Bisher kaum Vergiftungen in Niedersachsen

Zu trocken für Pilze

Göttingen - Wegen der Trockenheit wachsen momentan kaum Pilze. Dem Giftinfozentrum-Nord hat dies eine relative Ruhe beschert. Das könnte sich aber bald ändern.

Wegen der Trockenheit der vergangenen Wochen hat es im September bisher kaum Pilzvergiftungen gegeben. Beim Giftinformationszentrums-Nord (GIZ-Nord) in Göttingen seien bisher jedenfalls nur "sehr wenige Fälle" registriert worden, sagte GIZ-Co-Chef Andreas Schaper.

In den vergangenen Jahren sei der September dagegen mit zum Teil mehr als 200 Verdachtsfällen der Monat mit den meisten tatsächlichen oder mutmaßlichen Pilzvergiftungen in Norddeutschland gewesen, sagte Schaper. "Wenn es jetzt regnet, werden die Zahlen aber auch in diesem Jahr bald deutlich steigen." Der September gilt als wichtigster Monat für Pilzsammler.

Ungewöhnlich viele Pilzvergiftungen habe es in diesem Jahr im Juni gegeben, sagte Schaper. Beim GIZ-Nord seien rund 75 Verdachtsfälle gemeldet worden, etwa doppelt so viele wie in "normalen" Jahren für diesen Monat. "Wenn es feucht und warm ist, wachsen die Pilze. Dann gibt es auch viele Vergiftungen", sagte der Experte. Bei relativer Trockenheit dagegen gedeihen Pilze schlechter, entsprechend gehe die Zahl der Vergiftungsfälle zurück.

Am häufigsten führe der Verzehr von Knollenblätterpilzen zu Vergiftungen, sagte Schaper. Das Gift führe zu Durchfall, Erbrechen und Leibschmerzen. In schweren Fällen greife es die Leber an, es könne sie auch völlig zerstören. "Der Knollenblätterpilz ist ein Pilz, an dem Menschen auch sterben können", sagte Schaper. In diesem Jahr habe es zum Glück noch keine Toten gegeben. "Wir hatten aber bereits Verdachtsfälle. Zuletzt bei einem Kind."

In den vergangenen Jahren hatte es in Norddeutschland wiederholt Todesfälle nach dem irrtümlichen Verzehr von Knollenblätterpilzen gegeben. 2015 zum Beispiel war ein Pilzsammler aus Bremerhaven ums Leben gekommen. In der Lüneburger Heide hatte die Polizei ausdrücklich vor giftigen Knollenblätterpilzen gewarnt. Besondere Gefahr bestehe für Flüchtlinge aus Syrien, weil es dort essbare Pilze gebe, die von der giftigen Sorte in Deutschland kaum zu unterscheiden seien.

Bei Verdacht auf Vergiftung mit Knollenblätterpilzen müssten Betroffene unbedingt ins Krankenhaus gebracht werden, sagte GIZ-Experte Schaper. Dort könne man ein Gegengift geben.

Das an der Universitätsmedizin Göttingen angesiedelte GIZ-Nord ist eine Gemeinschaftseinrichtung der Länder Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Hauptaufgabe ist die Beratung von Laien und Fachleuten bei akuten Vergiftungsfällen. Das Zentrum ist unter der Notrufnummer 0551 19240 erreichbar.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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