Video warnt vor Gefahren

Suchtexperten sehen Flüchtlinge durch Sportwetten gefährdet

Hannover - Sportwetten verleiten Flüchtlinge nach Einschätzung von Suchtexperten verstärkt zum Einsatz ihres knappen Geldes. Anlässlich des Aktionstages zur Prävention gegen Glücksspielsucht warnen Niedersachsen, Hessen und Thüringen daher von diesem Mittwoch an mit einem neuen Video auf Deutsch, Türkisch und Arabisch vor den Gefahren von Sportwetten.

Nach Beobachtung der Glücksspielexpertin der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen (NLS), Martina Kuhnt, bewegen chronischer Geldmangel sowie die Hoffnung auf einen großen Gewinn in Kombination mit vermeintlichem Expertenwissen in Sportfragen die Flüchtlinge zu Sportwetten. Außerdem böten die Wetthallen eine Aufenthaltsmöglichkeit, mitunter auch mit Essen und Trinken. Dabei bewegten Flüchtlinge und Migranten sich oft in eigenen Gruppen, zu denen die Suchtberatung kaum Zugang habe.

Betroffen vor allem jüngere Männer

Immer mehr Menschen mit einer Glücksspielproblematik betrieben exzessiv Sportwetten, teilte die Fachstelle Sucht des Diakonischen Werks Hannover mit. Ihr Anteil stieg in den niedersächsischen Suchtberatungsstellen von 6 Prozent in 2013 auf 14 Prozent in 2015. Betroffen seien vor allem junge Männer - vielfach mit Migrationshintergrund - sowie aktive Sportler. Nach Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stieg die Teilnahme an Sportwetten in der Gruppe der 18- bis 20-Jährigen von 5,7 Prozent in 2013 auf 12,8 Prozent in 2015 an.

Kein Wissen darüber, wie hoch Gewinnchancen sind

Wie der Hamburger Glücksspielforscher Ingo Fiedler erklärte, geben sozioökonomisch schwache Gruppen generell mehr Geld für Glücksspiele aus und sind entsprechend häufiger suchtgefährdet. Viel freie Zeit, knapp bei Kasse und ohne Aussicht auf schnellen wirtschaftlichen Aufstieg - alle diese zum Glücksspiel verleitenden Faktoren träfen auf Flüchtlinge zu. Außerdem fehle ihnen oft das Wissen darum, wie hoch ihre Gewinnchancen statistisch gesehen tatsächlich sind. Betroffen seien zumeist Männer, weil sie im Leben generell und auch im Glücksspiel risikobereiter seien. Auch wenn es zu problematischem Spielverhalten von Flüchtlingen noch keine Zahlen gebe, solle die Prävention sie mit in den Blick nehmen, riet der Forscher.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa-avis/Symbolbild

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