Prozess in Hannover

Verteidigung will Mann nach Säure-Attacke in Psychiatrie schicken

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Der Angeklagte Daniel F. kommt zum Prozessauftakt in einen Gerichtssaal im Landgericht in Hannover.

Hannover  - Er wollte seine Freundin entstellen, aber nicht töten, sagt der 32-Jährige vor Gericht, der seine Freundin mit Säure übergoss. Die Verteidigung hält ihn für unzurechnungsfähig und will ihn in die Psychiatrie schicken.

Nach der verheerenden Säure-Attacke eines 32-Jährigen auf seine Ex-Freundin in Hannover will die Verteidigung eine Unterbringung in der Psychiatrie erreichen. Der Angeklagte sei seelisch krank und nur eingeschränkt oder gar nicht schuldfähig, erklärte die Verteidigung am Mittwoch am Landgericht Hannover. Nach der Schilderung eines Mithäftlings hätte der Angeklagte sein Opfer am liebsten getötet. "Ich wollte sie hässlich machen, wie sie hässlich ist im Herzen", sagte der geständige Angeklagte. Er muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Die schwer entstellte 27-Jährige saß ihm wie zu Prozessauftakt als Nebenklägerin gegenüber.

Das Opfer beim Prozessauftakt.

Noch bevor der psychiatrische Sachverständige in dem Prozess sein Gutachten vortragen konnte, beantragte die Verteidigung ein zweites psychiatrisches Gutachten mit dem Ziel, den Angeklagten für unzurechnungsfähig erklären zu lassen. Auch Gefängnis-Psychologen, die den Fitnesstrainer für impulsiv und nicht berechenbar befunden und ihm eine Persönlichkeitsstörung attestiert hatten, wollte die Verteidigung als Zeugen in dem Prozess befragen. Über diesen und andere Anträge, auch den der Befangenheit des vom Gericht bestimmten Gutachters, musste die Kammer noch entscheiden.

In seinem Geständnis zu Prozessauftakt hatte der Angeklagte geschildert, wie er der Kosmetikerin im Februar früh morgens an ihrer Wohnung aufgelauert und ihr industriellen Rohrreiniger ins Gesicht geschüttet hatte. Ihr linkes Ohr ist fast weggeätzt, ein Auge hat nur noch zehn Prozent Sehkraft, die Augenbrauen sind weg, ein Nasenloch zu und eine Gesichtshälfte schwer vernarbt.

Mithäftlinge des Angeklagten waren von der Tat nach eigenen Worten so entsetzt, dass sie dem Opfer in einem gemeinsamen Brief ihr Mitgefühl bekundeten. Auslöser war ein Zeitungsbericht mit einem Foto der entstellten Frau im Krankenhaus. "Als ich das Foto gesehen habe, wurde mir schlecht", erklärte ein Mithäftling. "Siehst du, was du mit der Frau gemacht hast?", habe er dem Angeklagten gesagt. Dieser habe erwidert, es sei ja nur das halbe Gesicht verätzt worden, es hätte das ganze sein sollen. Das Opfer, das den Prozess sonst mit großer Fassung verfolgt, brach bei diesen Schilderungen in Tränen aus.

Allerdings schilderte ein als Zeuge vom Gericht befragter Mitgefangener auch, dass der 32-Jährige nach anfänglicher Prahlerei mit seiner Tat nachdenklich geworden sei und Reue gezeigt habe. "Er hat später gesagt, ihm täte das leid." Der Angeklagte selber sagte, es sei ihm nicht darum gegangen, seine Ex-Freundin zu töten. Vielmehr habe er sich von ihr zu Unrecht beschuldigt und diskreditiert gesehen und sich deshalb zu der Attacke entschlossen.

Die Plädoyers und das Urteil in dem Prozess sind für die kommende Woche geplant. Falls noch weitere Zeugen befragt werden, könnte es zu einer Verzögerung kommen.

dpa

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