Neue Projekte sollen helfen

Hilfsdienste beklagen wachsende Medizinprobleme bei Wohnungslosen

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In einer Straßenambulanz der Caritas in Hannover kümmern sich Ärzte und Helfer ehrenamtlich um Bedürftige.

Osnabrück/Hannover - Zunehmende Probleme bei der medizinischen Versorgung wohnungsloser Menschen beklagen kirchliche Hilfsdienste in Niedersachsen. Betroffene würden immer älter und ihrer Versorgung immer schlechter, sagte der Referent der von Caritas und Diakonie betriebenen Zentralen Beratungsstelle Niedersachsen, Ulrich Friedrichs, am Donnerstag in Osnabrück.

Die Straßenambulanz der Caritas in Hannover, die landesweit einzige Einrichtung ihrer Art, behandelt in ihrer Sprechstunde zunehmend EU-Arbeitsmigranten aus Osteuropa, die gemeinsam mit ihren Kindern ohne Krankenversicherung dastehen. Aber auch die wachsende Altersarmut treibe Menschen in die Ambulanz, die Zuzahlungen für Medikamente nicht zahlen können, sagte Hannovers Caritas-Vorstand Andreas Schubert am Donnerstag.

Offizielle Daten zur Zahl der Wohnungs- und Obdachlosen gibt es in Niedersachsen ebenso wenig wie im Rest von Deutschland. In ihrer jüngsten Statistik für 2014 führt die Zentrale Beratungsstelle 16.078 Besucher in den Tagesaufenthalten auf, 1365 nahmen ambulante Hilfen in Anspruch und 447 wurden in stationäre Einrichtungen aufgenommen. Von den Obdachlosen, die ambulante Hilfen nutzten, waren 84,9 Prozent Männer, 27 Prozent waren älter als 50 Jahre und 2,8 Prozent hatten keinen deutschen Pass. Im ersten Halbjahr 2016 hätten erstmals auch verstärkt Flüchtlinge in den Tagesaufenthalten für Obdachlose Hilfe gesucht.

Zwei neue Hilfsmodelle für Obdachlose in Planung

In der Landeshauptstadt schätzte die Caritas die Zahl der Obdachlosen 2015 auf 400 und die der Menschen ohne eigene Wohnung auf 4000, ein Viertel mehr als im Vorjahr.

Die Zentrale Beratungsstelle, die seit über 30 Jahren im Auftrag des Sozialministeriums Hilfsangebote koordiniert und weiterentwickelt, erarbeitet gerade zwei neue Hilfsmodelle für Obdachlose. In Bersenbrück (Kreis Osnabrück) soll eine Krankenwohnung entstehen, in der Obdachlose zu Kräften kommen können, die eine schwerere Erkrankung überwinden müssen. Denn aus dem Krankenhaus werden sie oft so schnell wie möglich wieder entlassen. Ein Altenheim für Obdachlose soll in Meppen geschaffen werden.

Der Wille, die wachsenden medizinischen Probleme Wohnungsloser anzugehen, sei bei Land und Kommunen unterschiedlich stark ausgeprägt, sagte Friedrichs. "Das Sozialministerium sieht die Probleme sehr wohl, weiß, was sich ändern muss und will Wege ebnen." Bei den Kommunen sei dies aber sehr unterschiedlich, manche befürchteten, dass gute Hilfsangebote wie ein Magnet auf Obdachlose wirken könnten.

Deren Probleme hängen oft mit dem Leben unter freiem Himmel und schlechter Ernährung zusammen, wie die Caritas in Hannover berichtet. Zu akuten Verletztungen und Entzündungen oft an den Füßen kämen Herz-Kreislauf-Probleme, ein geschwächtes Immunsystem und chronische Krankheiten. Da viele oft jahrelang nicht zum Arzt gingen, sei der Versorgungsbedarf groß.

dpa

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