7,6 Hektar genehmigt

Niedersachsen wird offiziell Weinanbaugebiet

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Hannover - Das norddeutsche Flächenland Niedersachsen hat erstmals Weinbaurechte erhalten und wird damit formal zum Weinanbaugebiet. Die zuständige Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) genehmigte zehn Antragstellern insgesamt rund 7,6 Hektar für Rebpflanzungen, teilte das zuständige Agrarministerium am Dienstag in Hannover mit.

Eine geschützte Ursprungsbezeichnung wie etwa beim Champagner ist damit jedoch nicht verbunden, stellte das Bundeslandwirtschaftsministerium klar.

Bislang gingen diese Weinbaurechte überwiegend nach Süddeutschland. Die neuen Weinbauflächen befinden sich in den Landkreisen Göttingen, Landkreis Lüneburg, Landkreis Oldenburg, Landkreis Schaumburg, Region Hannover, Landkreis Ammerland, Landkreis Osnabrück und Landkreis Friesland. 

Frank Schulz vom Deutschen Weininstitut ist fasziniert von dieser Nachricht. "Ich könnte mir wegen der kühlen Nächte den Anbau von Riesling dort vorstellen, aber auch Silvaner", sagt er. Zehn hoffnungsfrohe niedersächsische Neuwinzer haben jetzt drei Jahre Zeit, zwischen Heide, Harz und Nordseeküste auf Grundstücken Rebpflanzungen anzulegen. „Niedersachsen wäre damit formal Deutschlands 14. Anbaugebiet“, sagt Schulz. 

Vergleichsweise kleine Fläche

Nun sind auch Steillagen im Harz oder im Weserbergland denkbar - wenn auch mit insgesamt 76.000 Quadratmetern, das entspricht etwa der Größe von 15 Fußballfeldern, zunächst auf vergleichsweise kleiner Fläche. Auch die Zahl der niedersächsischen Neuwinzer ist angesichts von bundesweit 48.000 Weinbetrieben, davon 20.000 im Vollerwerb, eher gering.

Dennoch wertet das Agrarministerium in Hannover die Nachricht als Erfolg. „Es wurde höchste Zeit, das Nord-Süd-Gefälle beim Weinbau in Deutschland abzumildern", sagt Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer. Der Grünen-Politiker freut sich auf die Aromen-Offenbarung im niedersächsischen Weinglas: „Ich bin gespannt auf die ersten edlen Tropfen aus der Region."

Klimawandel und EU-Regelung machen es möglich

Im klassischen Agrarland Niedersachsen wurde der Traum von möglichen Top-Gewächsen durch den Klimawandel und durch eine neue EU-Regelung ermöglicht. Denn der Anbau der Reben und die Verarbeitung der Trauben für erwerbsmäßige Zwecke sind - anders als bei Hobbywinzern - streng reglementiert und kontrolliert. Hobbymäßig durften auch bisher schon bis zu 99 Rebstöcke angebaut werden. Im Hildesheimer bischöflichen Weinberg etwa gibt es mitten in der Innenstadt so eine Anbaufläche - die Lese ergab im Schnitt um die 300 Flaschen.

Teilzeit-Winzer tummeln sich auch anderswo, bei Oldenburg etwa hoben sie eine „Norddeutsche Weinstraße" aus der Taufe, die entlang von Bremen, Hamburg und Hitzacker bis nach Mecklenburg-Vorpommern führt. Im Fachwerk-Städtchen Hitzacker an der Elbe wird seit 1980 wieder Wein hergestellt, auch auf Sylt und bei Kiel gibt es schon Weingüter, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gelten ebenfalls als Anbaugebiet für Landweine. In Dänemark, Teilen Englands und Skandinavien gibt es ähnliche Versuche - nur in Holland macht die Staunässe alle Ansätze zunichte.

Solche Probleme sind in Burgdorf bei Hannover nicht zu erwarten, denn auch Spargel und Kartoffeln, die dort traditionell auf dem sandigen Boden angebaut werden, vertragen keine Staunässe. Drei Jahre haben Neuwinzer dort nun auf der angemeldeten neuen Anbaufläche Zeit, Rebstöcke zu pflanzen - danach könnten die Stöcke richtige Trauben produzieren. „Die Weinrebe ist an sich ein sehr robustes Gewächs, das auch mit widrigsten Böden umgehen kann", sagt Frank Schulz vom Deutschen Weininstitut. „Ich bin selber gespannt, wie das funktionieren wird."

dpa

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