Anpassungsstrategien entwickeln

Nordländer wollen beim Küstenschutz stärker zusammenarbeiten

Hannover - Der Klimawandel lässt sich zwar bremsen, aber nicht stoppen. Deshalb müssen Anpassungsstrategien entwickelt werden. Niedersachsen und die anderen Küstenländer wollen beispielsweise gemeinsam Notfallpläne für Hochwasser-Ereignisse entwickeln.

Die norddeutschen Länder wollen beim Küstenschutz und anderen Herausforderungen des Klimawandels stärker zusammenarbeiten. "Wir können gemeinsam mehr erreichen, dasselbe erwarten wir auch von der Bundesregierung - Teamspiel", sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel am Mittwoch bei der vierten Regionalkonferenz zum Klimawandel in Norddeutschland. Schon jetzt seien zunehmende Belastungen durch Extremwetter, Hochwasser, Starkregen sowie längere Trockenperioden spürbar, sagte der Grünen-Politiker in Hannover.

Die Regionalkonferenz wurde vom Bund, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Hamburg und erstmals auch Berlin veranstaltet. Die mehr als 300 Teilnehmer diskutierten über unterschiedliche Aspekte wie die Effekte der globalen Erwärmung auf Küste und Wattenmeer, auf die Landwirtschaft, die Gesundheit sowie auf den Tourismus. Modellrechnungen zufolge ist im Norden in den nächsten 100 Jahren ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um etwa drei Grad zu erwarten.

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, sagte: "Die Anpassung an den Klimawandel wird jetzt eine Daueraufgabe und damit ein Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge." Flasbarth verließ die Konferenz vorzeitig in Richtung Berlin - offensichtlich weil Bewegung in den Koalitionsstreit um den Klimaschutzplan 2050 gekommen war.

Weil sich der Klimawandel nur bremsen, aber nicht stoppen lässt, sind Anpassungsstrategien notwendig. Hamburg habe keinen Platz für höhere Deiche, sagte Umweltsenator Jan Kerstan. "Dass Klimaschutz erfolgreich ist, ist eine existenzielle Frage für Hamburg." Sonst sei irgendwann ein Drittel des Stadtgebietes nicht mehr zu halten. Um gemeinsam Lösungen zu finden, sei beispielsweise das Tideelbe-Forum gegründet worden.

Bremens Umweltsenator Joachim Lohse betonte: "Schon heute werden die Deiche gegenüber dem zukünftigen Meeresspiegelanstieg ertüchtigt." Die Zusammenarbeit mit Niedersachsen beim Küstenschutz funktioniere gut. Die Nordländer wollen jetzt verstärkt an gemeinsamen Notfallplänen arbeiten, um etwa bei überregionalen Hochwasser-Ereignissen schneller reagieren zu können.

In Niedersachsen gibt es seit Mai 2015 einen Runden Tisch Energiewende mit Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden. Ziel ist, im kommenden Jahr ein niedersächsisches Klimagesetz zu verabschieden. Ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz sei der Schutz der Moore als Kohlenstoffspeicher, betonte Umweltminister Wenzel. In Niedersachsen liegen rund 70 Prozent der Hochmoore Deutschlands.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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