Große regionale Unterschiede

Süße Beute - Langfinger auf niedersächsischen Obstplantagen

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Obstbauer Hein Lühs aus dem Alten Land bietet in Jork (Niedersachsen) Naschkarten an. Damit können Besucher auf seiner Plantage Kirschen, Pflaumen und Zwetschgen naschen. So soll auch der Obstklau eingeschränkt werden.

Hannover - Von Berit Böhme. Sommerzeit ist Obstzeit. Doch nicht mit allen Verbrauchern ist gut Kirschen essen. Manche bedienen sich auf den Feldern und Plantagen, ohne zu bezahlen. Dabei sind einige Obstsorten bei den Dieben besonders beliebt. 

Die einen schlüpfen nachts durch den Zaun aufs Heidelbeerfeld, die anderen füllen ihre Taschen heimlich mit Kirschen und Zwetschgen. Langfinger machen auch vor den Obst- und Gemüseplantagen in Niedersachsen nicht halt. „Wenn, dann klauen die Leute für den Hausgebrauch“, vermutet Christina Badenhop, Sprecherin des Bundes deutscher Heidelbeeranbauer. 

Auf ihrem Hof schneiden immer mal wieder Menschen Zäune auf, um auf die Felder zu kommen. „Ärgerlich ist der Schaden, der drumherum entsteht.“ Denn das Flicken der demolierten Zäune kostet Zeit und Geld. Mancher Blaubeerdieb begnügt sich außerdem nicht nur mit den Beeren, sondern nimmt gleich ganze Sträucher mit. „Es dauert sechs Jahre, bis die überhaupt tragen“, sagt Badenhop seufzend. Viele Landwirte versuchen sich deshalb zu schützen, doch das ist schwierig. 

Familie Hahne hat Obstplantagen in Laatzen südlich von Hannover. Dort wachsen unter anderem Kirschen, Äpfel, Pflaumen, Birnen und Beeren. Bevorzugtes Diebesgut seien Kirschen und Beeren, meint Christine Hahne. „Äpfel muss man erstmal wegkriegen.“ Früher seien Banden gekommen, jetzt eher Einzeltäter. Die Erfahrungen mit der Polizei seien nicht so gut. „Für die ist das nichts Schlimmes, wenn einer fünf Kilo Früchte klaut.“

Einzäunen hilft nicht immer 

Die Familie hat ihre Plantagen deshalb eingezäunt. Und schon so einiges ausprobiert, inklusive Privatdetektiv und Schreckschuss. Ein paar Maßnahmen zeigen Wirkung. Etwa die Verlegung der Beerenfelder in Hofnähe. Zudem wurde das Selbstpflück-Angebot eingestellt. Auch um das Auskundschaften zu erschweren. 

Doch nicht alle Regionen sind gleichermaßen betroffen. Familie Cordes in Bülstedt (Kreis Rotenburg) baut unter anderem Spargel, Erdbeeren und Heidelbeeren an. „Diebstahl hatten wir noch nie“, heißt es dort. Diebe seien kein Problem, meint auch Fred Eickhorst von der Vereinigung der Spargelanbauer in Niedersachsen. Er hat in dieser Saison nur von einem betroffenen Hof gehört. 

Auch Kartoffeln scheinen die Feld-Diebe kalt zu lassen. "Auf dem Feld wird nicht geklaut", sagt Jürgen Brüning, der in Grasberg bei Bremen Kartoffeln und Zwiebeln anbaut. Die Selbstbedienung am Straßenrand hat die Familie allerdings wegen zu vieler Nichtzahler eingestellt. 

Auch im Alten Land sei das Thema insgesamt unproblematisch, meint Hein Lühs, der dort Bio-Früchte anbaut. Er erwischt dennoch Einzelne, etwa beim Einstecken des Fallobstes. „Das ist nicht richtig.“ Denn Lühs und seine Mitarbeiter verarbeiten es zu Apfelsaft. 

Ihn ärgert es vor allem, wenn Erwachsene in Gegenwart ihrer Kinder stehlen. „Es muss niemand etwas klauen“, sagt Lühs. Seit vier Jahren gibt der Hofladen neben den klassischen Pflück- auch Naschkarten aus. Die gelten für Kirschen, Pflaumen und Zwetschgen. 

„Viele wollen gar nicht pflücken, manche wollen nur essen. Das macht vielen jungen Familien extrem viel Freude.“ Dabei werde auch so manche alte Kirschsorte entdeckt. Zudem wachse die Wertschätzung für die Arbeit eines Bauern.

dpa

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