Prozess im Osnabrücker Landgericht 

Tödliche Schüsse im Supermarkt: Verteidigung sieht Notwehr

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Die tödlichen Schüsse in einem Supermarkt in Osnabrück sind aus Sicht des Verteidigers des Angeklagten reine Notwehr gewesen.

Osnabrück - Die tödlichen Schüssen in einem türkischen Supermarkt in Osnabrück sind aus Sicht des Verteidigers des angeklagten 40-jährigen Mannes reine Notwehr gewesen. Der Angeklagte sei nicht wegen Mordes oder Totschlags zu verurteilen, sondern freizusprechen, sagte Anwalt Thomas Klein am Dienstag im Osnabrücker Landgericht.

Im vergangenen Oktober hatte der Mann aus nächster Nähe auf einen 45-Jährigen geschossen, der sofort tot war. Der Verteidiger sagte, die Familie seines Mandaten habe von dem Opfer seit Jahren Todesdrohungen erhalten. Als die beiden Männer sich im Supermarkt trafen, sei sein Mandant in einer psychischen Ausnahmesituation gewesen. Er habe angenommen, dass er seinerseits erschossen werden solle, argumentierte der Verteidiger. "Es war eine hochgradig aufgeladene Situation", sagte der Anwalt. 

Zwar habe das Opfer keine Waffe bei sich gehabt, das habe der Angeklagte aber nicht wissen können. Das Opfer habe hinter sich gegriffen, so dass sein Mandant davon ausgehen musste, dass er erschossen werden sollte. 

Es bestehe kein Zweifel daran, dass das Opfer hinter einem Brandanschlag auf das Haus der Familie seines Mandanten stecke. Deswegen sei eine Verurteilung nur wegen Waffenbesitzes denkbar, und diese Strafe sei mit der Untersuchungshaft bereits abgegolten.  „Das Opfer hat ein sehr kriminelles Vorleben geführt", sagte der zweite Anwalt des Angeklagten, Jens Meggers. 

In der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer neun Jahre Haft wegen Totschlags gefordert. Die Nebenklage beurteilt den Fall nach wie vor als Mord, sie forderte lebenslange Haft. Wahrscheinlich in der nächsten Woche wird das Gericht sein Urteil sprechen.

dpa

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