Osnabrück bündelt Angebot

Letzte Ruhe für Sternenkinder

+
Totgeborene Kinder, mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm, sind rechtlich nicht bestattungspflichtig. Drei Kirchengemeinden haben gemeinsam die Einrichtung einer Gemeinschaftsgrabanlage für ganz kleine Kinder auf dem Friedhof Haste unterstützt.

Osnabrück - Von Marie-Luise Braun. Eltern, die ein ganz kleines Kind verloren haben, können wählen, wie sie es beisetzen wollen. Das wissen viele Betroffene aber überhaupt nicht. Dabei können Eltern den Bestattungsanspruch sogar einklagen.

Es ist ein Wort, das für große Trauer und Verlust steht: Sternenkinder. So werden Kinder genannt, die weniger als 500 Gramm wiegen und vor, während oder nach der Geburt sterben. Die Eltern finden inzwischen Orte, um ihre Kinder zu betrauern.

Eva Güse, Abteilungsleiterin Friedhöfe und Bestattungswesen bei der Stadt Osnabrück, hat mit Hebammen, Klinikseelsorgern, Ärzten und Hospizmitarbeitern eine Broschüre über Möglichkeiten der Beisetzung von Kindern entwickelt. Zudem hat sie in Kliniken das medizinische Personal über die unterschiedlichen Möglichkeiten einer Beisetzung von Sternenkindern aufgeklärt. Denn: „Das ist noch nicht Bestandteil der Ausbildung.“

Aktuell können betroffene Eltern zwischen verschiedenen Beisetzungen wählen: Sie können ihr Sternenkind im Familiengrab beisetzen oder in einem Kindergrab. Oder sie können es der Klinik überlassen, die für eine würdige Bestattung sorgen muss. So gibt es in vielen Städten zweimal jährlich gemeinschaftliche, ökumenische Trauerfeiern. Die Eltern können ihr Kind auch in einer Gemeinschaftsgrabstelle beisetzen lassen, die es in vielen Städten Deutschlands gibt. So auch in Osnabrück.

Doch einfach ist es deshalb noch immer nicht geworden: Die ganz kleinen Kinder, die vor, während oder nach der Geburt sterben, werden nicht im Personenstandsregister beurkundet. Oder kurz gesagt: Fehlgeburten gelten nicht als Personen. Es besteht keine Bestattungspflicht, wobei das Bestattungswesen in den 16 Bundesländern im Detail unterschiedlich geregelt ist. Allerdings gibt es inzwischen einen Bestattungsanspruch, den Eltern einklagen können: Dieser geht zurück auf das Änderungsgesetz zum Personenstandsrecht. Demnach können Eltern seit Mai 2013 eine beurkundete Bescheinigung beim Standesamt für ihr totes Kind beantragen. Eine Personenstandsurkunde ist das allerdings nicht.

Schätzungen zufolge gibt es bundesweit jährlich zwischen 100 000 und 200 000 Fehlgeburten. Anders als bei Totgeburten - das sind Föten über 500 Gramm - besteht keine Meldepflicht. Die Anzahl der Kinder, die mit weniger als 500 Gramm lebend zur Welt kommen und dann sterben, ist nicht bekannt.

Der Umgang mit verstorbenen Kindern habe sich in den vergangenen Jahrhunderten stark verändert, sagt Gerold Eppler, stellvertretender Direktor des Kasseler Museums für Sepulkralkultur: Kinder bestimmten heute in den meisten Familien über Jahrzehnte den Lebensentwurf. Sie würden - dank der Empfängnisverhütung - bewusster geplant: „Das bricht beim Tod des Kindes völlig zusammen“, sagt Eppler. Entsprechend groß sei die Trauer.

Zumal heute kaum jemand mehr damit rechne, ein Kind nach den ersten drei Schwangerschaftsmonaten zu verlieren, sagt Jan Salzmann vom Beirat der Initiative Regenbogen, dem Dachverband der Selbsthilfegruppen für Eltern, die ihre ganz kleiner Kinder verloren haben: „Wie groß die Trauer ist, kommt auch darauf an, ob es eine frühe Schwangerschaft war und wie stark die Bindung der Eltern an das Kind bereits gewesen ist.“

Ein weiteres Problem ist, dass zahlreiche Eltern nichts von ihren Möglichkeiten wissen. Dabei geben die Gesetze einiger Bundesländer die Aufklärung der Betroffenen vor, beispielsweise in Berlin, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. In Niedersachsen besteht diese Pflicht laut Bestattungsgesetz nur, wenn „die Trennung von Kind und Mutter in Gegenwart eines Arztes/Ärztin oder in einer medizinischen Einrichtung erfolgt ist“.

In Osnabrück hat der Künstler Dominikus Witte das Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof Osnabrück-Haste gestaltet. Er hoffe aber, dass nur wenig Eltern in die Lage kommen, das Grab des Friedhofes in Osnabrück-Haste zu nutzen, sagt er. „Für möglichst viele Betroffene aber soll es ein Ort sein, der Trost gibt.“

Der Bildhauer hat zwei Steinkörbe geschaffen, die der kleinen Rasenfläche des Friedhofs in Haste einen würdigen Rahmen geben. Einen hat er mit hellen Natursteinen und sieben roten Kugeln gefüllt; den anderen mit dunkelblauem Glasbruch und zwölf goldenen Kugeln. Die Deutung überlässt er den Trauernden: Als Symbole für Tag und Nacht, die Sternzeichen, die zwölf Apostel, die sieben Tage einer Woche oder Blutstropfen.

dpa

Erdloch verschluckt mehrere Autos in Innenstadt von Florenz

Erdloch verschluckt mehrere Autos in Innenstadt von Florenz

Löw muss umplanen: Hummels und Reus verletzt

Löw muss umplanen: Hummels und Reus verletzt

Bilder: Das DFB-Team im Trainingslager in Ascona

Bilder: Das DFB-Team im Trainingslager in Ascona

200 Meter langes Erdloch: Autos in Florenz sacken in Krater

200 Meter langes Erdloch: Autos in Florenz sacken in Krater

Meistgelesene Artikel

Panik nach technischer Störung in überfülltem Zug

Panik nach technischer Störung in überfülltem Zug

Mann zündet Ehefrau an und kommt dafür lebenslang in Haft

Mann zündet Ehefrau an und kommt dafür lebenslang in Haft

Tödlicher Unfall auf der A1: Tanklaster rast in Lkw

Tödlicher Unfall auf der A1: Tanklaster rast in Lkw

Feinkosthersteller Homann ruft Produkte zurück

Feinkosthersteller Homann ruft Produkte zurück

Kommentare