Reeder suchen Wege aus der Krise

Schiffe ohne Steuermann in Sicht

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Das Containerschiff "Tsingtao Express" der Reederei Hapag-Lloyd auf der Elbe. Die deutschen Reeder müssen ihre Unternehmen bereits im achtenn Jahr durch die Schifffahrtskrise steueren.

Hannover - Neun von zehn Reedern erwarten in den nächsten Jahren eine digitale Umwälzung in der Schifffahrt. Nachdem Branchen wie der Handel oder die Medien schon seit Jahren neuen und digital geprägten Geschäftsprozessen ausgesetzt sind, werde der Wandel auch Schifffahrt und Logistik erfassen, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung PwC.

"Jede vierte Führungskraft aus der maritimen Wirtschaft geht davon aus, dass Schiffe in absehbarer Zukunft von Land gesteuert werden, ohne Steuermann und Besatzung", sagte PwC-Experte Claus Brandt am Dienstag in Hamburg. Das hätte noch vor zwei Jahren kaum ein Reeder für möglich gehalten. Auch die Echtzeit-Verfolgung von Sendungen auf hoher See und die Wartung von Schiffen aus der Ferne dürften schon bald Alltag werden.

Auch die Aufgaben der Reedereien werden sich nach Ansicht der Führungskräfte der Branche erheblich verändern. Zwei Drittel von mehr als 100 befragten Managern rechnen damit, dass Linienreeder nicht nur den Schiffstransport, sondern die gesamte Lieferkette von Haus zu Haus abdecken müssen.

Auch Technologie- und Internetunternehmen wie Google, Apple oder Amazon, die sich bereits mit Autos, Robotern und Zustelldrohnen beschäftigen, könnten zunehmend in die Schifffahrt vordringen. Daran glaubt zwar gegenwärtig nur jede zehnte Reeder. "Aber das ist möglicherweise eine trügerische Fehleinschätzung, wenn man die Vorstöße der Technologiegiganten in anderen Branchen beobachtet", sagte Brandt. "Digitale Akteure drängen schon lange in die Logistik, zu Lande und in der Luft."

Die Digitalisierung ist für die Schifffahrt eine neue Herausforderung in einer Dauerkrise. Die deutschen Reeder erwarten in den nächsten zwölf Monaten keine Besserung ihrer Lage. Nur 27 Prozent rechnen mit steigenden Charterraten für Schiffe, 39 Prozent mit höheren Frachtraten.

Dennoch laufen die Modernisierung der Flotten und die Digitalisierung weiter: Rund 70 Prozent der Reeder wollen neue oder gebrauchte Schiffe kaufen, mehr als 80 Prozent verkaufen Schiffe oder verschrotten sie. Um die notwendigen Investitionen zu finanzieren, bemühen sich die Reedereien zunehmend um Kapital ausländischer Fonds.

"Digitalisierung, Finanzierung, Umweltschutz: Diese Themen entscheiden über die Zukunftsfähigkeit der deutschen Handelsschifffahrt und werden deshalb von den Führungskräften in einem anhaltend schwierigen Marktumfeld angepackt", sagte Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbandes Deutscher Reeder (VDR). Die Zurückhaltung deutscher Banken bei der Schiffsfinanzierung erzwinge eine stärkere Orientierung hin zu neuen Partnern.

dpa

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