Berufliche Eingliederung von Flüchtlingen

Sprache und Bleibeperspektive bremsen Flüchtlinge bei Jobsuche aus

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Auf der ersten Ausbildungsmesse für Flüchtlinge hilft eine Mitarbeiterin des Jobcenters beim Ausfüllen von Formularen.

Hannover - Fast überall in Niedersachsen versuchen die Behörden, Flüchtlingen so schnell wie möglich einen Einstieg in Ausbildung oder Arbeit zu ermöglichen. Fehlende Sprachkenntnisse und der ungeklärte Aufenthaltsstatus aber bremsen viele der Asylbewerber aus, wie die Bilanz des Jobcenters Hannover nach einem halben Jahr Beratung ergab.

"Die Erfahrung zeigt, dass wir alle noch sehr viel Geduld haben müssen", sagte Jobcenter-Geschäftsführer Dietmar Langer am Mittwoch. Von 1100 in ihren Unterkünften aufgesuchten Flüchtlingen wurden 250 in Sprachkurse oder Praktika vermittelt. 86 Prozent seien junge Männer unter 25, nur ein Fünftel habe einen Berufsabschluss, 70 Prozent aber berufspraktische Erfahrungen.

Mit Trägern der freien Wohlfahrtspflege kümmert sich das Jobcenter in Hannover um die Flüchtlinge, die noch nicht anerkannt sind. Noch während die Asylbewerber in den Unterkünften auf eine Entscheidung warten, werden sprachliche und berufliche Voraussetzungen und die eigenen Vorstellungen der Flüchtlinge inventarisiert und erste Kurse angeboten. "Wir müssen leider feststellen, dass es an Sprachkursen mangelt, auch gibt es nicht ausreichend Integrationskurse", meinte Langer. Frustriert äußerten sich etliche der Flüchtlinge, die auf eigene Faust einen potenziellen Arbeitgeber gefunden hatten. Wegen der Vorrangsregel, dass zunächst Deutsche oder EU-Ausländer auf offene Stellen vermittelt werden, erhielten sie den Job nicht.

„Darauf angewiesen, so schnell wie möglich zu arbeiten.“

Bereits von ihrer geringen Asylbewerberunterstützung schickten die Flüchtlinge Geld an die Familie in die Heimat, erklärte Beraterin Sarah Zaidi in Hannover. Für ihre Flucht hätten viele in der Heimat alles verkauft und seien nun darauf angewiesen, so schnell wie möglich zu arbeiten. "Wir wollen arbeiten und studieren und nicht schlafen und rumhängen", sagte etwa der irakische Flüchtling Jafaar Halwest (23), der in seiner Heimat als Computertechniker gearbeitet hat.

Tätowierer Hadi Paaho (22) aus dem Iran könnte seinen Job in Hannover gleich wieder aufgreifen - noch aber hat er keine Arbeitserlaubnis. "In der Praxis funktioniert die Vermittlung nicht", lautet das Fazit von Alireza Askari (38) aus Teheran, dessen Vorstellung von Deutschland als dem perfekt organisierten Land in den letzten Monaten etliche Kratzer erhalten hat.

Es mangelt nicht am guten Willen der Behörden

Dabei mangelt es am guten Willen für eine schnelle Eingliederung bei den Behörden in Niedersachsen allem Anschein nach nicht: Bereits in den Erstaufnahmelagern sprechen Berater der Arbeitsagentur bleibeberechtigte Flüchtlinge an und sammeln Daten über Qualifikation und Wunschberuf, die dann für die weitere Beratung genutzt werden. In Hannover organisiert außer dem Jobcenter die Arbeitsagentur Speed-Datings mit Arbeitgebern, in Göttingen wird in den Sprachkursen über das Beratungsangebot der Agentur informiert. Agentur-Beschäftige kommen auch in die kleineren Kommunen, etwa im Harz, und bieten Infoveranstaltungen in Gemeindesälen und Feuerwehrhäusern an.

Im Landkreis Goslar erhalten alle Flüchtlinge im Integrationszentrum einen Grundlagenkurs. In Wolfenbüttel gehen Mitarbeiter der Agentur regelmäßig in die Volkshochschule, wo die Sprachkurse für Flüchtlinge stattfinden, und stellen sich und ihr Beratungsangebot vor. In Vechta gibt es im Integration-Point zwei Mal wöchentlich Beratungen, zu denen Flüchtlingen aus umliegenden Orten mit Bussen gebracht werden.

dpa

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