Christoph Rickels wurde vor neun Jahren fast totgeprügelt

Opfer redet Tätern ins Gewissen

Setzt sich aktiv gegen Gewalt ein: Christoph Rickels erzählt seine Geschichte jungen Menschen und spricht sich dabei für ein friedliches Miteinander aus. - Foto: Vonstein

Vechta - Von Simon Vonstein. Mehr als neun Jahre ist es her, dass sich Christoph Rickels‘ Leben von einem auf den anderen Moment grundlegend veränderte. Als die jungen Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt Vechta den Raum betreten, begrüßt er sie mit einem freundlichen „Moin“. Der 29-Jährige lebt in Friedeburg bei Aurich und ist nach Vechta gekommen, um den jungen Gewalttätern die Folgen ihres Handelns vor Augen zu führen.

Er beschreibt sein damaliges Ich als „Rampensau, die gerne feiern ging und viel Musik und Sport machte“. Der junge Mann wollte nach der Schule zu den Feldjägern der Bundeswehr gehen und deshalb in der Heimat Aurich in einer Disco seinen Abschied feiern. Als er das Gebäude verließ, wurde er unvermittelt niedergeschlagen, fiel für vier Monate ins Koma und ist seitdem halbseitig spastisch gelähmt sowie sprachbehindert.

Während Rickels seine Geschichte erzählt, herrscht unter den Zuhörern Stille. Hin und wieder gibt es Gelächter, weil sich Rickels seinen Humor bewahrt hat. Als er sich seinem Leben als 20-Jähriger widmet, erzählt er, dass er damals cool habe wirken wollen und auch selber hin und wieder ausgeteilt habe, wenn es zu Rangeleien kam. Sein Verhalten von damals sehe er heute oft in Musikvideos von Rappern, deren Texte und Posen vor Aggression strotzten. Rickels kommentiert das mit den Worten „Schlägeraffen sind einfach nur dumm“. Neben seiner Geschichte sind es seine lässige Art, sich auszudrücken und sein Lachen, das die Inhaftierten in ihren Bann zieht.

„Für seine Ziele muss man kämpfen“

Nach der Attacke musste Rickels alles neu erlernen. Doch schnell setzte er sich Ziele. „Für seine Ziele muss man kämpfen“, sagt er. Und Rickels kämpfte. Er lernte, wieder zu laufen und zu sprechen. Und er sorgte dafür, dass sein Fall bekannt wurde. Um ein friedliches Miteinander zu propagieren, gründete er „First Togetherness“. Mit der Initiative engagiert er sich für Gewaltprävention, indem er jungen Menschen schildert, wie ein einziger Schlag ein „Menschenleben kaputt macht“, wie er sagt.

Viel Energie steckte er in dieses Vorhaben. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Stolz zeigt er den Häftlingen den Mitschnitt einer RTL-Sendung, in der er seinen Fall schilderte. Weitere Medien berichteten über ihn. Rickels begann, in Schulen und Haftanstalten über sein Leben zu reden. Für dieses Engagement wurde er 2015 von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Justizminister Heiko Maas (SPD) als Botschafter für Integration und Toleranz ausgezeichnet.

Bei der Preisverleihung einer TV-Zeitschrift geschah dann das, was Rickels als „Jackpot“ bezeichnet. Auf der Bühne gelang es ihm, Moderator Jörg Pilawa als Produzenten für ein Video über sich und sein Leben zu gewinnen. Musikerin Yvonne Catterfeld und diverse anwesende Schauspieler erklärten sich spontan dazu bereit, Rickels bei dem Vorhaben zu unterstützen. In dem Video ist auch ein Lied zu hören, das der junge Mann eine Woche vor der Attacke aufgenommen hat. Es klingt heute wie eine Prophezeiung dessen, was ihm bevorstand. Besonders wird dies durch die Zeile „ein Mensch wie er einst mal war, ist in dieser Sekunde nicht mehr da“ deutlich.

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