Kunstaktion zum Nachdenken

Sandabbau-Projekt auf Spiekeroog irritiert Inselgäste

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Der Konzeptkünstler Marcus Große kündigte die "Erschließung einer Sandlagerstätte" durch einen global operierenden Konzern an.

Spiekeroog - Verwirrung auf Spiekeroog: Mitten auf einem der schönsten Nordsee-Sandstrände prangt ein fettes Baustellenschild. Der global operierende Konzern "Trans Crystal" (TC) aus Abu Dhabi kündigt dort die Erschließung einer "Sandlagerstätte" an.

Ziel sei die nachhaltige Förderung von Sand - „um wirtschaftliche, ökologische und touristische Aspekte miteinander in Einklang zu bringen“. Die Ankündigung sorgt seit Tagen für Irritationen auf der ostfriesischen Urlaubsinsel mit 700 Einwohnern. Nach und nach aber lüftet sich das Rätsel.

Der Sandstrand auf Spiekeroog ist nicht in Gefahr.

Das "Bauprojekt" des fiktiven Konzerns TC ist eigentlich eine schräge Kunstaktion mit ernstem Hintergrund. Der Potsdamer Konzeptkünstler Marcus Große will mit der provokanten Kampagne einen kritischen Blick auf die Nutzung des Rohstoffes Sand lenken. Große hatte von einem Dokumentarfilm gehört, der sich mit den globalen Folgen des Sandabbaus beschäftigt.

„Alle brauchen Sand, vor allem boomende Wachstumszentren in der ganzen Welt haben einen unstillbaren Hunger nach ihm“, sagte der 39-Jährige. Sand sei unverzichtbarer Grundstoff für Beton und somit Fundament für eine kapitalistische Baupraxis.

Absurderweise eigne sich Wüstensand jedoch nicht für die Betonverarbeitung. Daher müssten die Vereinigten Arabischen Emirate große Mengen importieren - „und demnächst auch aus Spiekeroog“, so die vom Künstler ausgedachte Konzernplanung. In Afrika und Metropol-Regionen wie Singapur sei der Abbau großer Sandmengen tatsächlich ein Problem, bestätigte der Wirtschaftsgeologe Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover.

Nordsee-Sand nicht in Gefahr

Weltweite Zahlen zur Sandproduktion gebe es nicht, sondern nur Schätzungen. Der Experte für heimische Rohstoffe gibt jedoch Entwarnung für Sand von Nordseestränden: „Der ist zu salzhaltig.“

Auf der Insel Spiekeroog lieferte die Kunstaktion jedenfalls seit Tagen viel Gesprächsstoff. Bürgermeister Matthias Piszczan (CDU) fühlte sich erstmal überrumpelt, als er nach seinem Urlaub das Baustellenschild und eine abgesperrte Fläche am Strand sah. „Die Gemeinde ist nicht begeistert, das Ganze ist etwas aus dem Ruder gelaufen“, sorgte er sich zum Ferienstart in Niedersachsen um ausbleibende Urlauber.

„Das Ganze wird hier durchaus kontrovers diskutiert“, freute sich dagegen Spiekeroogs Kulturchef Ruben Franz. Unterschiedliche Reaktionen erlebte bisher auch der Künstler selbst vor seiner Aktionsfläche am Strand. „Ein paar Urlauber dachten erst, hier geht es um Stellplätze für Strandkörbe“, erzählte Große. Andere seien entrüstet über den geplanten Raubbau an der Natur. Jedenfalls rege das Thema zum Nachdenken an.

„Auf Spiekeroog ist so viel heile Welt, dass es davon getrost etwas abgeben kann“, sagte Große treuherzig, „nicht viel, nur ein wenig Sand.“

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