Niedersachsens Häfen legen zu - JadeWeserPort könnte wachsen

Wilhelmshaven - Trotz Dellen in der Weltwirtschaft hatten Niedersachsens Seehäfen 2015 gut zu tun. Sie legten beim Umschlag zu. Nach schleppendem Start des JadeWeserPorts werden Pläne für den Ausbau konkreter.

Gegen den Trend haben die niedersächsischen Seehäfen 2015 beim Umschlag deutlich um 12 Prozent zugelegt. Die neun Seehäfen hätten 52 Millionen Tonnen (Vorjahr: 46,4) umgeschlagen, teilte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) am Montag in Wilhelmshaven mit. Dort habe sich besonders der Containerterminal gesteigert und 427 000 Standardcontainer (TEU) abgefertigt (2014: 67 000 TEU). Deutschlands einziger Tiefwasserhafen liegt zwar immer noch deutlich hinter früheren Erwartungen zurück. Das 2012 eröffnete Gemeinschaftsprojekt von Niedersachsen und Bremen ist für 2,7 Millionen TEU konzipiert und kam bisher nur schleppend in Gang.

Lies verwies jedoch auf eine neue Studie des Bremer Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL), wonach ein Ausbau technisch und rechtlich machbar wäre. Dies könne mittelfristig auch sinnvoll sein, wenn es am JadeWeserPort erkennbar mehr Umschlag gebe. Wenn die Grenze von einer Million TEU überschritten werde, sollten die Planungen weiter vorangetrieben werden. Mit der Globalisierung erwartet Lies weiter größere Containerschiffe und damit Chancen für ganz Norddeutschland. Nach der Studie werde Wilhelmshaven 2027 an seine Kapazitätsgrenze stoßen. Der Ausbau um knapp zwei Kilometer Länge mit geschätzten Kosten von 600 Millionen Euro könne jedoch nur ein nationales Projekt sein. „Es macht Sinn, das gemeinsam mit Bremen und Hamburg zu denken“, sagte der Minister.

Die norddeutschen Häfen sollten sich daher untereinander keine Ladung abjagen, sagte Lies weiter. Sein Ziel heiße: „Wir wollen mehr Container für Deutschland. Der bedeutendste Hafen für Niedersachsen ist Hamburg“, sagte der Minister mit Blick auf die Bedeutung Hamburgs für Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft im Norden. Es gebe jedoch europaweit nirgends so große Erweiterungsflächen wie am JadeWeserPort in Wilhelmshaven. Mehr Hafenkooperation forderte auch Herbert Behrens als Obmann der Linksfraktion im Verkehrsausschuss des Bundestages. Dadurch könnten Milliarden an Investitionen eingespart werden und Flussvertiefungen entfallen.

Die norddeutschen Seehäfen kämpften jedoch immer noch um die gleichen Containerschiffe. Der rasante Aufstieg beim Umschlag in Wilhelmshaven sei eine Folge der katastrophalen Unterauslastung der vergangenen Jahre. Behrens schlug eine unabhängige Dienststelle vor, um Schiffe nach Größe, Tiefgang und Ladung auf die Häfen zu verteilen. Die Ergebnisse der Umschlagsbilanz 2015 in den einzelnen Häfen:

WILHELMSHAVEN: Neben Containern legte der Hafen an der Jade auch bei Massengütern und Stückgut zu und erreichte insgesamt ein Plus von 20 Prozent. PAPENBURG: Der Hafen im Hinterland der Ems kam mit 587 000 Tonnen auf ein Wachstum von 19 Prozent. LEER: Kombinierter See- und Binnenverkehr brachte ein deutlich besseres Ergebnis mit 5,8 Millionen Tonnen (2014: 5,5). EMDEN: Einen Spitzenwert beim Umschlag von Neuwagen erreichte der Hafen an der Emsmündung mit 1,4 Millionen Fahrzeugen. Das Gesamtumschlagsvolumen ging dagegen mit 4,3 Millionen Tonnen leicht um zwei Prozent zurück.

BRAKE: An der Unterweser lag der Zuwachs bei sieben Prozent. Dort werden vor allem Stahl- und Forstprodukte sowie Getreide verschifft.

NORDENHAM: Mehr Kohle und Mineralölprodukte führten zu einem Wachstum von zwei Prozent auf knapp 2,7 Millionen Tonnen.

CUXHAVEN: Mit Fahrzeugen und Offshore-Komponenten verfehlte der Hafen an der Elbe mit 2,6 Millionen Tonnen knapp das Vorjahresergebnis. STADE: Mehr Umschlag bei chemischen Produkten brachten einen Zuwachs um zwei Prozent auf 5,8 Millionen Tonnen.

OLDENBURG: Der Hafen kam mit einer Millionen Tonnen auf ein leichtes Minus. Ein Grund war die Verlagerung von Transporten auf die Straße wegen des niedrigen Dieselpreises.
dpa

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