholz-Barnstorf: „Fusion ist bei uns aktuell kein Thema.“ Die Volksbank habe im vergangenen Jahr den „Zukunftsdialog“ gestartet: „Wir haben Handlungsfelder herausgearbeitet, um auf Dauer erfolgreich zu sein.“ Dabei gehe es um die Optimierung interner Prozesse, um Kosten sparen zu können – und natürlich um die Frage: „Wie können wir unsere Erträge optimieren?“ Auch wenn eine Fusion kein Thema sei, müsse man gleichwohl „nach links und rechts schauen, was passiert“, so Gödke. 

Die Zusammenarbeit mit den Volksbanken im Landkreis Diepholz bei Veranstaltungen wie beispielsweise dem Agrarforum werde selbstverständlich fortgesetzt. Jörn Nordenholz, Vorstand der Volksbank Sulingen, betrachtet die Entwicklungen neutral und erklärt zu möglichen Fusionen im Landkreis Diepholz: „Es gibt keine Gespräche in dieser Richtung.“ Die Herausforderungen wie Niedrigzinsen oder die Regulatorik seien für alle Banken gleich. „Jede Bank muss für sich ihre Hausaufgaben machen“, so Nordenholz. Jede Bank müsse auch für sich entscheiden, „welche Antworten sie auf diese Herausforderungen hat“. Man müsse einfach schauen, „was die Zukunft bringt“. 

Ludger Ellert, Vorstand der Volksbank in Vechta, die in Twistringen eine Außenstelle hat, wollte zum Thema Fusion keine Stellung beziehen – weder zu den Verschmelzungsplänen Aller-Weser, Nienburg und Steyerberg noch zu der Frage, ob eine Fusion in der Zukunft auch ein Thema im Landkreis Diepholz sein könnte.

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