Radikalisierung stoppen

Präventionsstelle gegen Salafismus zieht positive Bilanz

Die Präventionsstelle gegen Salafismus hat eine positive Bilanz gezogen. Foto: Marijan Murat/Archiv
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Die Präventionsstelle gegen Salafismus hat eine positive Bilanz gezogen.

Hannover - Radikale Islamisten haben in Niedersachsen verstärkt Zulauf. Immer wieder brechen auch fanatisierte junge Leute zum IS nach Syrien auf. Seit einem Jahr gibt es eine landesweite Präventionsstelle, die das verhindern soll. Doch hat die Arbeit der Beratungsstelle Erfolg?

Junge Leute gleiten in islamistische Kreise ab, schmieden gar Pläne für eine Ausreise zur Terrormiliz Islamischer Staat: Darum kümmert sich die Präventionsstelle gegen Salafismus in Niedersachsen, die jetzt ein Jahr nach Start eine positive Bilanz gezogen hat. Das Angebot werde nicht nur von Angehörigen, sondern auch von Schulen gut angenommen, sagte die Vorsitzende der Beratungsstelle, Emine Oguz, der dpa in Hannover.

Bewährt habe sich, dass die auf Initiative des Sozialministeriums gegründete Beratungsstelle nicht bei den Sicherheitsbehörden angesiedelt sei. Damit sei die Hemmschwelle für Angehörige und das Umfeld gefährdeter Menschen niedriger, sagte Oguz. An erster Stelle stehe die Prävention, bei Bedarf werde aber auch ein Draht zur Polizei gelegt.

„Es freut mich, dass das Angebot bereits in seinem ersten Jahr so gut angenommen wird“, sagte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD). „Das ist eine weitere Bestätigung dafür, dass das von der Stigmatisierung muslimischer Mitbürgerinnen und Mitbürger geprägte Konzept der Vorgängerregierung gescheitert ist - die Beteiligung der muslimischen Verbände schafft Vertrauen bei den Menschen, denen wir diese Unterstützung anbieten.“

Weit über 50 Beratungsanfragen seien seit dem Start begleitet worden, sagte der Leiter der Beratungsstelle, Christian Hantel. Bei 48 Prozent der Anfragen ging es um junge Menschen aus muslimischen Herkunftsfamilien, im Übrigen um Konvertiten aus nicht-muslimischen Familien.

72 Prozent der Betroffenen waren Männer, 28 Prozent Frauen. Bei dem weiblichen Anteil sei ein Anstieg zu beobachten, was auch dem vom Bundeskriminalamt festgestellten Trend entspreche. In 62 Prozent der Beratungsfälle ging es um junge Leute zwischen 18 und 24 Jahren, 38 Prozent betrafen Jugendliche unter 18.

Hilferufe wegen einer drohenden Radikalisierung erreichten die Beratungsstelle querbeet aus ganz Niedersachsen. Einen Schwerpunkt gebe es mit den Städten Hannover, Hildesheim, Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter, so Hantel. „Aber auch im Emsland gibt es gut zu tun und im Osnabrücker Bereich.“ Oft reiche die Aktivität eines radikalen Predigers wie vor einiger Zeit in Wolfsburg für einen Anstieg der Zahl radikalisierungsgefährdeter Leute aus.

Die mit einem Sozialpädagogen, einer Sozialarbeiterin und einer islamischen Theologin ausgestattete Beratungsstelle bearbeitet Einzelfälle, berät aber auch Schulen, Jugendhilfe- und Flüchtlingseinrichtungen sowie Justizvollzugsanstalten.

Am Start der Einzelfallbetreuung stehe meistens ein telefonisches Vorgespräch. „Manchmal reicht ein Telefonat.“ Häufig schließen sich dann aber ein oder mehrere persönliche Gespräche vor Ort mit einem der Berater an. Dies entlaste betroffene Eltern und zeige ihnen Handlungsoptionen auf. Geklärt werde, wie weit die Radikalisierung fortgeschritten ist. „Je früher Eltern sich melden, desto besser.“

Immer im Blick hätten die Berater die Sicherheitsrelevanz: Wenn eine Straftat oder eine Ausreise nach Syrien vorbereitet werde, könne die Beratungsstelle im Einvernehmen mit den Eltern als Brückenbauer für einen Kontakt zur Polizei dienen. Eltern, die aus Sorge bereits den Ausweis ihres Kindes versteckt hätten, seien darüber durchaus froh.

Einen weiteren Anstieg der Beratungsanfragen verzeichnen auch das Bremer Beratungsnetzwerk kitab und das Modellprojekt jamil, die ebenfalls Prävention gegen eine islamistische Radikalisierung betreiben. Bis zur Gründung des Angebots in Niedersachsen hatten Hilfesuchende von dort sich auch an kitab gewendet.

Ebenfalls auf regen Zuspruch stößt die Präventionsstelle Politisch Motivierte Kriminalität (PPMK) im Landeskriminalamt. Das Anfang 2014 geschaffene Angebot unterstützt die Präventionsarbeit der Polizei und hat vor kurzem ein Medienpaket mit Informationen gegen Islamismus, Islamfeindlichkeit und dschihadistische Internetpropaganda erstellt. „Das hat sich bewährt“, sagte LKA-Experte Andreas Schwegel. Auf Anfrage seien bereits 1000 Exemplare des Medienpaktes etwa für die Verwendung in Schulen oder der Sozialarbeit verteilt worden.

Unterdessen unterstützt der Verfassungsschutz in Niedersachsen, bei dem die Anti-Salafismus-Stelle ursprünglich angesiedelt war, die Prävention weiter. Auf Anfrage würden Schulungen organisiert und auch die neue Präventionsstelle werde mit Informationen zur aktuellen Entwicklung versorgt, sagte Verfassungsschutz-Sprecherin Anke Klein.

dpa

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