Indian Ocean ist wieder frei

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Mehrere Schlepper ziehen das Containertschiff "CSCL Indian Ocean" zurück in das Fahrwasser der Elbe.

Stade - Von Matthias Benirschke. Mehr als fünf Tage steckte der 400 Meter lange Containerfrachter „Indian Ocean“ im Schlick der Elbe fest. Das Havariekommando setzte seine Hoffnung auf geballte Schlepperkraft - und die Unterstützung des Wetters. Mit Erfolg.

Die beste Nachricht für viele der Schaulustigen in dieser sehr, sehr nassen Nacht an der Elbe ist: „Da vorn gibt's Punsch, Kaffee, Bier und Würstchen.“. Es ist noch stockdunkel, aber beim Kiosk auf dem Fähranleger Lühe im Alten Land brennt schon Licht.

Mehr als 150 Schaulustige sind am Anleger, viele sind mit Wohnmobilen gekommen und sehen durch die Gardinen auf den Containerriesen, der sich seit Tagen nicht bewegt hat. Die „Indian Ocean“ ist am vergangenen Mittwoch hier wegen eines Defekts im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Ruder gelaufen und im Elbschlick neben der Fahrrinne steckengeblieben.

Nach zwei gescheiterten Versuchen, das Riesenschiff freizuschleppen, wurde tagelang Sand neben dem Rumpf weggebaggert, 45 000 Kubikmeter insgesamt. 6500 Tonnen Treibstoffe und Ballastwasser wurden abgepumpt, um das mehr als 150 000 Tonnen schwere Schiff etwas leichter zu machen. Vor allem waren es aber der günstige Wind und die Springtide, die dem Bergungsteam letztlich zum Erfolg verhalfen. Und natürlich die geballte Kraft der Schlepper.

Gegen 1.30 Uhr in der Nacht zum Dienstag sammeln sich die Schaulustigen am Anleger und am Deich. Gegen 2.00 Uhr soll es losgehen. Zwei Hochseeschlepper sind in Position. Die „Union Manta“ und die „Fairmount Expedition“ sollen das 400 Meter lange Containerschiff rückwärts in die Fahrrinne ziehen. Zehn der etwas kleineren Hafenschlepper sollen ziehen und drücken.

Um 2.02 Uhr gibt das Havariekommando das Startsignal. Der Schleppversuch könne Stunden dauern, haben die Experten vorher geunkt. Der Höhepunkt der Flut wird gegen 4.00 Uhr am Schiff erwartet. Die Schlepper ziehen an, der Lärm der 36 000 PS, die allein die beiden Hochseeschlepper an den Start bringen, wird vom Wind verweht.

Die 7,6 Zentimeter dicken Stahlseile spannen sich und schon nach ein paar Minuten dreht sich das Heck des Container-Kolosses langsam in die Fahrrinne, um 2.20 Uhr schwimmt die „Indian Ocean“ wieder.

Uwe Kröhnke steht mit seinem Fernglas im Regen am Anleger. Der 70-Jährige hat es nicht weit aus seinem Örtchen Guderhandviertel im Herzen des Alten Landes. Er hatte bis vor zwei Jahren einen Ewer, ein traditionelles Segelschiff mit Flachkiel. „Mein Vater war Schleusenwärter in Otterndorf an der Elbe.“ Daher die Verbundenheit mit der Schifffahrt, sagt er.

„Meine Frau hatte keinen Bock mitzukommen“, sagt Kröhnke lachend. Dafür sind die Nachbarn aus dem Gesangverein dabei. „Das ist doch ein toller Anblick“, sagt Thekla Kiehn beim Anblick der vielen Lichter auf der nachtschwarzen Elbe und ihr Mann stimmt zu.

Die DLRG-Ortsgruppe Horneburg im Alten Land ist auch im Einsatz. Das Wasser steht hoch und schwappt gelegentlich über die Kaimauer. Die ersten Wohnmobilbesitzer müssen umparken, weil der Parkplatz langsam unter Wasser steht. „Wir sind hier, um die Zuschauer zu sichern“, sagt Einsatzleiter Rainer Bohmbach. „Beim ersten Besuch der „Queen Mary“ waren hier 20 000 Menschen.“

Der Eigner der „Indian Ocean“, die Reederei China Shipping, dürfte froh sein, dass das Schiff wieder fährt. Allein die Unterhaltskosten für den Containerriesen liegen angeblich bei 54 000 Euro - pro Tag. Ein gutes und unverhofftes Geschäft macht in dieser ungemütlichen Nacht auch der Kiosk „Wellenreiter“ am Anleger Lühe. „Eigentlich bin ich noch im Winterschlaf“, sagt Wirtin Sylke Oehr. „Wir haben erst ab Mitte März geöffnet. Aber für diese Aktion haben wir extra aufgemacht. „Ich bin jetzt zwölf Jahre hier, aber sowas habe ich noch nie erlebt“, sagt Oehr und reicht zwei Bier über den Tresen.

„Der hätte wenigstens nochmal hupen können“, sagt ein Mann und prostet der „Indian Ocean“ hinterher.

Infobox: Die Gezeiten 

Ebbe und Flut wechseln sich fortwährend ab. Es ist vor allem die Anziehungskraft des Mondes, die die Gezeiten - das periodische Steigen und Fallen des Meeresspiegels also - beeinflusst. Eine ähnliche Wirkung wie der Mond hat die Sonne, wenn auch nur etwa halb so stark, denn sie ist viel weiter von der Erde entfernt. Je nachdem wie Sonne, Mond und Erde zueinander stehen, werden Ebbe und Flut durch die Sonne verstärkt oder abgeschwächt. Liegen Sonne, Mond und Erde - wie bei Voll- und Neumond - auf einer Linie, ergänzen sich die Kräfte. Es kommt zu sogenannten Springtiden mit besonders hohem Flutberg und besonders niedriger Ebbe.

dpa

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