„Mein Leben ist kaputt“ - Die Opfer des Supermarkträubers

Hannover - Von Christina Sticht. Monatelang sorgte ein Serientäter bundesweit für Angst und Schrecken - vor allem Kassiererinnen fürchteten sich vor dem Unbekannten. Im Prozess gegen einen im Juni gefassten 42-Jährigen geht es am zweiten Verhandlungstag um den Mord an einem Kunden.

Ein 21-Jähriger Supermarkt-Kunde wird getötet und die Überlebenden des Überfalls leiden bis heute an den Folgen des Verbrechens. Am zweiten Tag des Prozesses gegen einen monatelang als Supermarkträuber gesuchten Manndreht sich im Landgericht Hannover alles um die brutalste Tat. Am 4. Dezember 2014 soll der Angeklagte den 21-Jährigen in einem Supermarkt in Hannover-Stöcken erschossen haben,weil der junge Mann versuchte, ihn zu überwältigen.Als der tödliche Schuss fiel, war die Kassiererin bereits auf der Flucht ins Lager.Die 52-Jährige berichtete am Dienstag als Zeugin, welche Todesangst sie während des Überfalls kurz vor Ladenschluss ausgestanden hat.

Sie habe gerade ihre EC-Belege sortiert, als der Mann auf einmal vor ihr stand.„Er hat mit seiner Pistole meine Stirn hochgedrückt und gesagt, ich möchte das Geld hier rein“, erzählt die Kassiererin, die eine Traumatherapie hinter sich hat und heute noch bei Kunden mit osteuropäischem Akzent zu zittern beginnt. Als sie bereits alle Scheine übergeben hatte und bei den Zwei-Euro-Münzen war, entdeckte sie plötzlich den 21-jährigen Stammkunden. „Ich sah nur, wie der Kunde den Beutel hochschleuderte auf den Räuber drauf“, sagt die Zeugin. Den Kampf des Kunden mit dem Räuber habe sie zum Wegrennen genutzt.

Der Anklage zufolge tötete der 42-jährige Pole den jungen Mann mit zwei Schüssen in die Schläfe und in den Oberkörper.Der als äußerst gefährlich eingestufte Mann muss sich außerdem wegen 23 weiterer Überfälle in sechs Bundesländern verantworten.Er schweigt zu den Vorwürfen und verfolgt die Verhandlung äußerlich regungslos. Der kräftige Mann mit der Halbglatze und dem grau-rötlichen Bart verzieht selbst keine Miene, als der zweite Zeuge an diesem Tag in Tränen ausbricht. Der 30-Jährige wurde bei dem Überfall am 4. Dezember 2014 vor dem Markt von einer Kugel in den Oberschenkel getroffen und schwer verletzt.

„Mein Leben ist kaputt. Ich habe überall Angst“, sagt der aus dem Kosovo stammende Arbeitslose. „Ich habe zwei Kinder zu Hause. Ich kann nicht mit den Kindern spazieren oder einkaufen.“ Ob er denn keine Therapie gemacht habe, fragt der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch. Dies habe bisher wegen der Sprache nicht geklappt, entgegnet der Zeuge, bevor er aus dem Saal hinkt.

Der Pole soll für die Taten extra nach Deutschland eingereist sein. Fahnder konnten ihn Ende Juni bei Dresden fassen. Das Motiv ist unklar. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe, möglicherweise mit anschließender Sicherungsverwahrung. Seine halbautomatische Ceska-Pistole benutzte er laut Anklage an neun Tatorten. Dabei wurden der 21-Jährige getötet und mehrere Menschen verletzt.Im westfälischen Hammschoss er demnach einer Kassiererinin denFuß. Für den Prozess sind insgesamt 25 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte erst im Juni gesprochen werden (AZ: 39 Ks 17/15).

dpa

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