Viele Vorschriften für die Sicherheit

Ammerland überpinselt Zebrastreifen

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Bad Zwischenahn - Ein Eimer weißer Farbe und ein Pinsel waren früher alles, was man für einen Zebrastreifen brauchte. Heute ist das anders.

Eine im Beamtendeutsch R-FGÜ genannte Verordnung macht Zebrastreifen zu ausgeklügelten Systemen - mit Markierungen auf der Straße, einer Mindest-Streifenbreite, Schildern über der Fahrbahn, abgesenktem Bürgersteig für Rollstuhlfahrer, Auffindstreifen für Blinde und ausreichend Beleuchtung. Längst nicht alle Städte rüsten die Zebrastreifen entsprechend nach.

Ohne Vorgaben gibt es nur eine Scheinsicherheit

Manche überpinseln sie lieber, etwa im Ammerland. „Unsere Angst ist, dass die Kommunen sagen: Brauchen wir den Zebrastreifen wirklich, oder können wir das Geld lieber für etwas Anderes verwenden?", sagt Stefan Lieb vom Fachverband Fußverkehr. Die Verwaltungsvorschrift, die Lage und Ausstattung von Zebrastreifen regelt, sei zwar schon ein paar Jahre alt. Aber erst jetzt überprüften die Kommunen, ob sie die Normen wirklich einhalten. 

Für den Verband Fuss ist klar: Je mehr Zebrastreifen, desto besser. Dieser Aussage widerspricht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der eine Untersuchung zur Sicherheit von Zebrastreifen erstellt hat. „Wenn die Vorgaben nicht eingehalten werden, vermittelt ein Zebrastreifen nur eine Scheinsicherheit", sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung bei der GDV. Richtig geplante und ausgestattete Zebrastreifen seien hingegen so sicher wie Ampeln. Daran wiederum glaubt man im Ammerland nicht. 

„Zebrastreifen sind eher ein städtisches Mittel“

Im ganzen Landkreis im Nordwesten von Niedersachsen sind die Zebrastreifen entfernt worden. „Wir hatten viele Unfälle oder Fast-Unfälle, weil die Autofahrer sich nicht darauf eingelassen haben, dass die Fußgänger Vorfahrt haben", sagt Landrat Jörg Bensberg. Dort, wo die Autofahrer die Zebrastreifen eher akzeptieren, könnten Kommunen vielleicht andere Wege gehen. Bensberg findet: „Zebrastreifen sind eher ein städtisches Mittel. Wir sind ein ländlicher Landkreis." 

Die Leute müssen russisches Roulette spielen, wenn sie am Rathaus in Bad Zwischenahn über die Hauptstraße wollen.

Dabei hat auch das Ammerland Städte, zum Beispiel Bad Zwischenahn. „Dort müssen die Leute russisches Roulette spielen, wenn sie am Rathaus über die Hauptstraße wollen", sagt Volkmar Siems. Im benachbarten Apen wiederum könnten Kinder über einer Strecke von mehr als einem Kilometer nicht über die Straße laufen, sagt Siems, der Ratsherr in Apen ist. „Mein Achtjähriger hat in der Grundschule gelernt, wie er über Zebrastreifen gehen soll. Die Frage ist nur: Wo? Bei uns gibt es gar keine!" Im Ammerland stehen nun oft Fahrbahnteiler, auf denen sich die Fußgänger ausruhen können, ehe sie die zweite Fahrbahn in Angriff nehmen. 

Andere Kommunen haben viele Tempo-30-Zonen eingeführt - und dort sind Fußgängerüberwege laut der Verwaltungsvorschrift nicht mehr nötig. In hessischen Eltville zum Beispiel verschwand der Zebrastreifen auf dem Weg von der Fußgängerzone zum Rhein, weil die Autofahrer an dem Übergang nun auf 20 Stundenkilometer abgebremst werden. „Dort ist keine zusätzliche Sicherung mehr notwendig, weil wir davon ausgehen, dass die Autofahrer langsam fahren", sagt der Eltvilles Hauptamtsleiter Michael Stutze. 

Rund 400 neue Zebrastreifen in Berlin

Das größte Problem aber liegt für viele Kommunen darin, für ausreichend Beleuchtung zu sorgen. Dortmund stellte bei einer Überprüfung fest: Fast die Hälfte entspricht nicht den Beleuchtungsvorschriften. Und in Hamm fuhr ein Autofahrer eine Straßenlaterne um - woraufhin der Zebrastreifen dort durchgestrichen werden musste. Fast ein halbes Jahr lang blieb das so, denn der Hersteller des Lichtmastes konnte lange nicht liefern. Erst Mitte September gab es wieder Licht - und wieder einen Zebrastreifen. Doch die neue Beleuchtungs-, Beschriftungs- und Beschilderungsvorschrift muss nicht das Ende der Zebrastreifen bedeuten. Das macht ausgerechnet das notorisch klamme Berlin deutlich. Dort werden jedes Jahr 30 bis 40 neue Fußgängerüberwege eingerichtet, wie die Hauptstadt stolz berichtet. Sie fügt hinzu: „In Kürze wird die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt den 400. neuen Zebrastreifen in Betrieb nehmen."

Richtlinien

Zebrastreifen, im schönen Behördendeutsch Fußgängerüberwege oder kurz FGÜ, dürfen nur nach bestimmten Richtlinien aufgemalt werden. Sie sind dort empfohlen, wo 100 bis 150 Fußgänger pro Stunde auf 300 bis 600 Autos pro Stunde treffen. In der Verwaltungsvorschrift heißt das: „Fußgänger-Querverkehr" tritt „hinreichend gebündelt" auf. 

dpa

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