Interview mit dem Marktexperten der Schweinehalter-Interessengemeinschaft

„Landwirte steigen aus“

Matthias Quaing. - Foto: ISN/Püttker

Landkreis Vechta - Über die Lage der Schweinezüchter und -mäster in der Region spricht Matthias Quaing, Marktexperte der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands mit Sitz in Damme, im Interview. Die Fragen stellte Damian Ryschka.

Die Preise für Schlachtschweine bewegen sich nach wie vor auf einem sehr niedrigen Level. Geht es noch niedriger oder ist das Tal bereits durchschritten?

Ähnlich niedrige Preise zu dieser Jahreszeit hatten wir seit elf Jahren nicht mehr. Damals lagen die Futterkosten allerdings noch unter den aktuellen Preisen. Eine kurzfristige Besserung der Lage ist leider nicht abzusehen. Daher ist die Lage für viele Betriebe sehr ernst.

Was sind momentan die wichtigsten Gründe für den Niedrigpreis?

In Deutschland ist die Zahl der gehaltenen Mastschweine in den vergangenen Jahren relativ stabil geblieben, die Zahl der gehaltenen Sauen ist sogar rückläufig. Der Schweinepreis wird jedoch nicht in Deutschland gemacht, sondern in Europa, wenn nicht gar weltweit. Und da ist das Angebot hoch. Einige Länder, insbesondere Spanien, haben die Schweinebestände in den vergangenen zwei Jahren massiv aufgestockt. Zu einem hohen Angebot kommt hierzulande eine schwächelnde Nachfrage nach Schweinefleisch.

Schon jetzt geht die Preisgestaltung an die Existenz vieler Schweinehalter. Sollte der Preis nicht steigen: Welche Konsequenz hat das für die Landwirte?

Viele Betriebe mussten bereits zusätzliche Kredite aufnehmen, um die laufenden Kosten decken zu können. Sollte der Preis nicht bald besser werden, könnten die Banken den Betrieben zunehmend den Geldhahn zudrehen. Viele Landwirte lassen es nicht so weit kommen und steigen vorher aus.

Das Verständnis für die Situation der Landwirte ist nicht unbedingt immer stark ausgeprägt. Nicht wenige sagen: Weniger mästen – dann erfolgt auch eine Marktbereinigung.

Diese Formel ist definitiv zu einfach, das zeigt das Beispiel Spanien. In Deutschland wurden die Sauenbestände im vergangenen Jahr um 82 000 Tiere – rund vier Prozent – abgestockt. In Spanien hingegen um 108 000 Tiere aufgestockt. Wir beobachten – auch aufgrund der hierzulande immer weiter steigenden gesetzlichen Auflagen – zunehmend eine Verlagerung der Tierhaltung ins günstigere Ausland.

Bei der Fleischproduktion gibt es einen Teufelskreis: Der Landwirt soll das Angebot verringern, der Verbraucher soll mehr zahlen, Lebensmitteleinzelhandel und Discounter sollen die Lieferanten besser entlohnen. Wo liegt denn nun die Wahrheit?

Wir brauchen einen fairen Wettbewerb, dann folgen auf schlechte Zeiten auch wieder bessere. Viele Schweinehalter fühlen sich jedoch zunehmend von der Politik verschaukelt. Auf der einen Seite steigen die Auflagen und damit die Kosten für die deutschen Landwirte immer schneller, auf der anderen Seite gab es erst kürzlich die Ministererlaubnis zur Übernahme von Tengelmann durch Edeka. Hier hat die Politik alle Warnungen des Kartellamtes, dass die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels hierdurch weiter steigen wird, quasi in den Wind geschossen. Das passt einfach nicht zusammen.

Was muss die (Landes-)Politik mitbringen oder umsetzen, um die Situation zu verändern?

Leider haben Politiker allzu oft die ideologische Brille auf und nehmen den Betrieben so die Lust an der Landwirtschaft. Der Frust vieler Landwirte steigt.

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