700 Teilnehmer 

Kernkraftgegner fordern Aus für Atomanlagen

Lingen - Neben Atomkraftwerken sollten auch die Fabriken zur Fertigung von Brennelementen in den Atomausstieg einbezogen werden. Dafür gingen rund 700 Atomkraftgegner in Lingen auf die Straße. Niedersachsens Umweltminister Wenzel hat eine klare Meinung zu der Lingener Fabrik.

Nach Protesten von hunderten von Atomkraftgegnern gegen die Brennelemente-Produktion in Lingen hat Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel die Anlage als verzichtbar bezeichnet. Die Produktion von Brennelementen müsse in den Atomausstieg einbezogen werden, urteilte der Grünen-Politiker. Zuvor hatte es am Samstag einen Protestzug durch die Lingener Innenstadt gegeben, ein Bündnis von mehr als 100 Anti-Atomkraftorganisationen hatte dazu aufgerufen. Polizei und Veranstalter sprachen von rund 700 Teilnehmern.

Unter den beteiligten Atomgegnern waren auch Delegationen von Atomstandorten in Belgien und Frankreich. Die zum französischen Areva-Konzern gehörende Lingener Fabrik beliefert neben deutschen Kernkraftwerken unter anderem auch die umstrittenen Atommeiler Doel und Tihange in Belgien. Nach Ansicht des Umweltministeriums in Hannover ist der Weiterbetrieb der Brennelementefabrik in Lingen eine "Inkonsequenz der Beschlüsse zum Atomausstieg".

Die Demonstranten beklagten, Lingen sei ein zentraler Ort für die Atomindustrie in Deutschland. Gefordert wurde ein Stopp aller Exporte von Brennelementen und von angereichertem Uran aus Deutschland ins Ausland. Die Anlagen zur Urananreicherung im westfälischen Gronau und die Brennelementfertigung in Lingen müssten in den Atomausstieg einbezogen werden. Auch sollten die in Niedersachsen noch laufenden Kernkraftwerke früher vom Netz genommen werden.

In dem Bundesland sind noch zwei Atomkraftwerke am Netz: Die Meiler Grohnde und Emsland in Lingen. Das Werk Emsland soll 2022 als letzter niedersächsischer Atomreaktor abgeschaltet werden, Grohnde spätestens am 31. Dezember 2021.

Bei Areva in Lingen arbeiten rund 300 Menschen in der Produktion von Brennelementen. Ein Exportverbot bedrohe Arbeitsplätze in Deutschland, betonte das Unternehmen. "Nach der Abschaltung der letzten deutschen Kernkraftwerke im Jahr 2022 ist nur eine exportorientierte kerntechnische Industrie in der Lage, die notwendigen Kompetenzen für sicheren Rückbau und Zwischenlagerung, aber auch für Medizin und Forschung in Deutschland zu erhalten", teilte das Unternehmen mit.

dpa

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