Trio erbeutete rund 380.000 Euro

RAF-Terroristen sollen noch mehr Überfälle begangen haben

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Burkhard Garweg, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette sollen in Niedersachsen mehr Raubüberfälle verübt als bisher bekannt.

Hannover - Seit einigen Monaten fahndet die niedersächsische Polizei nach drei mutmaßlichen früheren RAF-Terroristen. Jetzt verdichten sich die Hinweise, dass sich das Trio schon seit Jahren auf einem Raubzug durch das Bundesland befindet.

Drei mutmaßlichen Ex-RAF-Terroristen haben in Niedersachsen womöglich mehr Raubüberfälle verübt als bisher bekannt. Das berichteten "Zeit online" und "Der Spiegel" am Freitag.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur könnten Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette mindestens sechs Taten begangen haben. Fahnder halten sogar eine noch deutlich höhere Zahl für möglich. "Wir prüfen, ob zwischen mehreren Raubüberfällen ein Zusammenhang besteht", sagte der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Verden, Markus Heusler.

"Der Spiegel" berichtete, das Trio habe insgesamt rund 380.000 Euro erbeutet. Allein bei einem Überfall auf einen Einkaufsmarkt in Northeim im Oktober 2015 seien den Tätern knapp 70.000 Euro in die Hände gefallen. Laut "Zeit online" soll ein weiterer bisher nicht bekannter Tatort Stade sein. Dort sollen Staub und Garweg Ende 2012 bei einem Supermarkraub mehrere Tausend Euro erbeutet haben. Nach "Spiegel"-Informationen wird außerdem untersucht, ob das Trio für einen Überfall 2014 in Elmshorn, einen Supermarktraub 2011 in Celle und eine weitere Tat im Raum Osnabrück verantwortlich ist.

Zwei Taten sind es mindestens

Bisher wurden den mutmaßlichen Terroristen nur zwei gescheiterte Überfälle auf Geldtransporter 2015 in Stuhr und im Dezember in Wolfsburg sicher zugeordnet. Außerdem hegt die Staatsanwaltschaft Hildesheim den Verdacht, dass die drei einen ebenfalls gescheiterten Überfall auf einen Geldboten Anfang Mai dieses Jahres in Hildesheim verübten. "Die Spurenauswertung ist aber noch nicht abgeschlossen", sagte die Sprecherin der dortigen Staatsanwaltschaft, Christina Pannek.

Staub, Garweg und Klette werden der dritten RAF-Generation zugerechnet. Sie werden seit den 1990-er Jahren unter anderem wegen eines Anschlags auf die JVA Weiterstadt in Hessen per Haftbefehl gesucht. Nachdem es jahrelang keine Spur von dem Trio gab, stellte die Polizei nach dem Überfall in Stuhr im vergangenen Jahr DNA-Material sicher, das sie den drei Gesuchten zuordnen konnte.

Bei Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Überfall auf den Einkaufsmarkt in Northeim im vergangenen Oktober fiel einem Kriminalbeamten auf, dass es Übereinstimmungen mit anderen Überfällen gab. Aus Ermittlerkreisen hieß es dazu, es gebe Parallelen zu einer ganzen Reihe anderer Taten, die den Verdacht nahe legten, dass Staub, Garweg und Klette auch für diese Überfälle verantwortlich seien. Das Trio versuche mit den Taten offensichtlich immer wieder, sich Geld für den Lebensunterhalt zu beschaffen.

Laut "Zeit online" bewegten sich die mutmaßlichen Ex-RAF-Terroristen dabei mit dem öffentlichen Nahverkehr durch Niedersachsen, um an verschiedenen Orten Fluchtfahrzeuge zu kaufen. Um auf die Spur der drei zu kommen, befragten Fahnder des niedersächsischen Landeskriminalamtes unter anderem mehrere Tausend Autohändler.

Dabei stießen sie offensichtlich auch auf den Händler, der dem Trio das Northeimer Fluchtauto verkauft hatte, das kurz nach dem Überfall brennend in einem Waldstück entdeckt worden war. Der Händler soll Staub, Garweg und Klette anhand aktueller Bilder identifiziert haben, die Polizei jüngst veröffentlichte.

Zum aktuellen Stand der Ermittlungen machte das Landeskriminalamt in Hannover keine Angaben. "Ich kann nur bestätigen, dass das LKA die Zielfahndung nach den drei Gesuchten mit sehr hohem Engagement und aller Konsequenz betreibt", sagte Sprecher Frank Federau.

Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass sich das Trio bisweilen auch in den Niederlanden aufhält. Die Suche wurde dorthin ausgedehnt. Im holländischen Fernsehen wurde ein Fahndungsaufruf ausgestrahlt.

dpa

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