Stiftungen boomen

Mit Geld Gutes tun

Hannover - Ob Unternehmer Dirk Roßmann, Schauspieler Til Schweiger oder Annemarie Findel-Mast, Tochter des Jägermeister Begründers Curt Mast: Reiche und Prominente sind bekannte Stifter. Doch es gibt auch Möglichkeiten für weniger Vermögende, sich zu engagieren.

Stiftungen sind sehr beliebt. Besonders seit dem Jahr 2000 boomen die Neugründungen, auch im Norden. Mittlerweile gibt es nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen in ganz Deutschland rund 21.300. 

Die Bürger von Oldenburg gründen besonders häufig Stiftungen. Im Ranking der Großstädte schafft es die Stadt neben Hamburg auf Platz zwei mit 78 Stiftungen pro 100.000 Einwohner. „Oldenburg zeichnet sich durch ein starkes Wir-Gefühl aus und das zeigt sich daran, dass es hier vielen Menschen ein Bedürfnis ist, etwas für andere, für die Allgemeinheit oder für den guten Zweck zu tun", teilte eine Sprecherin der Stadt mit. 

Warum boomen Stiftungen?

"Das Modell der Stiftung ist allgemein bekannter geworden", sagt Martin Speer, Sprecher des Bundesverbands. Zu dem Boom hat auch eine Gesetzesreform im Jahr 2007 beigetragen, die bürokratische Hürden abgebaut hat. In den letzten zehn Jahren wurde viel Vermögen vererbt.

Warum wird jemand zum Stifter?

95 Prozent der Stifter möchten mit ihrer Stiftung Gutes für die Allgemeinheit tun. Die Curt Mast Jägermeister Stiftung soll sich im Sinne Curt Masts für dessen geliebte Heimatstadt Wolfenbüttel engagieren. Dirk Roßmann hat gemeinsam mit dem Unternehmer Erhard Schreiber die Stiftung Weltbevölkerung gegründet, um etwas gegen das rasante Bevölkerungswachstum zu tun. Til Schweiger will mit seiner Stiftung benachteiligten Kindern und Jugendlichen helfen, zum Beispiel mit einer neuen Kita in Osnabrück.

Wie viele Stiftungen gibt es in Niedersachsen?

In Niedersachsen gibt es 2.207 Stiftungen. Auf 100.000 Einwohner kommen somit 28 Stiftungen. Das ist mehr als der Bundesdurchschnitt mit 26 Stiftungen pro 100.000 Einwohner. Niedersachsen liegt damit im Bundesländer-Vergleich auf Platz sechs.

Wer zählt zu den größten, wer zu den ältesten Stiftungen?

Zu den Größten gehören die Deutsche Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück und die Volkswagen Stiftung in Hannover. Eine der ältesten Stiftungen ist die im Jahr 1161 gegründete Johannishofstiftung in Hildesheim. Sie unterstützt soziale Einrichtungen und bedürftige Menschen in der Stadt.

Wer kann eine Stiftung gründen?

Im Prinzip kann das jeder ab 18 Jahren tun. Wer stiften will braucht Geld, das er langfristig abgeben kann. Als Grundkapital gelten 50.000 Euro, auf die der Stifter auf Dauer verzichten muss.

Kann man auch mit weniger Geld Stifter werden?

Wer weniger Geld hat kann sich mit anderen Menschen zusammentun und eine Bürgerstiftung gründen. Bürgerstiftungen setzten sich häufig für soziale Projekte in der Heimatregion ein. Die erste Bürgerstiftung Deutschlands gründete ein Niedersachse 1997 in Hannover, der Kriminologe Christian Pfeiffer.

Wie finanzieren sich Stiftungen?

Das Grundkapital der Stiftung darf nicht benutzt werden. Stiftungen können aber Geld durch Zinsen aus diesem Kapital bekommen oder Geld aus der Verpachtung von einem Grundstück erhalten. Eine andere Möglichkeit sind Spenden. Vor allem in Zeiten von Niedrigzinsen können Spenden eine wichtige Einnahmequelle sein. „Spenden sind außerdem ein Instrument, um mehr Menschen für die Stiftungsaktivitäten einzubeziehen, wer spendet baut auch eine Verbindung mit dem Spendenempfänger auf", erklärt Martin Speer vom Bundesverband.

Wie wird kontrolliert, ob Stiftungen ihren Zweck erfüllen?

Die Stiftungsaufsicht kontrolliert zusammen mit dem Finanzamt, ob der Zweck gemeinnützig ist und ob auch nach dem Tod des Stifters weiterhin dessen Wille erfüllt wird. Stiftungsaufsicht ist in den Bundesländern meist das Innenministerium, so auch in Niedersachsen.

dpa

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