Prozess in Hannover

Für immer entstellt - Ex-Freund wegen Säure-Attacke vor Gericht

Hannover - Die Trennung kann er anscheinend nicht akzeptieren. Erst stellt ein 32-Jähriger seiner Ex-Freundin in Hannover nach. Dann soll er ihr vor der Wohnung aufgelauert und Säure ins Gesicht geschüttet haben. Wegen versuchten Mordes steht der Mann ab Freitag vor Gericht.

Freundlich lächelt die junge Frau mit den dunklen Locken und den sympathischen Augen auf dem Foto, das sie vor der Säure-Attacke in Hannover zeigt. Ihr Ex-Freund hat die Tat inzwischen gestanden. Auf Bildern danach sieht man ein entstelltes und vernarbtes Gesicht, das linke Auge und Ohr sowie die Brust sind verätzt. Für den Angriff nach einem Trennungsstreit muss sich der 32-Jährige von diesem Freitag an wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht verantworten. Das Opfer, das zahlreiche Operationen und Hauttransplantationen über sich ergehen lassen musste, will dem Täter zu Prozessbeginn im Gerichtssaal in die Augen blicken.

Abflussreiniger ins Gesicht gekippt

Bei dem Angriff Mitte Februar soll der Angeklagte die 27-Jährige frühmorgens an ihrer Wohnung abgepasst haben, um sie wegen der vorangegangenen Trennung zur Rede zu stellen. Als die Frau ihn zum Gehen aufforderte, soll er ihr überraschend einen aus Schwefelsäure bestehenden Abflussreiniger ins Gesicht geschüttet haben. "Der Angeklagte hat in Kauf genommen, dass sie dadurch sterben wird, das hätte zum Tode führen können", erklärte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Weil der Mann der Frau zuvor schon nachgestellt hatte, hatte diese bereits eine einstweilige Verfügung erwirkt.

Wegen der schweren Verätzungen war das Opfer zunächst in ein künstliches Koma versetzt worden. Später stellte die junge Frau sich vom Krankenbett aus einem Interview mit den hannoverschen Zeitungen und ließ sich auch fotografieren. Inzwischen sind ihre Haare nachgewachsen. Nach den Ermittlungen hatte der Angreifer industriellen Rohrreiniger verwendet, der 96-prozentige Schwefelsäure enthält. Seit der Attacke kann die Frau auf einem Auge nicht mehr sehen und ist im Gesicht dauerhaft schwer entstellt.

1500 Säureattacken auf Frauen

Laut der Hilfsorganisation Acid Survivors Trust International (ASTI) werden weltweit pro Jahr rund 1500 Säureattacken auf Frauen gemeldet. Allerdings geht die Organisation von einer mindestens doppelt so hohen Dunkelziffer aus. Die Attacken seien ein weltweites Phänomen, das laut ASTI weder in bestimmten ethnischen Gruppen noch in bestimmten Religionsgruppen besonders auftritt. Fälle gebe es in vielen Ländern Südostasiens, Afrikas, der Karibik, im Nahen Osten - und auch in Deutschland.

So verurteilte das Landgericht Paderborn im vergangenen Jahr einen 39-Jährigen wegen einer Säureattacke auf seine gleichaltrige Freundin zu neuneinhalb Jahren Haft. Das Gericht machte Eifersucht als Motiv aus, der Angeklagte habe die Frau so entstellen wollen, dass kein Mann in Zukunft mit ihr eine Beziehung eingehen würde. Das Gericht verhängte zudem ein Schmerzensgeld in Höhe von 85 000 Euro.

Ebenfalls eine vorangegangene Trennung war Auslöser einer Säureattacke auf eine junge Frau in Hilden. Das Landgericht Düsseldorf verurteilte dafür den 23-jährigen Ex-Freund als Drahtzieher des Angriffs 2013 zu fünf Jahren und sieben Monaten Haft. Er hatte einen 19-Jährigen Kumpel überredet, die Attacke auszuführen, dafür erhielt dieser dreieinhalb Jahre Jugendhaft. Der Ex-Freund habe die junge Frau bewusst entstellen und für andere Männer unattraktiv machen wollen, hieß es beim Urteil.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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