Jens Siemer ist Marktmeister

Ein Leben für den Stoppelmarkt

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Marktleiter des Stoppelmarkt steht auf dem Gelände vor der Achterbahn. Das Volksfest beginnt am.

Vechta - Von Elmar Stephan. Hundertausende vergnügen sich auf einem Volksfest wie dem Stoppelmarkt in Vechta. Der Spaß der einen ist die Arbeit der anderen - vor allem für die Organisatoren im Hintergrund. Die Megakirmes bedeutet für den Marktmeister viel Stress - der aber Spaß macht.

Jens Siemer ist in Aktion. Noch hat er sein Handy in der Hand, schon klingelt das Festnetztelefon. "Wann kommen Sie an? Brauchen Sie Strom?" - Siemer ist Marktmeister in Vechta und damit der Manager und Organisator des Stoppelmarkts, des größten Volksfestes in der Region. Mit anderen Worten: Siemer ist Mädchen für alles.

Der 36-Jährige ist Vater von zwei kleinen Töchtern im Alter von vier Wochen und drei Jahren und stammt aus einem Nachbardorf von Vechta. "Ich kenne den Stoppelmarkt seit Kindertagen. Ich bin seit damals immer mehrere Tage da gewesen." So gehe es wohl jedem Vechtaer, sagt Siemer. Was für München das Oktoberfest oder für die Kölner der Karneval, ist für die Menschen in Vechta der Stoppelmarkt.

2011 fing er an, für den Markt zu arbeiten, und seit 2012 trägt der gelernte Werbekaufmann die alleinige Verantwortung für das fünftägige Fest, zu dem die Kreisstadt jedes Jahr mehr als 800.000 Besucher erwartet. Einige Besucher kämen sogar von der Küste, sagt Siemer.

Aufgebaut wird bis kurz vor dem Start am Donnerstagabend. Viele Fahrgeschäfte kommen erst am Montag oder Dienstag an, und dann geht es um jede Minute. Autokräne hieven die schweren Einzelteile der Fahrgeschäfte hoch. Der Zusammenbau der Stahlkolosse ist Präzisionsarbeit.

Sonderzüge zum Stoppelmarkt

Viel Freude beim Festumzug.

Siemer flitzt dann mit seinem alten Damen-Fahrrad über das Festgelände und schaut, wo es beim Aufbauen hakt. Der Aufbauplan hängt seit gut zwei Wochen aus - die gut 500 Schausteller und Gastronomen wissen in der Regel, wo sie ihre Geschäfte aufbauen sollen. "Wir müssen schauen, dass sie sich dran halten, dass sie sauber in einer Reihe stehen - und nicht auf dem Platz vom Nachbarn", erzählt er lächelnd. Die Schausteller seien Profis, sie achteten selber darauf, ihre Nachbarn nicht zu behindern. Aber manchmal sei es doch notwendig, noch etwas koordinierend einzugreifen. Am Donnerstag wird nach einem Festumzug durch Vechta um 18.30 Uhr der Stoppelmarkt eröffnet. Auch dann ist noch keine Zeit für Entspannung für Siemer gekommen. "Irgendwas ist immer", sagt er. Er müsse sich um Programmpunkte kümmern, immer wieder technische Probleme lösen oder Ansprechpartner organisieren, es gebe Pressetermine und repräsentative Termine.

Und nach dem Stoppelmarkt ist vor dem Stoppelmarkt. Die Vorbereitungen für das Volksfest 2017 hätten schon mit den Ausschreibungen begonnen. Bis Weihnachten muss er rund 1500 Bewerbungen von Schaustellern und Gastronomen vorab bewerten und dem Fachausschuss der Stadt vorlegen. Daneben organisiert er noch andere Volksfeste, und den regelmäßigen Wochenmarkt in Vechta sowieso. Bleibt Zeit für Urlaub? "Die Frage hätte meine Frau stellen können", sagt er und lächelt etwas gequält. "Das ist ein Problem."

Trotz des Stresses mache ihm der Job viel Freude. "Spaß machen muss es, sonst bekommt man in dem Beruf irgendwann ein Problem." Die erste Erwähnung der Traditions-Kirmes war 1298, damit ist der Stoppelmarkt eines der ältesten Volksfeste in Deutschland. "Der Tradition fühlen wir uns verpflichtet, aber eine Bürde ist es nicht."

Tradition und Moderne beim Stoppelmarkt.

Der Stoppelmarkt habe seine Traditionsgeschäfte, aber wandele sich doch auch ständig. "Wir müssen auf dem Laufenden bleiben, was das Publikum sich wünscht", erzählt er. Gastronomisch sei auch beim Kirmes-Publikum der Trend zu fleischloser, vegetarischer oder veganer Ernährung angekommen. "Jemand, der drei Tage hierhin kommt, will ja nicht immer nur Bratwurst essen." Für ein anderes, größeres Volksfest zu arbeiten, etwa für das Oktoberfest in München, könne er sich im Moment nicht vorstellen. "Ich bin aus Vechta, der Stoppelmarkt ist meine Veranstaltung", sagt er bestimmt. Man müsse sich mit der Veranstaltung identifizieren.

Beim Thema Sicherheit wird Siemer ernst. "Wir sind auf alles vorbereitet", sagt er. Hundertprozentige Sicherheit aber könne es nicht geben. "Es gibt keinen Hinweis auf eine erhöhte Bedrohungslage." Das sieht auch die Polizei so. "Ein kleines Restrisiko bleibt für jeden, der das Haus verlässt", sagt Polizeisprecherin Maren Fokken. "Aber natürlich versuchen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten, das Fest so sicher wie möglich zu machen." Jeder könne unbeschwert feiern gehen.

Er hoffe, dass auch Flüchtlinge das Volksfest besuchen, sagt Siemer. "Wo kann man besser Integration bieten als auf einem Volksfest?", fragt er. Das Fest koste keinen Eintritt, jeder könne sich frei bewegen und allen begegnen. "Wo könnte man nicht besser Vorurteile abbauen, wenn nicht hier?"

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