Gewinn verdreifacht

Tui verdient trotz Terrorangst mehr

Hannover - Die Terrorangst in Europa bringt den weltgrößten Reisekonzern Tui nicht aus dem Tritt. Obwohl die Kunden aus Deutschland und Skandinavien weniger Sommerreisen buchen, hält Tui-Chef Fritz Joussen an seinen Gewinnplänen für das laufende Jahr fest.

Die Ausfälle in der Türkei und Nordafrika macht er etwa mit höheren Übernachtungspreisen an spanischen Urlaubszielen wett. "Last-Minute-Angebote gibt es in Spanien praktisch nicht", sagte Joussen am Donnerstag. Für Unsicherheit sorgt das Votum der Briten für einen EU-Austritt. Doch derzeit jetten die Briten noch eifrig ins Ausland.

Während Fluggesellschaften wie die Lufthansa und der Reiseveranstalter Thomas Cook (Neckermann Reisen, Condor) ihre Gewinnziele nach den Terroranschlägen in Europa kassiert haben, macht Joussen nur bei seinen Umsatzerwartungen Abstriche. Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende September sollen die Erlöse der Tui statt um mindestens 3 Prozent jetzt nur noch um rund 2 Prozent höher liegen als im Vorjahr, als sie 19 Milliarden Euro erreicht hatten.

Allerdings klammert Tui bei ihren Prognosen neben dem Verkauf von Geschäftsteilen auch Schwankungen der Währungskurse aus - und damit auch den jüngsten Absturz des britischen Pfund. Erlöse und Gewinne aus dem Geschäft mit den reisefreudigen Briten sind in Euro dadurch weniger wert als noch vor einem Jahr.

Im dritten Geschäftsquartal bis Ende Juni musste Tui konzernweit zwar einen Umsatzrückgang um fast sechs Prozent auf 4,6 Milliarden Euro hinnehmen - auch weil die Osterreisezeit im Gegensatz zum Vorjahr diesmal schon im März lag. Unter dem Strich verdreifachte sich der Gewinn jedoch auf knapp 87 Millionen Euro. Auch das operative Ergebnis fiel besser aus.

Das größte Problem für die Branche bleiben die Krisen in der Türkei und Nordafrika. Joussen erwartet weiterhin, dass Tui in diesem Jahr mit einer Million Urlauber nur rund halb so viele Menschen in die Türkei bringt wie noch 2015. Für das kommende Jahr will er den Konzern in Sachen Türkei flexibel aufstellen - um mit Flugzeugen und Hotelangeboten kurzfristig auf andere Ferienziele umschwenken zu können.

In diesem Sommer boomt das Geschäft auf dem spanischen Festland, den Balearen und Kanaren, wo Tui mit den Hotels der Riu-Kette besonders stark vertreten ist. Auch Griechenland sei jetzt wieder stärker gefragt, sagte Joussen. Und viele Kunden entschieden sich angesichts der niedrigen Preise inzwischen doch für eine Reise in die Türkei. Schließlich sei die Lage in Antalya an der türkischen Riviera nicht mit derjenigen in der Hauptstadt Ankara gleichzusetzen.

Bei den Urlaubern aus Deutschland und Skandinavien muss Tui aber auch insgesamt Einbußen hinnehmen. Für den Sommer zählte der Konzern bislang 3 Prozent weniger Kunden aus Deutschland als ein Jahr zuvor. In Skandinavien betrug das Minus sogar 12 Prozent. In Großbritannien lagen die Buchungen hingegen mit 6 Prozent im Plus - und konzernweit ziemlich genau so hoch wie vor einem Jahr.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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